Schwäbisch Hall Diakoneo Kinderklinik (Foto: SWR)

Kontaktbeschränkung für Kleinstkinder empfohlen

Kinderkliniken: Viele RSV-Infektionen

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Die Kinderkliniken in der Region Heilbronn-Franken verzeichnen eine steigende Anzahl von RSV-Infektionen. In Heilbronn sind derzeit 18, in Schwäbisch Hall sechs Kinder auf Station.

Die Kinderkrankenhäuser in Heilbronn-Franken verzeichnen immer mehr Fälle der Atemwegserkrankung RSV bei kleinen Kindern. Bei Erwachsenen ähnelt das Virus meist einer leichten Erkältung, für Säuglinge und Kleinkinder ist es dagegen gefährlich. Mit 18 Kindern sind die SLK-Kliniken in Heilbronn derzeit betroffen, heißt es. In der Kinderklinik Schwäbisch Hall seien es sechs, Tendenz steigend, sagt Andreas Holzinger, der Leiter der Kinder- und Jugendklinik des Diakoneo in Schwäbisch Hall.

"Wir kommen da auch manchmal an die Grenzen, ich kann sagen, dass im Moment die Hälfte der allgemeinen pädiatrischen Station mit Säuglingen oder Kleinkindern mit RS-Virusinfektion belegt ist."

Teilweise müssen die Kinder beatmet werden

In dieser Saison seien schon fünf, sechs Kinder mit der RS-Virusinfektion an Beatmungsmaschinen gewesen. Auch in der Kinderklinik der SLK-Kliniken in Heilbronn spürt man eine deutliche Belastung durch RSV-Infektionen. Dort werden derzeit 18 Kinder auf der Kleinkind-Infekt-Station behandelt. Das sei personalintensiv und man habe teilweise Pflegekräfte aus dem Urlaub geholt. Die Lage sei aber noch nicht grenzwertig, man habe noch keine Patienten abweisen müssen. Im Gegenteil, andere Kliniken aus dem Umkreis bitten eher um die Aufnahme derer Kleinst-Patienten, meint Mathias Burkhardt von den SLK-Kliniken Heilbronn.

Eine Intensivpflegerin versorgt auf der Kinder-Intensivstation des Olgahospitals des Klinkums Stuttgart einen am Respiratorischen Synzytial-Virus (RS-Virus oder RSV) erkrankten Patienten, der beatmet wird (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Marijan Murat)
RS-Virus Patienten in der Kinderklinik picture alliance/dpa | Marijan Murat

"Wir können das momentan gut noch wuppen, was auch sehr mit dem großen Engagement der Mitarbeitenden zu tun hat, [...] Wir müssen keine Kinder abweisen."

Risikofaktor Kontakt

Laut Andreas Holzinger gibt es ganz klare Risikofaktoren für Neugeborene und Kleinkinder: Das sind ältere Geschwister, die im Kindergarten oder in der Schule sind, aber auch die eigenen Eltern, die meist nur einen Schnupfen spüren, weil sie schon längst Antikörper gebildet haben - das Neugeborene aber nicht. Deshalb empfiehlt der Mediziner den Eltern, auf Hygiene zu achten und empfiehlt Kontaktbeschränkungen für die Säuglinge.

"Natürlich wird man in der Wintersaison ein Neugeborenes nicht bei der Hochzeit durch die Reihen reichen und nicht jeder soll es abküssen, einfach möglichst wenig Kontakt."

Holzinger würde in der Hauptsaison tatsächlich versuchen, Besucher in Haushalten mit Kleinstkindern zu vermeiden. 95 Prozent der Menschen infizieren sich in den ersten drei Lebensjahren mit dem RS-Virus. Je später, desto milder ist der Verlauf der Krankheit. Für Mathias Burkhardt von den SLK-Kliniken gibt es ein weiteres Indiz, mit dem die hohen Infektionszahlen in diesem Winter erklärt werden könnten.

Ein Mädchen setzt mit sicherem Handgriff eine bunte Maske auf den Mund.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Kind mit Maske Picture Alliance

"Viele Immunsysteme der Kinder sind auch wegen des Maskentragens während Corona einfach nicht wieder so gut trainiert, dass sie diese Infektion schon durch hätten - manche Kinder bekommen diese auch mehrmals."

Insgesamt stellen die Kliniken in diesem Winter außergewöhnlich viele Atemwegserkrankungen und auch Grippe-Infektionen fest.

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SWR