Buden auf dem Heilbronner Weihnachtsmarkt (Foto: SWR, SWR)

Beschicker rechnen mit großen finanziellen Verlusten

Nach Weihnachtsmarkt-Absage: Heilbronn schnürt Hilfspaket für Beschicker

STAND

Heilbronner Marktbeschicker sind von der Absage des Weihnachtsmarkts überrascht worden. Die Stadt bietet Hilfe an - dennoch ist die Verzweiflung bei manchen groß.

Jürgen Schneider kann nicht mehr schlafen. Nach zwei Jahren ohne jeden Umsatz hatten er und seine Frau gehofft, auf dem Heilbronner Weihnachtsmarkt endlich wieder Geld zu verdienen.

Die Schneiders verkaufen Holzkunst aus dem Erzgebirge. Am Samstag hat die Stadt den Weihnachtsmarkt wegen der stark angestiegenen Coronainfektionszahlen abgesagt. Zunächst hatte Jürgen Schneider noch gehofft, dass er zu den regulären Ladenöffnungszeiten vielleicht doch Ware verkaufen könnte. Schließlich unterscheide sein Stand sich nicht vom Einzelhandel in der Heilbronner Innenstadt, sagte Schneider dem SWR Studio Heilbronn.

Stadt will Beschickern helfen

Nach einem Gespräch zwischen Marktbeschickern und der Stadt Heilbronn am Montagnachmittag jedoch ist klar: Auch die Stände, die nur Waren verkaufen und keine Gastronomie anbieten, müssen zurückgebaut werden. Wegen der drastischen Corona-Lage soll keinerlei zusätzliche Frequenzierung in der Innenstadt erzeugt werden. Das sagte Steffen Schoch, Geschäftsführer der Heilbronn Marketing Gesellschaft dem SWR Studio Heilbronn.

Laut einer Mitteilung macht die Stadt Heilbronn den Beschickern eine Reihe von Angeboten, um sie zu unterstützen. Unter anderem signalisiert die Stadt die Abnahme verderblicher Ware, die bereits eingekauft worden ist und für die die Beschicker keine Möglichkeit zur Verwertung haben. Die Ware soll einem sozialen Zweck zugeführt werden, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Auf die Standgebühren wird verzichtet.

Marktbeschicker Jürgen Schneider  (Foto: SWR)
Jürgen Schneider ordnet Figuren. Zum ersten Mal seit zwei Jahren hat er seine Ware ausgepackt. Nun muss er sie wieder einpacken, ohne etwas zu verkaufen.

Gespräche für Einzellösungen geplant

Für regionale, selbst erzeugte Lebensmittel soll eine Verkaufsmöglichkeit auf dem Heilbronner Wochenmarkt angeboten werden. Holzkunst aus dem Erzgebirge, wie sie Jürgen Schneider verkauft, fällt laut Steffen Schoch von Heilbronn Marketing allerdings nicht unter diese Regelung.

Der Veranstalter - die Heilbronn Marketing Gesellschaft - bewirbt zudem die Online-Präsenzen der Beschicker auf der Website des Weihnachtsmarkts. Außerdem sollen mit den Beschickern weitere individuelle Einzellösungen besprochen werden.

Allein Auf- und Abbau kostet tausende Euro

Nach der Absage des Heilbronner Weihnachtsmarkts stehen viele Beschicker vor finanziellen Herausforderungen. Hannelore Schröder-Wagner, Sprecherin der Beschicker auf dem Markt, schätzt die Kosten allein für Auf- und Abbau eines Standes je nach Betriebsgröße auf 3.000 bis 12.000 Euro.

Eine Erstattung dieser Kosten vonseiten der Stadt sei nicht vorgesehen, sagte Steffen Schoch dem SWR Studio Heilbronn. Beschicker müssen laut Schoch nun auf ihre Steuerberater zugehen, um diese Kosten aus anderweitig existierenden Corona-Hilfstöpfen von Bund oder Land zurückzufordern.

Buden auf dem Heilbronner Weihnachtsmarkt (Foto: SWR, SWR)
Am Samstag wurde der Weihnachtsmarkt in Heilbronn abgesagt. Die Buden sind schon aufgebaut. SWR

Frust bei den Händlern

Maja Donald-Blezinger von der Töpferei Hasenmühle in Weinsberg (Kreis Heilbronn) verkauft unter anderem selbstgetöpferte Tassen. "Von Februar bis Oktober arbeiten wir für das, was wir auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen", sagt Donald-Blezinger über ihren Betrieb.

Auch sie hatte darauf gehofft, dass sie zumindest zu den normalen Ladenöffnungszeiten an ihrem Stand, der bereits voll aufgebaut ist, verkaufen könnte.

"Es ist wie betteln."

Donald-Blezinger will nun stattdessen vor dem Kaufland in Neckarsulm ihre Waren anbieten. Dort hat sie nach eigenen Angaben einen von drei Standplätzen ergattern können. Der Platz dort sei allerdings wesentlich kleiner. "Mit dem Weihnachtsmarkt kann man das nicht vergleichen", sagt Donald-Blezinger.

Maja Donald-Blezinger von der Töpferei Hasenmühle auf dem Heilbronner Weihnachtsmarkt (Foto: SWR)
Maja Donald-Blezinger von der Töpferei Hasenmühle in Weinsberg.

Marktbeschicker Rolf Zöllner aus Öhringen (Hohenlohekreis) kritisiert, dass es kurz vor der Absage noch eine Zusage der Stadt gegeben habe, dass der Markt stattfinden werde. Die Verärgerung und Enttäuschung seien groß. Zöllner habe extra mit den Bestellungen gewartet, aber jetzt sei die Ware eingekauft und das Personal bestellt.

"Ich weiß nicht, ob ich das nochmal mache. Einfach keine Lust mehr, am besten aufhören. Diese Politik, die da betrieben wird, die macht uns kleine Unternehmer kaputt."

Am Donnerstag hätte der Weihnachtsmarkt starten sollen.

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