Feuerwehrmann blickt auf die Jagst - Mühlenbrand löste Fischsterben aus (Foto: SWR, (Archiv))

Nach dem großen Fischsterben in der Jagst

Fünfter Jahrestag der Jagstkatastrophe - Fluss erholt sich nur langsam

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Fünf Jahre nach der Umweltkatastrophe in der Jagst haben sich die Fischbestände laut Umweltschützern noch nicht erholt. Viele Arten fehlen. Ausgelöst wurde das Fischsterben durch verunreinigtes Löschwasser, das nach einem Mühlenbrand in die Jagst gelangte.

Am 23. August jährt sich das große Fischsterben in der Jagst zum fünften Mal. Denn in der Nacht vom 22. auf den 23. August 2015 war nach einem Mühlenbrand in Kirchberg an der Jagst (Kreis Schwäbisch Hall) Löschwasser in den Fluss gelaufen, das mit Dünger versetzt war. Für Fische und Kleinstlebewesen war das eine tödliche Dosis.

14 Millionen Euro für Aktionsprogramm Jagst

Nach dem Unglück in der Jagst hat das Land ein Aktionsprogramm gestartet, um die Natur wieder ins Lot zu bringen. Das Programm wirke, sagte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne), der vor kurzem an der Jagst unterwegs war. Der Fluss werde naturnaher und widerstandsfähiger. Tatsächlich ist in den vergangenen fünf Jahren vieles passiert, bestätigt der Heilbronner Umweltschützer Gottfried May-Stürmer vom regionalen Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

"Der Fischbestand hat sich teilweise erholt, aber wir haben auch heute, fünf Jahre nach der Jagstkatastrophe, immer noch nicht den Zustand von vorher."

Gab es vor dem Fischsterben in der Jagst 28 verschiedene Arten, so zähle man im August 2020 nur zwölf, teilte der Naturschutzbund (NABU) am Donnerstag in Stuttgart mit. Die Gesundung des Flusses komme nur langsam voran, so Bruno Fischer, Vorsitzender des NABU in Kirchberg. Das liege unter anderem auch an der Überdüngung des Gewässers.

In den ersten Tagen 20 Tonnen tote Fische in der Jagst

Das ammoniumnitrathaltige Düngemittel, das mit dem Löschwasser in die Jagst gelangt war, war besonders für Fische hochgiftig, da aus Ammonium Ammoniak entsteht. Insgesamt wurden in den ersten Tagen nach dem Großbrand rund 20 Tonnen tote Fische aus der Jagst geborgen.

Fischereiverein vor Container: Tonnenweise tote Fische wurden aus der Jagst herausgeholt (Archivbild) (Foto: SWR)
Tonnenweise tote Fische wurden nach dem Unglück aus der Jagst bei Kirchberg herausgeholt (Archivbild)

Der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle kritisiert derweil laut Deutscher Presseagentur (dpa) den geplanten Bau eines Schweinestalls mit bis zu 8.000 Tieren in Langenburg-Nesselbach (Kreis Schwäbisch Hall). Das Gestein in der Region sei sehr durchlässig, der Güllestickstoff wandere schnell in tiefere Schichten und dann auch in die Jagst. Insgesamt müsse die Düngung des jagstnahen Grünlands drastisch sinken, fordert Enssle.

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