Goldene Sonne Neuenstein

Junges Paar erfüllt sich Traum von eigenem Restaurant

Von der französischen Sterneküche in ein traditionsreiches Neuensteiner Gasthaus

Stand
Autor/in
Alexander Dambach

Traditionsreiche Gasthäuser - die gibt es vielerorts nicht mehr. Trotz Fachkräftemangel und Inflation haben Koch Heiner Bohnet und seine Frau ein Gasthaus übernommen.

Ungünstiger wirtschaftlicher und politischer Vorzeichen zum Trotz haben sie es gewagt: Heiner Bohnet und Constanza Piccolo haben sich in der Gastronomie selbstständig gemacht. Dazu noch mitten auf dem Land und mit gehobener Küche. Bisher mit Erfolg.

"Es ist bei uns so ein bisschen die Paarung aus Naivität und Unternehmergeist. Bisher fühlt es sich gut an."

Es sind noch zwei Stunden bis die Goldene Sonne in Neuenstein (Hohenlohekreis) die Türen öffnet, Koch Heiner Bohnet pariert in der Küche Rehfleisch und geht mit einer Schere noch kurz zu den Kräuterbeeten.

"Als Koch hat man nur ein kleines Spektrum an Geschmäckern, die man auf den Teller bringen kann. Wenn man einen Kräutergarten hat, wird das Spektrum unendlich groß."

Durch Kräuter ergebe sich bei vielen Gerichten einfach eine ganz andere Welt, so der 34-Jährige, der in Michelbach an der Bilz (Kreis Schwäbisch Hall) aufgewachsen ist.

Und in diese Welt der Kräuter und Aromen will Heiner Bohnet seine Gäste mitnehmen. Ob Lammfleisch, Lachsforellen, Reh oder Gemüse - die meisten Produkte kommen in bester Qualität aus der Region ganz frisch auf den Teller.

Ein Menügang im Gasthaus Sonne in Neuenstein
Nicht nur das Reh, die Kirsche und die Rote Beete kommen aus der Region, auch die Shiitake-Pilze.

"Das Produkt steht im Mittelpunkt. Der Koch ist eigentlich nur ein Transformator. Er nimmt sich selbst zurück und möchte dem Gast das perfekte Produkt nur weitergeben."

Gastro-Ehepaar verschlägt es nach Hohenlohe statt nach Japan

Die Geschichte von Heiner Bohnet und seiner argentinischen Ehefrau Constanza Piccolo, die Sommeliére ist, klingt wie aus einem Film. Er und die Argentinierin lernten sich in Frankreich bei Michel Bras, einem der einflussreichsten Köche Frankreichs kennen.

Dort arbeiteten beide. Bras sei ein "verrückter Kopf", so Heiner Bohnet. Er habe etwa den Schokokuchen mit flüssigem Kern erfunden und mit seiner Gemüseküche die Gastronomie revolutioniert.

Beide sollten in Japan auf der nördlichen Insel Hokkaido für den Sternekoch eigentlich ein Restaurant führen, Corona durchkreuzte aber die Pläne. Und so kam Heiner Bohnet eben ganz überraschend zurück in seine Heimat.

"Wir wollten uns schon immer selbständig machen. Wenn man viel gesehen hat, entwickelt man einen eigenen Kopf und möchte das machen, worauf man Lust hat."

Goldene Sonne Neuenstein
Das traditonsreiche Gasthaus Zur Sonne in Neuenstein gibt es seit 1786.

Dass das Gastropaar auf die leerstehende "Goldene Sonne" in Neuenstein aufmerksam wurde, war reiner Zufall. Beide wohnten in Kupferzell (Hohenlohekreis). Der Vermieter war auch Eigentümer der Goldenen Sonne in Neuenstein. Er fragte die beiden, ob sie Lust hätten, das leerstehende Gasthaus zu übernehmen.

"Das Gasthaus ist uns nach der ersten Besichtigung einfach nicht mehr aus dem Kopf gegangen."

Traditionsgasthaus soll neu belebt werden

Der altehrwürdige Gastraum steht unter Denkmalschutz, er wurde einst liebevoll vom Hohenloher Künstler Hermann Koziol gestaltet. Die Stühle etwa sind handgeschnitzt. Das Gasthaus hat eine lange Tradition - es existiert seit 1786 und wird jetzt neu belebt. Mutig in diesen nicht einfachen Zeiten.

Vor einem halben Jahr wurden beide auch noch Eltern. Die Argentinierin Constanza Piccolo feilte am Restaurantkonzept und natürlich an der Weinkarte mit Flaschen auch aus ihrem Heimatland.

"Ich habe in Restaurants mit drei Sternen gearbeitet. Dort ist die Atmosphäre etwas steif. Ich will einfach, dass die Leute loslassen und eine gute Zeit haben."

Heiner Bohnet, der auch studierter Wirtschaftsingenieur ist, sich dann aber doch noch für eine Kochausbildung entschied, liebt seinen Beruf und Herausforderungen. Jede Woche kreiert er daher ein komplett neues fünfgängiges Menü etwa mit Schrozberger Nackthafer oder Pfedelbacher Reh.

Die Küche richtet sich nach dem saisonalen Angebot. Aktuell stehen etwa auch frisch gepflückte Brombeeren aus dem Kochertal auf der Karte. Daraus entsteht mit Zartbitterschokolade, Walnuss und Mädesüß ein Dessert.

"Wenn wir uns die Leichtigkeit und Freude bei der Arbeit behalten und die Gäste gerne wiederkommen, dann sind wir gut."

Mit den ersten Monaten ist das junge Paar sehr zufrieden. Es gebe auch schon Stammgäste. Das gastronomische Konzept sorgt für Aufmerksamkeit. Und beide fühlen sich in der Region sehr wohl, auch weil man hier was Produkte und Lebensmittel betrifft, aus dem Vollen schöpfen kann.

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Alexander Dambach