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An der Dammrealschule Heilbronn unterstützen mehrsprachige Lernassistenten und -assistentinnen fremdsprachige Schüler bei der Integration. Im Mittelpunkt steht die Muttersprache.

"Wenn es jemanden gibt, der meine Muttersprache spricht, bin ich motivierter zu lernen und kann die Themen besser verstehen."

Das Ziel dahinter ist Integration und Bildung der fremdsprachigen Schülerinnen und Schüler. Das Prinzip ist recht einfach erklärt: Um der Bildungssprache des Unterrichts folgen zu können, muss man gewisse Fachbegriffe kennen, zum Beispiel den Radius in Mathematik. Oftmals sind diese Fachbegriffe aber auch in der Muttersprache nur unzureichend oder gänzlich unbekannt. Die Lernassistenten und -assistentinnen helfen hier durch Übersetzungen und Erklärungen in der Muttersprache. So fällt es den Schülerinnen und Schülern leichter, die Aufgaben auch im Deutschen zu verstehen.

Erste Erfolge zeigen sich schon

Der 13-jährige Loris wird beispielsweise von Angela Celozzi in Italienisch unterstützt. Mit ihrer Hilfe konnte er sich in Mathe um zwei Noten auf 1,4 verbessern. Das, so Celozzi, liege aber nur daran, dass er jetzt die Aufgabenstellung und vor allem Textaufgaben besser verstehe, denn Mathe-Kenntnisse habe sie ihm keine vermittelt.

Und so zeigt sich auch schon länger an der Dammrealschule in Heilbronn: Speziell geförderte Kinder, egal um welche Art Förderung es sich handelt, schneiden am Ende mit den besten Abschlussnoten ab, so Schulleiter Slawomir Siewior. Diesen Trend wolle man mit dem Projekt der Lernassistenten und -assistentinnen nach vorne treiben und so noch mehr Kindern die Chance auf einen guten Abschluss und eine gute Vorbereitung auf das Berufsleben ermöglichen.

Idee aus dem hohen Norden

Die Idee hinter dem Projekt stammt aus Schweden. Dort gehören solche mehrsprachigen Lernassistenten und -assistentinnen schon länger zum Integrationskonzept an Schulen. Nach Angaben der Stadt gibt es ein solches Projekt in Deutschland noch nicht. Das Pilotprojekt in Heilbronn sei einmalig.

Zwei Frauen und ein Schüler am Laptop in einem Klassenzimmer in der Dammrealschule in Heilbronn bei der Vorstellung des Projekts "Mehrsprachige Lernassistenten" (Foto: SWR)
Lernassistentin Angela Celozzi, Schüler Loris und Lehrerin Victoria Lardani zeigen, wie die Arbeit der Lernassistenten und -assistentinnen abläuft.

Auch Studien in Schweden hätten gezeigt, dass die Muttersprache und auch deren Förderung wesentlich zur Integration und zum Verständnis der Fremdsprache für die geförderten Schülerinnen und Schüler beitragen würden, so Anne Lepper vom Schulamt Heilbronn, die das Projekt mit initiiert hat.

Dammrealschule Heilbronn als perfekter Kooperationspartner

Durchgeführt wird das Projekt von der Stadt Heilbronn in Kooperation mit der Dammrealschule. Diese bietet sich hierfür besonders gut an, da etwa 70 Prozent der aktuell 450 Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund haben und an der Schule in diesem Schuljahr allein 42 Nationen vertreten sind, so Schulleiter Slawomir Siewior.

"Sprachförderung hat seit Jahren einen hohen Stellenwert in Heilbronner Kitas und Schulen. [...] Ich freue mich, dass wir mit dem Pilotprojekt dieses Sprachförderangebot nun nochmals ausweiten können.""

Auch Siewior selbst ist mit fünf Jahren aus Polen nach Deutschland gekommen und berichtet aus eigener Erfahrung, wie wichtig die Wertschätzung der Muttersprache fremdsprachiger Kinder für deren Selbstbewusstsein und die Motivation zu lernen sei. Darüber hinaus werden die Schülerinnen und Schüler, die von den Lernassistenten und -assistentinnen profitieren, auch weiterhin in Sprachförderklassen integriert und lernen dort Deutsch.

Start mit Verzögerung

Das Projekt sollte eigentlich schon im November letzten Jahres starten. Aufgrund der Corona-Pandemie hatte sich der Start auf diesen März verschoben. Die Hürde von Homeschooling hat die Schule aber dank Videochats und einer eigenen Lernplattform gut meistern können, so Victoria Lardani, die Klassenlehrerin der Sprachförderklassen. Seit 21. Juni kann die Betreuung und Förderung in der Muttersprache nun auch in Präsenz stattfinden.

Geplant ist das Projekt bis Frühjahr 2022. Es wird zu 80 Prozent vom Land und zu 20 Prozent von der Stadt Heilbronn im Rahmen des übergeordneten Landesprojekts "Starke Kinder - Chancenreich" finanziell gefördert. Die Fördersumme beträgt etwa 85.000 Euro.

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