Viele Einwegflaschen liegen auf einem Haufen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Kahnert)

DUH fordert Sanktion für Discounter in Neckarsulm

Kaum Pfandflaschen: Deutsche Umwelthilfe kritisiert Einweg-System bei Lidl

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Die Deutsche Umwelthilfe fordert eine Abgabe auf Einweg-Getränkeverpackungen. In der Kritik des Vereins steht dabei auch der Discounter Lidl.

Discounter wie Lidl mit Sitz in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) oder Aldi würden die im Verpackungsgesetzt festgelegte Mehrwegquote von 70 Prozent nicht einhalten, bemängelt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in einer Pressemitteilung. Die Organisation fordert daher von der Bundesministerin für Umwelt und Naturschutz, Steffi Lemke (Grüne), sofortige Maßnahmen. Heißt, gehe es nach der DUH, würden den Discountern eine Sanktion in Form einer Abgabe "von mindestens 20 Cent auf Einweg-Plastikflaschen, Dosen und Getränkekartons zusätzlich zum Pfand" aufgebrummt. "Nur so werden die negativen Umweltauswirkungen von Einweg-Verpackungen sichtbar und ökonomische Anreize für Unternehmen gesetzt, auf Mehrweg umzustellen", sagt die DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

"Mehrwegförderung nicht einmal erkennbar"

Anlass sei das ausschließliche Angebot von Einweg-Getränkeverpackungen bei den Discountern wie Lidl. Testbesuche der DUH hätten ergeben, "dass die genannten Discounter eine Mehrwegquote von null Prozent aufweisen und somit gesetzliche Vorgaben schlichtweg ignorieren". Und an Ministerin Lemke gerichtet: Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Mehrwegförderung im Getränkebereich sei "nicht einmal in Ansätzen erkennbar".

"Aldi und Lidl setzen weiterhin auf eine Flut aus Einweg-Getränkeverpackungen."

Recyclingprozess braucht Energie

Das Ignorieren der gesetzlichen Mehrwegquote und dass unter anderem der Lebensmittelhersteller Lidl mit Sitz in Neckarsulm auf die Einweg-Variante von Getränkeverpackungen setzt, darf die Ministerin so nicht hinnehmen, gerade in Zeiten "angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise und der fatalen Abhängigkeit von fossilen Energieträgern", heißt es in der Mitteilung der DUH.

Schließlich brauche auch der Recyclingprozess und die Aufbereitung alter Plastikflaschen Energie, Wasser und Chemikalien, so DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer in der Mitteilung. Weiter würde ein geringer Teil des Materials dabei verloren gehen. "Recyclingmaterial gibt es nicht zum Nulltarif. Etwas Anderes zu behaupten, ist lediglich ein verzweifelter Versuch, die Verbraucherinnen und Verbraucher vom wachsenden Plastikmüll-Problem abzulenken", so Fischer.

Sind Recyclingflaschen umweltfreundlich?

Laut DUH begründe der Discounter Lidl seinen "Mehrwegboykott" und den Einsatz von Einweg-Plastikflaschen mit Umweltfreundlichkeit, was der Verein als "Greenwashing" bezeichnet und zurückweist. "Alle bisherigen Ökobilanzen belegen eindeutig die ökologische Vorteilhaftigkeit regionaler Mehrwegflaschen." Der Einsatz von Recyclingmaterial bedeute nicht, dass Einweg-Plastikflaschen eine umweltfreundliche Verpackung seien.

Schwarz-Gruppe erweitert Recyclingeschäft um PreZero

Im vergangenen Jahr erweiterte die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe, zu denen auch die Supermärkte Kaufland und Lidl gehören, ihr Recyclingeschäft. Ihr Recyclingunternehmen PreZero übernahm die Mehrheit der Kunststoff-Bearbeitungs-Gesellschaft KBG. Die Wiederverwertung von Verpackungen werde auch für die Schwarz-Gruppe immer wichtiger, sagte damals ein Experte von der Lebensmittel-Zeitung, der die Entwicklung des Konzerns seit Jahren beobachtet. Hintergrund ist, dass der Kampf um die Recycling-Rohstoffe immer wichtiger werde - spätestens dann, wenn die Europäische Union Quoten einführt. Dann werde nicht nur bei Getränkeflaschen relevant, wie viel Recycling-Material dabei verwendet werden muss, sondern auch bei anderen Verpackungen. Fehle einem Unternehmen wie der Schwarz-Gruppe dann das Recycling-Material, könne auch nichts verkaufet werden. "Das Problem haben sie dadurch gelöst, dass sie gesagt haben: Dann machen wir die Müllsammlung und können uns dadurch die Rohstoffe beschaffen", so der Experte.

PreZero ist neben Deutschland in neun europäischen Ländern und in den USA als Entsorgungs- und Recycling-Gesellschaft präsent.

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