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Im Weinsberger Tal (Kreis Heilbronn) haben sich innerhalb einer Woche insgesamt fünf Menschen mit Legionellen infiziert. Wie das Gesundheitsamt Heilbronn berichtet, sind bereits zwei Menschen gestorben.

Normalerweise finden sich Legionellen in kontaminierten Wasserleitungen. Experten des Heilbronner Gesundheitsamtes gehen allerdings aktuell nicht davon aus, dass verunreinigtes Trinkwasser die Ursache ist, da die Infizierten in unterschiedlichen Orten wohnen, wo es unterschiedliche Wasserversorger gibt. Vielmehr könnten sogenannte Verdunstungskühlanlagen die Ursache sein, heißt es weiter.

Erster Fall wurde am 5. Juli gemeldet

Die Patienten stammen aus Obersulm, Ellhofen, Weinsberg und Löwenstein - überwiegend Männer mittleren und älteren Alters, was typisch für Legionellenerkrankungen ist. Der erste Fall wurde am 5. Juli vom Krankenhaus am Plattenwald in Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn) gemeldet. Die beiden verstorbenen Männer hatten laut Gesundheitsamt eine Vorerkrankung und waren 49 und 81 Jahre alt.

Fünf bis zehn Prozent der Menschen sterben an einer Legionellenerkrankung; meist durch eine Lungenentzündung (Legionellenpneumonie). Dabei gibt es keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung, die Infizierung passiert durch Aerosole. Da das Gesundheitsamt das Trinkwasser als Ursache ausschließt, sucht es nun nach kontaminierten Kühlanlagen.

Unsichtbare Aerosolwolke

Diese Verdunstungsanlagen müssen laut Thomas Maier, Dezernent im Gesundheitsamt, sehr groß sein - viel größer als Klimaanlagen von Supermärkten zum Beispiel. Er vermutet, dass die gesuchte Verdunstungsanlage eine Art unsichtbare Aerosolwolke ausgestoßen hat, in die diese Menschen geraten sind. Das Landratsamt will diese Anlagen nun systematisch untersuchen. Erste Proben wurden bereits genommen, eine Auswertung gibt es noch nicht.

"Panik ist im Weinsberger Tal allerdings nicht angebracht, wir sind dabei, die Ursache zu finden."

Dennoch befürchtet das Gesundheitsamt, dass es nicht bei fünf Fällen bleiben könnte. Bevölkerung und Ärzte in diesem Gebiet sollen auf Symptome achten, so Maiers Rat. Symptome sind: Schmerzen beim Atmen, Fieber, ähnlich wie bei einer Lungenentzündung, auch Schwindel und Schüttelfrost kommen vor.

Das Landratsamt appelliert an alle Firmen, die eine solche Anlage besitzen, diese zu desinfizieren. Dennoch bleibt es eine Hypothese. Denn noch kann nicht abschließend gesagt werden, ob die Ursache eine solche Anlage war.

Wasser wird in ein Glas geschüttet (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa | Oliver Berg)
Kontaminiertes Trinkwasser kommt laut Gesundheitsamt wohl nicht für die Erkrankungen infrage picture-alliance / dpa | Oliver Berg

Ausbrüche von Legionellen in Deutschland

Ab fünf Fällen spricht man von einem "Ausbruch", was in Deutschland äußerst selten vorkommt. Größere Ausbrüche von Legionellen gab es zum Beispiel in Ulm oder in Warstein an der Brauerei. Im Fall Warstein hatte die Kläranlage die Aerosole aufgewirbelt. Die Kläranlage im Weinsberger Tal ist allerdings bereits untersucht worden, sie ist laut Heilbronner Gesundheitsamt nicht der Verursacher. ​

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