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Die Handelsunternehmen Lidl und Kaufland der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe (Kreis Heilbronn) wollen nach eigenen Angaben in Zukunft bei ihren Frischfleisch- und Frischgeflügel-Lieferanten sowie in der eigenen Produktion auf Werkverträge verzichten.

Spätestens im Januar 2021 soll die neue Vereinbarung greifen, sodass es keine Werkverträge mit Dritten bei Schlachtung, Zerlegung und Verpackung mehr gebe. Als erstes Handelsunternehmen verzichte man auf die Werkverträge, heißt es.

Damit reagiert das Unternehmen auf einen Kabinettsbeschluss der Bundesregierung vom Mai. Demnach soll das Schlachten und die Verarbeitung des Fleisches in den Schlachtbetrieben von Januar an nur noch von eigenen Beschäftigten erledigt werden. Werkverträge werden untersagt. Außerdem sind mehr und strengere Kontrollen geplant.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil erklärte, für ein Geschäftsmodell, das Ausbeutung und eine Ausbreitung von Pandemien in Kauf nehme, könne es in Deutschland keine Toleranz geben. "Es ist Zeit, in diesem Bereich aufzuräumen", sagte der SPD-Politiker. 

Industrielle Fleischverarbeitung betroffen

Mit den neuen Regelungen soll erreicht werden, dass Fleischfabriken die Verantwortung für Niedrigstlöhne und Missstände bei der Unterbringung der Vertragsarbeiter von sich weisen können. Bislang ist dies möglich, weil Arbeiter mit Werkverträgen bei Subunternehmen beschäftigt sind. Bundesarbeitsminister Heil will einen Entwurf für das Gesetzgebungsverfahren erarbeiten.

Bei Kaufland laufe der Umstellungsprozess bereits, so das Unternehmen am Dienstag. Ab Januar sollen dann alle betroffenen Mitarbeiter unbefristete Arbeitsverträge haben.

Lockdown in Nordrhein-Westfalen wegen Coronavirus in Schlachtbetrieb

Die Entscheidung sei durch die jüngsten Ereignisse beim Schlachtbetrieb Tönnies beschleunigt worden. Nach dem Ausbruch des Coronavirus in dem Schlachthof in Nordrhein-Westfalen wurde der Lockdown über den gesamten Kreis Gütersloh verhängt.

Zur Neckarsulmer Schwarz-Gruppe gehören die Handelsunternehmen Kaufland und Lidl. Aktuell betreibe Lidl rund 10.800 Filialen in derzeit 29 Ländern weltweit, heißt es. In Deutschland gibt es demnach rund 83.000 Mitarbeiter in rund 3.200 Filialen. Das Einzelhandelsunternehmen Kaufland beschäftige in rund 1.300 Filialen rund 132.000 Mitarbeiter in acht Ländern. 

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