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Deutschlands größter Discounter Lidl mit Sitz in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) steigt in die digitale Bindung seiner Kunden ein. Seit Montag bietet er Kundenkarten mit Online-Registrierung samt App an.

Damit folgt der Neckarsulmer Discounterriese Lidl Konkurrenten wie der Rewe- und der Edeka-Gruppe. Lidl hatte ebenso wie sein schärfster Konkurrent Aldi bislang auf ein solches System verzichtet. Der Zeitpunkt sei passend gewählt, ein Kundenbindungsprogramm einzuführen, wird Lidl-Digital-Geschäftsführer Dominik Eberhard zitiert.

"Wir wollen mit der Lidl-Plus-App unseren Kunden ein weiteres Argument bieten, bei Lidl einzukaufen und dadurch bei jedem Einkauf bares Geld zu sparen."

Dominik Eberhard, Digital-Geschäftsführer bei Lidl

Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht die digitalen Rabattsysteme kritisch. Sie fragen sehr viele Kundendaten ab (dazu mehr im Audio).

Datenschützer kritisieren digitale Rabattsysteme

Willkommensrabatte, exklusive Angebote und Gewinnspiele gibt es für die neuen Nutzer im Gegenzug für persönliche Daten. Datenschützer kritisieren das. Durch die Sammelwut der Unternehmen könnten Bürger zu Gläsernen Kunden werden. "Mit Kundenprogrammen, die auf der Analyse des Einkaufsverhaltens basieren, ermöglicht man einen Blick nicht nur in seinen Einkaufskorb, sondern auch in den Haushalt oder sogar in die eigene Persönlichkeit", sagt die Landesbeauftragte für Datenschutz in Schleswig-Holstein, Marit Hansen der Deutschen Presseagentur (dpa).

Warnung vor Gläsernem Kunden

Wer über eine längere Zeit Einkaufsdaten einer Person sammle, könne Rückschlüsse auf die Größe des Haushalts, Feierlichkeiten und Gäste, Markenbewusstsein, Ess- und Konsumgewohnheiten, selbst auf den Gesundheitszustand ziehen. Rabattsysteme seien aus Sicht der Unternehmen letztlich kein Zuschussgeschäft, siehe Bonusprogramme wie Payback und Deutschlandcard.

Unternehmen erhalten detaillierte Informationen über ihre Kunden

Die Kunden erkaufen sich Rabatte oder Prämien, indem sie ihre Daten an Dritte geben - etwa Name, Mailadresse und Shopping-Präferenzen, sagt Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln. Die Folge: maßgeschneiderte Angebote für einzelne Kunden und auch angepasste Marketing- und Vertriebsmaßnahmen insgesamt. Außerdem tragen Programme dazu bei, dass die Bindung zwischen einem Unternehmen und dem Kunden tendenziell steigt.

Bei Lidl sollen sich bis Jahresende mehrere Millionen Nutzer beim Bonusprogramm registriert haben. So lautet die grobe Schätzung des zur Neckarsulmer Schwarz-Gruppe gehörenden Unternehmens. Bereits jetzt sei die App unter anderem dank der Tests in Berlin und Brandenburg rund eine Million Mal heruntergeladen worden, hieß es.

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