Mähdrescher auf einem Feld (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Boris Roessler)

Getreideernte in Heilbronn-Franken mit Wintergerste gestartet

Mähdrescher sind eine Woche früher unterwegs als sonst

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In der Region Heilbronn-Franken ist die Getreideernte angelaufen. Vom Unterland bis ins Taubertal wird derzeit Wintergerste gedroschen.

Etwa eine Woche früher als sonst sind die Mähdrescher unterwegs. Hitze und Trockenheit sorgen für eine schnellere Abreife. Das derzeit sonnige Wetter kommt den Landwirten gelegen. Bis Ende der Woche wird die Wintergerste eingefahren sein, rechnet Jürgen Maurer, Vorsitzender des Bauernverbandes Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems.

Er erwartet eine durchschnittliche Ernte mit Erträgen zwischen 6,5 und 9 Tonnen pro Hektar. Die Sommergerste dagegen scheint zu schwächeln. Wenn die in zwei bis drei Wochen gedroschen wird, „erreichen wir auf schwächeren Böden keine Brauqualität“, sagt Stefan Fröber vom Kreisbauernverband Main-Tauber dem SWR. Hitze und Trockenheit hätten die Getreidepflanzen in ihrer Entwicklung erheblich gestört, sie konnten keine Seitentriebe bilden. Nur auf guten Böden hätte das Getreide die Witterung besser verkraftet, so Fröber.

Haupternte startet in zwei Wochen

Im Unterland wird bereits Raps gedroschen, die Haupternte mit Weizen beginnt in der Region Heilbronn-Franken voraussichtlich in 14 Tagen. „Anfang kommender Woche noch etwas Niederschlag und dann gemäßigte Temperaturen“ wünscht sich Maurer, das verlangsame die Abreife der restlichen Getreidesorten und wäre ideal für die Kornfülle.

Getreidefeld bei Heilbronn (Foto: SWR)
Getreidefeld bei Neckarsulm (Kreis Heilbronn).

Wegen Kosten weniger Dünger ausgebracht

Dass beim Weizen in diesem Jahr mit einer unterdurchschnittlichen Ernte gerechnet wird, hängt unmittelbar auch mit den gestiegenen Düngemittel-Preisen zusammen. Die haben sich laut Maurer nämlich verfünffacht. Die Landwirte hätten deshalb aus Kostengründen nur etwa 80 Prozent der üblichen Düngermenge ausgebracht, was sich im Ertrag bemerkbar mache. Aber auch das Wetter beziehungsweise die Trockenheit spiele bei den Ernteaussichten eine Rolle.

"Höhere Getreidepreise sind notwendig, weil wir auch höhere Produktionskosten in diesem Jahr hatten."

Der Kreisbauernverbandsvorsitzende Maurer führt in Kupferzell (Hohenlohekreis) einen Ackerbaubetrieb mit Schweinehaltung. Aus der Region für die Region - das hier gedroschene Getreide bleibt nahezu vollständig in diesem Landstrich, nur der Überschuss geht in den Export, heißt es.

Kritik an EU-Vorgabe

Durch den Krieg in der Ukraine ist das Getreide weltweit knapp. Für die Landwirte sei es bedrückend, dass sie laut EU-Vorgabe im nächsten Jahr vier Prozent ihrer Ackerfläche als Biodiversitätsfläche zur Verfügung stellen müssten, sagt Maurer. Er fordert ein rasches Umdenken und eine neue Diskussion. „Wir könnten hier Eiweißpflanzen, Ölpflanzen und Getreide säen, das würde für zirka sechs Millionen Menschen reichen, um sie zu ernähren“. Schließlich sie es Aufgabe der Landwirtschaft, die Ernährung zu sichern, „die Politik macht mich wütend“, so der Landwirt und Kreisbauernverbandsvorsitzende abschließend.

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