Schwimmkurs im Hallenbecken (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Zu wenige Schwimmbäder, zu wenig Personal

Trotz Corona-Lockerungen: Schwimmkurse in Heilbronn über Jahre ausgebucht

STAND

Die kostenlosen Schwimmkurse der Stadt Heilbronn in den Pfingstferien waren innerhalb weniger Stunden ausgebucht. Geschlossene Schwimmbäder während der Pandemie haben zu langen Wartezeiten geführt.

Kinderstimmen hallen durch das Lehrschwimmbad der Grundschule in Heilbronn-Frankenbach. Auch die Eltern sind im Becken und helfen ihren Kindern dabei, sich langsam an das Wasser zu gewöhnen. Zwei Jahre habe es gebraucht, seinem Sohn einen Platz in einem Schwimmkurs zu ergattern, erklärt ein Vater. Ähnlich schildert es auch eine weitere Teilnehmerin. Schon vor Corona war die Lage brisant. Mit Corona hat sich die Situation weiter verschärft. Warteschlangen für Schwimmkurse von zum Teil mehreren Jahren sind das Resultat.

Kostenlose Schwimmkurse als Angebot für alle

Die Stadt Heilbronn hat erneut kostenlose Schwimmkurse über die Pfingstferien angeboten. Die insgesamt 50 Plätze waren bereits am ersten Tag ausgebucht. Viele seien direkt auf die Warteliste für die Sommerferien gerutscht, sagt Altin Zhegrova vom Schul-, Kultur- und Sportamt Heilbronn.

"Das Telefon stand nicht still, wir haben viele Mails bekommen und das zeigt auch den großen Bedarf, den das Thema Schwimmförderung hat."

Es ist der Versuch, die Ausfälle während der Corona-Pandemie und die langen Wartelisten der Schwimmvereine zu kompensieren, so Zhegrova. Im Rahmen der Schwimmförderung bringt die Stadt außerdem Vereine und Schulen zusammen. Hier sollen die Übungsleiterinnen und Übungsleiter die Schwimmlehrerinnen und -lehrer der Schulen unterstützen.

Schwimmkurs im Lehrschwimmbecken in Heilbronn-Frankenbach (Foto: SWR)
Schwimmkurs im Lehrschwimmbecken in Heilbronn-Frankenbach

Nur 30 Prozent der Kinder können in der 5. Klasse schwimmen

Es ist ein erschreckendes Ergebnis, sagt Altin Zhegrova: Nur etwa 30 Prozent der Kinder können ab der 4. Klasse schwimmen. Dabei können die meisten gerade einmal das Seepferdchen-Schwimmabzeichen nachweisen. Damit liegen die Heilbronner Schulen sogar im Landesdurchschnitt. Die Hintergründe sind vielfältig. Am Willen der Eltern oder Kinder liegt es allerdings nicht.

Zu wenig Personal, zu wenig Schwimmbecken

Zum einen mangele es an qualifizierten Schwimmlehrerinnen und Schwimmlehrern. Die Anforderungen seien zum Teil sehr hoch, erklärt Altin Zhegrova vom Schul-, Kultur- und Sportamt. Zum anderen kann nicht jede Schule ohne Weiteres Schwimmunterricht anbieten: "Nicht jede Schule befindet sich im Zentrum und hat einen kurzen Weg zur Schwimmhalle. Der Transport wird oft schwierig." Das größte Problem seien jedoch die Kapazitäten der Schwimmbäder.

Bernd Knobloch ist Schwimmtrainer der Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) Heilbronn und leitet den Pfingstferien-Schwimmkurs. "Wir würden gerne mehr Kurse anbieten, aber es hapert an den Hallenzeiten", erklärt der Trainer. Es gebe einfach nicht genügend Schwimmbecken.

Früher waren Eltern oft die Schwimmlehrer

Was früher oftmals die Eltern übernommen haben, übernehmen seit einigen Jahren überwiegend qualifizierte Schwimmtrainer und -trainerinnen. Da sind sich die Kursleiter der TSG Heilbronn einig. In vielen Haushalten reiche die Zeit einfach nicht mehr, den Kindern neben Job und Alltag selbst das Schwimmen beizubringen. Das bestätigt auch ein Vater, der seinen sechsjährigen Sohn zum Kurs angemeldet hat.

Ein Problem sei auch die Nachhaltigkeit des Schwimmkurses, meint Manfred Knodel, Abteilungsleiter der TSG Heilbronn. Wenn ein Kind das Gelernte nicht festige, verlerne es das Schwimmen nach einigen Monaten wieder. Deshalb sei regelmäßiger Schwimmunterricht in Schulen auch so wichtig. Doch solange es nicht mehr Kapazitäten in den Schwimmbädern gibt, werde sich der Trend mangelnder Schwimmkurse weiter fortsetzen.

Heilbronn

Heilbronn-Franken Corona: Schwimmkurse für Kinder fehlen weiterhin

Für Kinder gibt es in Heilbronn-Franken zu wenig Schwimmkurse. Das berichten DLRG-Bezirke auf SWR-Anfrage. Es fehle an Ausbildern und Bädern. Es können nicht so viele Schwimmkurse für Kinder angeboten werden, wie nötig wären, so der einstimmige Tenor. Die DLRG-Ortsgruppe Weikersheim (Main-Tauber-Kreis) beispielsweise berichtet: Ein Kurs im Februar mit 15 Plätzen sei innerhalb von Minuten dreifach überbucht gewesen. Aktuelle Freibadkurse im Main-Tauber-Kreis waren schnell ausgebucht. Auch der DLRG-Bezirk Heilbronn bestätigt das. In der Stadt Heilbronn sieht es noch etwas besser aus als andernorts, so ein Sprecher. Das Problem existiert schon seit Jahren, es hat sich mit der Corona-Pandemie aber nochmals verschärft.  mehr...

Bad Sobernheim

Bad Sobernheim Schwimmkurse: DLRG und Turnverein wollen weiteres Lehrbecken

Es gebe lediglich ein Freibad, das für den Schwimmunterricht genutzt werden könne. Diese Kurse könnten dann nur in der oft sehr kurzen Sommerzeit angeboten werden.  mehr...

Kusel

Nachfrage nach Schwimmkursen nicht zu decken DLRG Kusel warnt: Corona macht Kinder zu Nichtschwimmern

Die Corona-Pandemie könnte dazu führen, dass es in den nächsten Jahren häufiger zu Badeunfällen kommt. Der Grund: die Schwimmkurse in der Westpfalz sind fast komplett voll.  mehr...

STAND
AUTOR/IN