Ein Symbol für die Gleistellung zwischen Mann und Frau (Foto: Getty Images, Thinkstock -)

Stadt Heilbronn legt ersten Gender-Report vor

Gleichstellung von Männern und Frauen in Heilbronn: Fünf Dinge, bei denen Luft nach oben ist

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Bei der Gleichstellung von Mann und Frau hapert es immer noch: Die Stadt Heilbronn hat erstmals einen Gender-Report veröffentlicht. Er bringt interessante Erkenntnisse ans Licht.

36 Seiten voller Zahlen und Tabellen hat die Stadt Heilbronn in Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Heilbronn zusammengetragen. Die Datensammlung soll den Status Quo bei der Gleichstellung von Männern und Frauen in Heilbronn verdeutlichen. Der Report wurde auch im Netz veröffentlicht.

Unter die Lupe genommen wurden Bereiche wie Teilhabe, Bildung und Erwerbsarbeit. In vielen Punkten spiegelt sich in Heilbronn der bundesweite Durchschnitt wieder. Aber es gibt auch einige Ausreißer. Fünf Punkte aus dem Report:

Wenig Chefinnen in der Stadtverwaltung

In der Studie beleuchtet die Stadt unter anderem, wie die eigene Verwaltung in Sachen Gleichstellung abschneidet - schließlich ist die Heilbronner Stadtverwaltung einer der größten Arbeitgeber in der Region. Von der Gesamtzahl der Amtsleiter, Werkleiter, Stabststellenleiter oder Institutsleiter in der Stadtverwaltung sind weniger als ein Drittel weiblich. Daran hat sich zwischen 2015 und 2019 kaum etwas geändert.

Bei den kommunalen Gesellschaften sieht es noch schlechter aus. Zu diesen Gesellschaften gehören zum Beispiel die Stadtwerke, die SLK-Kliniken oder die Heilbronn Marketing GmbH. Von 13 Gesellschaften hat nur eine einzige eine Frau an der Spitze ihres Aufsichtsrats.

Hunderte Euro weniger Rente

In ganz Deutschland haben Frauen im Schnitt eine geringere Rente als Männer. Das liegt unter anderem daran, dass Frauen viel häufiger in Teilzeit arbeiten. Der Mann arbeitet voll, die Frau steigt nach der Geburt eines Kindes in Teilzeit wieder ein - dieses Modell ist auch heute noch weit verbreitet.

Münzen mit Männlich- und Weiblich-Symbol (Foto: Getty Images, Thinkstock - CalypsoArt)
Eine Rentenlücke - den sogenannten "Pension Gap" - gibt es in ganz Deutschland. Thinkstock - CalypsoArt

Im bundesweiten Durchschnitt bekamen Frauen in der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2019 rund 784 Euro Rente, Männer 1.132 Euro. Im Stadtkreis Heilbronn lag diese Rentenlücke allerdings um fast 16 Prozent höher als im bundesweiten Schnitt: Frauen in Heilbronn bekamen rund 743 Euro Rente, Männer hingegen 1.147 Euro.

Gewalt in der Partnerschaft

Im Jahr 2020 wurde in Deutschland statistisch gesehen jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Gewalt in der Partnerschaft spielt auch im Stadt- und Landkreis Heilbronn eine Rolle, die weit überwiegende Mehrheit der Opfer sind Frauen.

Ein Mann und eine Frau streiten sich (Symbol) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Jan-Philipp Strobel/dpa | Jan-Philipp Strobel)
Statistisch gesehen wird jeden dritten Tag in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Expartner getötet. picture alliance / Jan-Philipp Strobel/dpa | Jan-Philipp Strobel

Bei allen drei Frauen, die im Jahr 2020 in der Stadt Heilbronn Opfer von Mord, Totschlag oder Körperverletzung mit Todesfolge wurden, fanden die Taten im Rahmen der Partnerschaft statt. Ein Mann wurde im selben Zeitraum in der Partnerschaft getötet. Insgesamt gab es im Jahr 2020 im Stadtkreis Heilbronn 226 Opfer von sogenannter Partnergewalt, im Landkreis Heilbronn waren es 314.

Wenig Frauen im Stadtrat

Frauen sind im Heilbronner Stadtrat unterrepräsentiert. 13 der 40 Stadträte - also rund ein Drittel - sind Frauen. Der Anteil von Frauen an der Stadtbevölkerung beträgt aber ziemlich genau die Hälfte.

Merkblatt für die Wahl des Heilbronner Gemeinderats und Stimmzettel (Foto: SWR, Anno Palumbo)
Die letzte Gemeinderatswahl war 2019. Die nächste Wahl findet 2024 statt. Anno Palumbo

"Hier sind die Parteien ganz klar gefordert", sagte die städtische Frauenbeauftragte Silvia Payer bei der Vorstellung des Reports.

Wenn es um die Zusammenstellung der Parteilisten geht, landen Frauen häufiger auf den hinteren Listenplätzen. Payer appelliert aber auch an die Wähler. Jeder einzelne könne bei der Kommunalwahl auch mehr Frauen wählen. Durch das sogenannte Kumulieren und Panaschieren ermöglicht das baden-württembergische Wahlrecht bei der Kommunalwahl eine individuelle Verteilung der eigenen Stimmen.

Kaum Straßen nach Frauen benannt

36 Prozent der Straßen in Heilbronn sind nach Männern benannt, aber nur zwei Prozent nach Frauen.

"Das macht deutlich, dass im historischen Bewusstsein die Leistungen der Frauen, die sie ja auch in der Vergangenheit erbracht haben, nicht gesehen werden."

"Da kann man mit Sicherheit ansetzen", so die Frauenbeauftragte. Erst kürzlich sei in Heilbronn eine Straße nach der ersten Frau im Heilbronner Gemeinderat benannt worden. Anna Ziegler hieß sie, in den 1920er Jahren saß sie auch für einige Zeit im Reichstag. Silvia Payer wünscht sich mehr solcher Straßennamen, um die Leistungen von Frauen im Alltag sichtbarer zu machen.

Wie geht es weiter?

Künftig soll der Gender-Report der Stadt Heilbronn alle zwei Jahre erstellt werden. Bei der Theorie soll es aber nicht bleiben. Die Macher des Reports hoffen, dass die Datensammlung helfen kann, handfeste Ergebnissen auf den Weg zu bringen.

"Statistik ist wichtige Planungsgrundlage", sagte die Frauenbeauftragte Payer. Als Beispiel nennt sie etwa verbesserte Betreuungsangebote in Randzeiten für die Kinder alleinerziehender Frauen. Der Report habe gezeigt, dass es hier Handlungsbedarf gebe, weil es häufig um nur ein oder zwei Stunden fehlende Kinderbetreuung morgens oder abends gehe, die alleinerziehende Frauen am Ende davon abhalte, arbeiten zu gehen. Die Stadtverwaltung werde sich den Report für politische Entscheidungen in der Zukunft genau angucken, so Payer.

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