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Der sogenannte Licht-Streit um die Stadtkirche von Tauberbischofsheim (Main-Tauber-Kreis) wird vor dem Verwaltungsgericht in Stuttgart verhandelt. Geklagt hatte eine Anwohnerin.

In vielen Städten und Gemeinden ist es üblich, nachts besondere Bauwerke anzustrahlen. So auch in Tauberbischofsheim. Weithin sichtbar ist die katholische Stadtkirche Sankt Martin, die seit Jahren angeleuchtet wird. Eine Nachbarin findet das nicht hinnehmbar, sie fühlt sich in ihrer nächtlichen Ruhe massiv gestört und klagte dagegen bereits zweimal - beide Male erfolglos.

Nun klagt die Anwohnerin gegen die Stadt Tauberbischofsheim, deshalb ist das Verwaltungsgericht zuständig. Am Donnerstag startete der Prozess. Wann ein vollständiges Urteil vorliegt, kann noch nicht abgesehen werden, heißt es vom Gericht.

Klage abgwiesen - Empfehlung für lichtundurchlässige Vorhänge

Seit Jahren wird der 70 Meter hohe Turm der Tauberbischofsheimer Stadtkirche mit LED-Leuchtleisten und Scheinwerfern angestrahlt. Vor drei Jahren war die Anwohnerin mit einer Klage gegen die Kirche vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe gescheitert. Damals im Februar 2018 wurde ihre Klage - wie schon zuvor vom Landgericht Mosbach abgewiesen. Damals beriefen sich die Richter auf Messungen, die ergeben hätten, dass die Lichteinwirkung für die Wohnung nur unwesentlich. Man empfahl der Klägerin unter anderem, lichtundurchlässige Vorhänge anzubringen.

Für die jetzige Klage aber zeigt der Anwalt sich optimistisch, weil sich seiner Meinung nach an der Rechtslage doch einiges verändert hätte. Er verweist auf das neue Biodiversitätsstärkungsgesetz. Darin ist unter anderem festgeschrieben, Lichtverschmutzung zu minimieren, zum Schutz beispielsweise der Insektenwelt. Der Anwalt hatte in der Vergangenheit immer wieder auch angemahnt, das helle Licht störe zudem schützenswerte Tiere in ihrem Tag-Nacht-Rhythmus und die helle Beleuchtung am Kirchturm habe auch Turmfalken und Fledermäuse vertrieben.

In manchen Kommunen wird's nachts dunkel

Tatsächlich schalten manche Kommunen inzwischen nachts das Licht aus, aus Gründen des Naturschutzes sowie aus Energiespargründen. So wird beispielsweise in Weinsberg (Kreis Heilbronn) die Burg Weibertreu nicht mehr die ganze Nacht durch angestrahlt.

Die jetzige Klage liegt schon seit Ende 2018 beim Verwaltungsgericht, das bestätigte die Pressesprecherin. Die Sache sei aber liegengeblieben, weil bislang im Wesentlichen noch ältere Verfahren verhandelt worden seien.

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