Jahrestag der Umweltkatastrophe

Mühlenbrand in Kirchberg: Als das große Fischsterben in der Jagst begann

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Am Sonntag jährt sich der Mühlenbrand in Kirchberg-Lobenhausen (Kreis Schwäbisch Hall). Verunreinigtes Löschwasser floss in die Jagst. In der Folge verendeten tonnenweise Fische.

In der Nacht vom 22. auf den 23. August 2015 passiert es: Die Lobenhäuser Mühle gerät in Flammen. Die Feuerwehr ist im Großeinsatz. Mit dem Löschwasser gelangt jedoch ammoniumnitrathaltiges Düngemittel in die Jagst. Die Konzentration liegt zweihunderfach über dem für Fische tödlichen Wert. In der Folge müssen Helfer rund 20 Tonnen tote Fische aus dem Fluss bergen. Die schiere Masse an Kadavern ist für die Freiwilligen, die seit Jahren das Gebiet pflegen, kaum zu ertragen. Zehn bis 20 Jahre könne es dauern, bis das Gleichgewicht wiederhergestellt sei, schätzte der Vorsitzende des Naturschutzbundes (NABU) Kirchberg, Bruno Fischer, damals.

"Vom kleinsten Stichling bis zum großen Wels – alle Fische sind tot."

Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen einen brennenden Mühlenbetrieb. Nach dem Brand war verunreinigtes Löschwasser in die Jagst gespült worden und hatte ein Fischsterben ausgelöst (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sven Friebe/dpa)
Mühlenbrand in Kirchberg-Lobenhausen: Verunreinigtes Löschwasser hatte nach dem Brand ein Fischsterben in der Jagst ausgelöst (Archiv) picture alliance/Sven Friebe/dpa

Die Menschen in Heilbronn-Franken werden die Tage nach dem verheerenden Mühlenbrand nie vergessen: Tagelang - teils ohne Pause - waren viele von ihnen im Einsatz, um das Schlimmste zu verhindern. Einsatzkräfte, Fischereivereine und weitere freiwillige Helfer packten mit an und versuchten zu retten, was zu retten war. Sie holten Fische und Kleinstlebewesen aus den Flüssen und pumpten Sauerstoff in die Jagst.

Freiwillige pumpen Wasser aus der Jagst

Vom Landratsamt Schwäbisch Hall fühlten sich manche Bürger im Stich gelassen. In Langenburg-Bächlingen (Kreis Schwäbisch Hall) griffen sie in ihrer Not zur Selbsthilfe und pumpten Wasser aus der Jagst. Auch die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk (THW) stellten in den Tagen nach dem Brand mehrere Hochleistungspumpen entlang des Flusses auf; große Mengen an Flusswasser wurden herausgezogen, umgewälzt und wieder zurückgeführt.

Zwei Wochen lang floss das für Tier- und Pflanzenwelt giftige Löschwasser in der Jagst flussabwärts. Kurz nach dem Brand passierte sie den Hohenlohekreis, bis sie an der Mündung im Neckar bei Bad Friedrichshall-Jagstfeld (Kreis Heilbronn) landete.

Tote Fische aus der Jagst bei der Lobenhäuser Mühle in Kirchberg, die 2015 brannte. Archivbild. (Foto: SWR)
Tonnen toter Fische in der Jagst (Archivbild)

Land stellt 14 Millionen Euro zur Verfügung

Im Oktober wurden die ersten Helferfeste für die über Tausend Menschen im Einsatz gefeiert. Der Hohenloher Landrat Mathias Neth (CDU) zeigte sich zuversichtlich, dass man den Schaden, den die Natur in der Jagst genommen hat, wieder ausgleichen könne.

14 Millionen Euro stellte das Land nach der Jagstkatastrophe in einem Aktionsprogramm zur Verfügung. Das Ziel: die Renaturierung des Ökosystems. Einige Maßnahmen wurden bereits ergriffen: Ufer renaturiert, Kiesinseln aufgeschüttet, Eisvogelsteilwände angelegt, Ufer zu Rückzugs- und Laichgebieten umgestaltet. Auch der Landkreis hat Maßnahmen ergriffen und an den Wehren Fischaufstiegsanlagen gebaut.

Biotop an der Jagst bei Kirchberg (Landkreis Schwäbisch Hall) (Foto: SWR)
Biotop an der Jagst bei Kirchberg (Landkreis Schwäbisch Hall)

Maßnahmen erfolgreich - trotzdem fehlen viele Arten

Die Landkreisverwaltung Schwäbisch Hall bewertet die Maßnahmen zur Renaturierung heute als erfolgreich. Das Land habe in den vergangenen fünf Jahren 60 Einzelprojekte an der Jagst verwirklicht, so der Erste Landesbeamte des Landkreises Schwäbisch Hall Michael Knaus.

Dennoch: Fünf Jahre nach der Umweltkatastrophe in der Jagst, haben sich die Fischbestände laut Umweltschützern noch immer nicht erholt. Viele Arten fehlen demnach. Um einen Zustand der Jagst zu erreichen, wie er vor dem Düngemittel-Unglück war, wird es wohl noch Jahre dauern.

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