Bisher wurden Schülerinnen und Schüler zwei Mal pro Woche auf Corona getestet. Ab 8.11.21 endet diese Phase, dann werden sie nur noch einmal die Woche getestet. Trotz wieder deutlich steigender Infektionszahlen. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

"Corona haut eine Schneise rein"

Herausforderndes Schuljahr endet - mehr Lehrkräfte gefordert

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Mathias Grimm

Zum heutigen Ende des Schuljahres in Baden-Württemberg ziehen Schulleiter Bilanz. Sie blicken auf ein schwieriges Jahr mit Pandemie und Ausfällen zurück.

Für die Schüler und Lehrer geht es in die Sommerferien – teils erleichtert, teils mit gemischten Gefühlen. Das Schuljahr ist vorbei, war aber eine "große Herausforderung", sagt der geschäftsführende Schulleiter in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall), Ulrich Kern.

"Die ersten Stunden sind mit Hunderten Corona-Tests flöten gegangen. Listen führen, Tests auswerten, das war viel Zeit für die Kolleginnen und Kollegen."

Keine Maske mehr seit April

Zudem waren nicht immer alle Eltern bereit, ihre Kinder testen zu lassen, bemängelt die Vorsitzende des Gesamtelternbeirats in Crailsheim, Kristina Schmidt. "Alles in allem hat es aber gut funktioniert", sagt Schmidt. Ab dem 1. April 2022 sei es ohnehin besser geworden. Da fiel die Maskenpflicht.

Eine Maske liegt im Unterricht auf Unterlagen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Matthias Balk)
Ab April fiel die Maskenpflicht in den Klassenzimmern (Symbolbild) picture alliance/dpa | Matthias Balk

"Es war schön, wieder die Gesichter der Kinder zu sehen", sagt Schulleiter Kern. Man sei auch direkt wieder durchgestartet mit musikalischen, künstlerischen und sportlichen Veranstaltungen. "Damit hatten wir zwei Jahre warten müssen. Es hat allen gutgetan, wieder mal durchzuatmen."

Personalmangel durch Corona verschärft

Ein großes Problem war aber, nicht nur in Crailsheimer Schulen, der Personalmangel. "Wir haben sowieso schon viel zu wenige Lehrkräfte, die Pandemie hat das nochmals verschärft", bedauert der Heilbronner Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Harald Schröder.

"In den Schulen der Region wurde schnell klar, die Lehrer und Lehrerinnen sind angeschlagen und brauchen mehr Zeit, um wieder zurückzukommen."

Längere Krankheitsphasen

Lehrkräfte waren nicht nur wegen einer Corona-Infektion krank oder in Quarantäne. Und oft dauerte es länger, so Schröder, bis diejenigen wieder in den Schuldienst zurückkommen konnten. "Und sobald jemand fehlte, mussten die anderen mehr leisten." Das zog wiederum andere Krankheitsfälle nach sich.

"Grundsätzlich waren die Kinder in der Schule. Damit war das Lernen gewährleistet."

Ausbildungssystem muss sich ändern

"Im kommenden Schuljahr benötigen wir mehr Lehrer und Lehrerinnen", fordert Harald Schröder als GEW-Sprecher. Deshalb müsse sich das ganze System der Ausbildung ändern, sagt er, "aber nicht erst seit der Pandemie." Das Land sei in der Pflicht, schnell zu handeln. Als Rektor des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums in Heilbronn kennt er das Problem auch aus der Perspektive des Schulleiters. Und wird bestätigt.

Schülerinnen und Schüler  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Felix Kästle)
Im abgelaufenen Schuljahr fiel viel Unterricht wegen Krankheit aus (Symbolbild) picture alliance/dpa | Felix Kästle

Kern: "Corona haut eine Schneise rein"

Ulrich Kern, Leiter der Realschule am Karlsberg in Crailsheim, bemängelt ebenfalls den Personalmangel und den damit verbundenen Unterrichtsausfall. "Die Situation war vorher schon nicht gut, auch wir leiden unter Fachkräftemangel. Und Corona haut da eine richtige Schneise rein."

Unter anderem seien Kolleginnen wegen Schwangerschaft ausgefallen, Corona bedingt durften sie nicht mehr unterrichten, und "die sind von jetzt auf nachher bei voller Fahrt weggefallen. Das kann man nicht auffangen, es ist kein Ersatz da."

Eltern befürchten erneut Unterrichtsausfall

Das wird im kommenden Schuljahr sicher nicht besser, sind sich die Beteiligten einig – und Eltern befürchten eben genau das, sagt die Vorsitzende des Gesamtelternbeirats Crailsheim, Kristina Schmidt. "Unterrichtsausfall war im vergangenen Jahr schon extrem", bedauert sie auch als Mutter einer Schülerin. Das dürfe sich im kommenden Schuljahr nicht wiederholen.

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