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Nach der Explosion einer Briefbombe am Mittwochnachmittag in der Zentrale des Discounters Lidl in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft. Intern hat der Discounter die Mitarbeiter gebeten, zu Hause zu bleiben.

Bisher hat die Polizei keine weiteren Hintergründe zum Sprengsatz bekannt gegeben. Bekannt ist aber, dass es wohl keine Drohbriefe oder Erpresserschreiben im Vorfeld der Explosion gegeben hat. Was in der Zwischenzeit passiert ist, dazu wollte die Polizei keine Stellung nehmen. Auch laufen die Ermittlungen zur Tat weiter.

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Die Briefbombe war am Mittwoch explodiert, als ein Kuvert geöffnet wurde. Zwei Menschen wurden dabei leicht, ein Mensch schwer verletzt. Alle drei hätten sich in einem Raum befunden, so die Polizei.

Empfehlung: Bis Sonntag nicht aufs Bildungscampus-Gelände

Noch am Abend des Großeinsatzes verschickte die Dieter-Schwarz-Gruppe mit Sitz in Neckarsulm eine interne Mitteilung, wonach die Mitarbeiter in den Verwaltungen vorerst nicht mehr an ihre Arbeitsplätze kommen sollen. Auch für den Heilbronner Bildungscampus, der von der Dieter-Schwarz-Stiftung finanziert wird, gab es eine Empfehlung. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) bestätigte dem SWR, dass die Mitarbeiter bis Sonntag nicht aufs Gelände kommen sollen.

Rettungskräfte vor dem Gebäude (Foto: SWR)
Einsatzkräfte warten am Mittwochnachnittag vor der Lidl-Zentrale (Archivbild)

Die Lidl-Zentrale war am Mittwoch nach der Explosion geräumt worden, rund 100 Mitarbeiter der Firma wurden in Sicherheit gebracht. Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei waren bis in den Abend hinein mit einem Großaufgebot vor Ort. Ein Rettungshubschrauber landete auf dem Firmengelände.

Motiv unklar - Lidl immer wieder Ziel von Erpressungsversuchen

Nach der Explosion war die Verunsicherung bei den Beschäftigten der Schwarz-Gruppe, zu der Lidl gehört, groß. Von zwei weiteren Sprengsätzen war eine Zeit lang die Rede. Doch sie hätten sich als Fehlalarm herausgestellt, hieß es später. Die Polizei im Raum Heilbronn-Neckarsulm wird seit der Explosion auch immer wieder gebeten, verdächtige Gegenstände, Päckchen oder Pakete zu untersuchen.

Lidl-Zentrale in Neckarsulm am Tag nach der Explosion. Die Mitarbeiter wurden gebeten, daheim zu bleiben (Foto: SWR)
Lidl-Zentrale in Neckarsulm am Tag nach der Explosion. Die Mitarbeiter wurden gebeten, daheim zu bleiben

Über ein mögliches Motiv gab die Polizei bisher nichts bekannt, auch nicht über mögliche Täter. In der Vergangenheit gab es immer wieder Erpressungsversuche und Anschläge auf den Discounter, häufig mit vergifteten Waren. Vor knapp fünf Jahren detonierte im Kreis Recklinghausen in einer Lidl-Filiale eine Rohrbombe.

Offen ist auch noch, ob es einen Zusammenhang mit der Explosion am vergangenen Dienstag in den Wild-Werken in Eppelheim (Rhein-Neckar-Kreis) gibt. Dort wurde ein Mensch verletzt. Ein möglicher Zusammenhang wird geprüft.

Internationales Interesse groß

Das mediale Interesse ist groß - auch international, so ein Heilbronner Polizeisprecher. Sogar Botschaften aus fremden Ländern würden sich Sorgen um ihre Bürger machen und sich bei den Beamten melden.

Auch ein Rettungshubschrauber ist im Einsatz an der Lidl-Zentrale - es hat eine Explosion gegeben (Foto: 7aktuell.de | Hessenauer )
Auch ein Rettungshubschrauber war im Einsatz an der Lidl-Zentrale - es hat eine Explosion gegeben 7aktuell.de | Hessenauer Bild in Detailansicht öffnen
Haufenweise Rettungskräfte waren vor Ort nach der Explosion in der Lidl-Zentrale Bild in Detailansicht öffnen
Feuerwehreinsatz bei Lidl Neckarsulm 7aktuell.de | Hessenauer Bild in Detailansicht öffnen
Rettungskräfte vor der Lidl-Zentrale Bild in Detailansicht öffnen
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An der Lidl-Zentrale war eine Paket- oder Breifbombe explodiert Bild in Detailansicht öffnen
Rettungseinsatz am Lidl-Verwaltungsgebäude 7aktuell.de | Hessenauer Bild in Detailansicht öffnen

Die Nachricht über die Explosion ging auch an Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD) nicht spurlos vorüber, er mahnte in der Verwaltung zur Vorsicht.

"Ich habe noch am Abend meine Verwaltung angewiesen, an allen Posteingangsstellen jetzt besondere Aufmerksamkeit walten zu lassen. Gerade bei Päckchen, die keinen Adressaten haben oder keinen Absender, die in irgendeiner Art und Weise auffällig sind, bitte besonders vorsichtig sein."

Steffen Hertwig, Oberbürgermeister Neckarsulm

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