Unterricht. Lernbrücken an der kaufmännischen Schule in Öhringen (Foto: SWR)

GEW fordert zusätzliche Förderstunden

Lernbrücken-Programm in Heilbronn-Franken gestartet

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Auch in der Region Heilbronn-Franken ist jetzt an den Schulen das Lernbrücken-Programm gestartet. Die Schülerinnen und Schüler können so den durch Corona versäumten Stoff nachholen.

Noch sind Sommerferien. Doch etliche Schülerinnen und Schüler müssen schon jetzt wieder die Schulbank drücken. Denn sie büffeln bei den so genannten Lernbrücken und holen so die durch Corona entstandenen Lernrückstände nach.

Lernangebot erreicht nicht alle

Corona hat viele zurückgeworfen. Und so nehmen zum Beispiel an der Elly-Heuss-Knapp-Gesamtschule in Heilbronn etwa 50 Kinder von der Grundschule bis zur Mittelstufe an den Lernbrücken teil, berichtet Schulleiter Harald Schröder. Trotzdem muss er am Montagmorgen noch ein paar Schülern hinterher telefonieren. Nicht alle seien zur Lernbrücke gekommen.

"Vielleicht sind sie nun doch mit den Eltern in den Urlaub gefahren oder haben jetzt doch keine Lust, die Ferien früher zu beenden", meint Schröder. Doch - was ihn besonders traurig macht: Mit dem Angebot erreiche man leider vor allem nicht die Kinder, die es am dringendsten brauchen, auch die nicht, die ein so genanntes bildungsfernes Elternhaus haben.

"Wir erreichen jetzt vor allem die Kinder, bei denen es den Eltern auch wichtig war, dass sie diese Förderung in Anspruch nehmen und das sind auch oft die Kinder, die dann auch sonst unterm Jahr eher von den Eltern motiviert werden, was für die Schule zu machen."

Unterricht. Lernbrücken an der kaufmännischen Schule in Öhringen (Foto: SWR)
Die Lernbrücken - Nachhilfe in den Sommerferien (Archivbild)

Viele Schülerinnen und Schüler "abgetaucht"

Doch genau an die Schülerinnen und Schüler, die es so dringend gebraucht hätten, sei das Angebot gerichtet, betont zumindest die baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne). Lehrkräfte berichten, dass manche Schülerinnen und Schüler regelrecht während Corona "abgetaucht" seien. Zudem habe es in manchen Haushalten an Laptops oder Internetzugängen gefehlt.

Denn mit dem Förderprogramm sollen insbesondere benachteiligte Schülerinnen und Schüler auf das neue Schuljahr vorbereitet werden. Dabei soll vor allem der Stoff in den Fächern Mathematik, Deutsch und in Fremdsprachen aufgeholt werden. Das Programm findet in den letzten Wochen der Sommerferien statt.

Gewerkschaften: Viele Lehrer nicht von Lernbrücken überzeugt

Doch selbst viele Lehrerinnen und Lehrer sind nicht unbedingt vom Erfolg des Programms überzeugt. Zum einen nehmen die, die es bräuchten, nicht am Angebot teil, heißt es, und außerdem reichten die zwei Wochen Lernbrücke nicht aus, um alle Rückstände aufzuholen, sagte Harald Schröder dem SWR. Er ist gleichzeitig auch Kreissprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und fordert stattdessen kontinuierliche Hilfe.

"Aus GEW-Sicht wäre es viel sinnvoller, den Schülern zusätzliche Förderstunden zu geben. Das heißt, wir brauchen zusätzliches Personal für kontinuierliche Förderung über das ganze Schuljahr hinweg."

Matthias Kyek, geschäftsführender Schulleiter der beruflichen Schulen im Hohenlohekreis (Foto: SWR)
Für Schulleiter Matthias Kyek waren die Lernbrücken im vergangenen Jahr zwar eine wertvolle Zeit, doch der Aufwand stehe nicht im Verhältnis zum Ertrag. 2021 finden sie an den Berufsbildenden Schulen im Hohenlohekreis deshalb nicht mehr statt.

Keine Lernbrücken an den Berufsbildenden Schulen im Hohenlohekreis

An den Berufsbildenden Schulen im Hohenlohekreis gibt es in diesem Jahr keine Lernbrücke. Der Aufwand stehe nicht im Verhältnis zum Ertrag, sagte Schulleiter Matthias Kyek von der Kaufmännischen Schule in Öhringen dem SWR.

"Wir haben das im letzten Jahr aufwändig organisiert und haben auf der einen Seite gute Erfahrungen gemacht, aber auch gesehen, dass die Nachfrage bei den Schülerinnen und Schülern gering war, bis hin zu dem Punkt, dass sich Schüler angemeldet haben, die sich von guten, auf sehr gute Noten verbessern wollen. Und das ist natürlich nicht der Sinn."

Baden-Württemberg

Für benachteiligte Schülerinnen und Schüler Nachholbedarf wegen Corona: Lernbrücken in BW gestartet - Zweifel an Wirkung

Seit Montag können Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg dank der Lernbrücken versäumten Stoff nachholen. Doch erreichen die Schulen auch die, die Förderung am nötigsten haben?

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