Ein Rebhuhn sitzt in einem Gehege des Zoologischen Gartens Wilhelma. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sina Schuldt/dpa)

Landesjägertag in Ilsfeld am Samstag

Jäger wollen Rebhuhn, Feldhase und Co. in Baden-Württemberg retten

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Wie kann man das Rebhuhn, den Feldhasen und anderes Niederwild in der Region Heilbronn-Franken retten? Darum geht es am Samstag beim Landesjägertag in Ilsfeld.

Der Lebensraum für Niederwild wie Rebhühner und Feldhasen wird immer kleiner. Grund dafür ist zum einen die Bodenversiegelung wegen Straßen und Siedlungen und zum anderen die Intensivierung der Landwirtschaft. Beim Landesjägertag an diesem Samstag in Ilsfeld-Auenstein (Kreis Heilbronn) steht deshalb vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Wie kann man Rebhuhn und Co. retten?

Rebhuhn-Bestände in den letzten 50 Jahren eingebrochen

Besonders das Rebhuhn gilt als stark gefährdet. Die Rebhuhn-Bestände im Land sind seit der Nachkriegszeit um 90 Prozent eingebrochen. Viele der letzten räumlich stabilen Verbreitungsschwerpunkte des Rebhuhns mit Brutnachweisen liegen laut dem baden-württembergischen Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Heilbronn-Franken.

Und auch die Bestände der Feldhasen werden vom Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg mit Sorge beobachtet.

Landesjägertag (Foto: SWR)
Stark gefährdet: Die Rebhuhn-Bestände sind europaweit zurückgegangen.

Rebhuhn als Indiz für Artensterben

Damit das Rebhuhn und auch andere Feldvögel überleben können, sind Insekten enorm wichtig.

"[Insekten sind] die entscheidende Kükennahrung, gerade fürs Rebhuhn, für den Fasan, aber auch für andere Feldvogelarten."

Ohne Insekten also kein Rebhuhn - und ohne Rebhuhn auch keine Insekten, davon gehen zumindest Forscher aus. Denn das Rebhuhn ist eine sogenannte Leitart. Bedeutet: Man kann nicht alle Insekten zählen, daher nimmt man das Rebhuhn als Referenz. Gibt es weniger Rebhühner, scheinen auch andere Arten zu leiden.

"Wenn wir das Rebhuhn verlieren, verlieren wir mit den Strukturen, die da verloren gehen, eben auch sämtliche Insektenarten. Bestäuberinsekten, die wir wieder in der Landwirtschaft brauchen, und dann funktioniert dieses Agrarökosystem nicht mehr."

Landesjägertag (Foto: SWR)
Nicht nur für die Landwirtschaft, auch für die Rebhühner sind Insekten enorm wichtig.

Eine Allianz für das Niederwild

Beim Landesjägertag geht es am Samstag deshalb in erster Linie darum, mehr Brachflächen für die Rettung der Rebhühner zu schaffen. So könne den kleinen Vögeln wieder mehr Lebensraum geboten werden. Doch diese Flächen zu schaffen, ist nicht einfach. Dafür müssten landwirtschaftliche Flächen brach liegen, was wiederum Einbußen für Landwirte bedeutet.

Kritik: Förderung für Landwirte zu gering

Einige Landwirte in der Region Heilbronn-Franken haben solche ausgewiesenen Brachflächen oder Blühstreifen angelegt - wie beispielsweise Samuel Golter, Winzer und Jäger aus Ilsfeld-Auenstein, oder Jürgen Maurer, selbst Landwirt und Präsident im Bauernverband Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems.

Golter holt sich zudem Unterstützung aus der Jägerschaft. Zusammen mit René Greiner vom Landesjagdverband Baden-Württemberg beobachtet er die Insektenpopulation auf der von ihm dafür ausgewiesenen Brachfläche und lässt sich beraten.

Fördersumme war Landwirten bisher zu gering

Vom Land wurden solche Flächen bisher zwar gefördert. Bauernverbände hatten allerdings kritisiert, dass die Förderungen nicht ausreichend seien, weil sie die Verluste nicht ausglichen. Die Marge sei zu gering, sagt auch Landwirt Jürgen Maurer.

Landesjägertag (Foto: SWR)
Blühbrachflächen wie diese sind wichtiger Lebensraum für Niederwild, werden aber immer seltener.

Hauk: Leistung der Landwirte anerkennen

Geplant ist deshalb eine Erhöhung der Förderung um rund 20 Prozent ab dem nächsten Jahr - sollte die EU-Kommission dem zustimmen. "Mit der 'Allianz für Niederwild' geht Baden-Württemberg einen erfolgreichen Weg, um die Artenvielfalt gemeinsam mit den Landwirten und der Jägerschaft zu fördern", sagt Peter Hauk (CDU), Minister für Ländlichen Raum. Dazu gehöre natürlich auch, dass die Leistungen der Landwirte für die Biodiversität anerkannt und von der Gesellschaft über attraktive Fördersätze vergütet werden, so Hauk.

Für die Jäger ist klar: So lange den Landwirten unterm Strich zu wenig bleibt, wird sich für das Niederwild wie das Rebhuhn nicht viel ändern. Die Jäger wollen erreichen, dass sich die Bestände erholen. Ob das überall gelingt, ist ungewiss.

Weitere Informationen zu Rebhuhn, Feldhase, der Allianz für Niederwild und dem Monitoring dieser Arten finden sich im Wildtierportal Baden-Württemberg und im Wildtierbericht 2021.

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