Blauer Turm Bad Wimpfen von oben (Foto: Denkmalstiftung Baden-Württemberg)

Entscheidung für den Denkmalschutz

Keine PV-Anlagen auf den Dächern der Bad Wimpfener Altstadt

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Lena Bergmann

Klimaschutz oder doch lieber Denkmalschutz? Der Bad Wimpfener Gemeinderat hat sich gegen PV-Anlagen in der Altstadt entschieden. Das könnte jetzt zu Klagen der Anwohner führen.

So groß das öffentliche Interesse am Ausbau von Solar- und Photovoltaikanlagen in Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) auch sein mag, die kulturhistorische Bedeutung der Altstadt wiegt in diesem Fall schwerer als der Klimaschutz.

Vom Ausbau der Solar- und PV-Anlagen soll die "Altstadt am Berg" ausgeschlossen werden. Das hat der Bad Wimpfener Gemeinderat am Donnerstag beschlossen. Bürgermeister Andreas Zaffran (CDU) beruft sich dabei vor allem auf den Denkmalschutz der Häuser.

Denkmalschutz vs. Klimaschutz

Die Gesamtanlage sei nicht nur landes-, sondern auch bundesweit einzigartig und gehe mit einer gewissen historischen Verantwortung einher, findet Zaffran. Er begründet die Entscheidung des Gemeinderats mit dem baulichen Zustand der Häuser, die teilweise noch aus dem zwölften oder dreizehnten Jahrhundert stammen. Aufgrund der kleinteiligen Dachlandschaft sei generell fraglich, wie viel Fläche der Altstadt überhaupt für die Installation einer Photovoltaikanlage in Frage käme.

Bei dem Beschluss handelt es sich um eine Grundsatzentscheidung, so der Bürgermeister. Wirtschaftlich und auch ökologisch gesehen seien große Anlagen ohnehin kostengünstiger zu betreiben und auch wesentlich wirksamer in Sachen Klimaschutz. Mit der Entscheidung, dem Denkmalschutz hier den Vorrang gegenüber dem Klimaschutz zu geben, könne man also gut leben.

Städtische Gebäude sollen mit PV ausgestattet werden

Geplant ist außerdem, alle städtischen Gebäude außerhalb der Altstadt mit Solar- oder Photovoltaikanlagen auszustatten, sofern diese den Kriterien dafür entsprechen. Um den Anwohnerinnen und Anwohnern immerhin einen kleinen finanziellen Ausgleich zu ermöglichen, können diese sich daran in Form einer Energiegenossenschaft beteiligen.

Solarziegel bleiben auch in der Altstadt erlaubt

Erlaubt bleiben außerdem denkmalgerechte Solarziegel, die derzeit jedoch noch sehr teuer sind. Mit der Weiterentwicklung der Technologie erhofft man sich in Bad Wimpfen, dass die Ziegel in Zukunft erschwinglicher werden, damit auch jeder und jede in der Altstadt die Möglichkeit einer Solaranlage hat.

Stadtverwaltung rechnet mit Klagen

Bei einzelnen Bürgerinnen und Bürgern sorgt der Beschluss dennoch für Unmut. Sowohl auf Zaffran als auch auf die Gemeinderatsmitglieder seien schon Menschen zugekommen, die die Entscheidung kritisieren und so nicht hinnehmen wollen. Somit rechnet die Stadt auch mit Klagen.

Allerdings geht der Bürgermeister auch davon aus, dass Anwohnerinnen und Anwohner aus der Altstadt auch weiterhin Anträge auf Solar- und PV-Anlagen stellen werden. Nach dem Grundsatzbeschluss müsse man diese aber alle abweisen.

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