Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, weinsberg (Foto: SWR)

Mann aus Klinikum am Weissenhof entwichen

Polizei sucht weiterhin nach Patient aus offenem Maßregelvollzug in Weinsberg

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Die Heilbronner Polizei sucht weiterhin nach einem Mann, der am Samstag aus dem Weinsberger Klinikum am Weissenhof entwichen ist. Es gebe einige Hinweise aus der Bevölkerung, hieß es.

Der 40-Jährige war laut einer Mitteilung des Klinikums in einer offenen Station des Maßregelvollzugs untergebracht und ist laut einer Mitteilung des Landessozialministeriums ein verurteilter Straftäter.

Die Heilbronner Polizei sucht weiterhin nach einem Mann, sagte ein Sprecher dem SWR am Dienstagmorgen. Es gebe einige Hinweise aus der Bevölkerung, denen die Polizei nachgehe.

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Demnach war der Mann wegen Einbruchsdiebstahls verurteilt worden. Er stand seit 1985 mit insgesamt 17 Eintragungen in den Akten, darunter auch Fahren ohne Fahrerlaubnis und Körperverletzung. Einen Zusammenhang mit dem Ausbruch von vier Straftätern vor zweieinhalb Wochen schließt die Polizei aus, 

Vom Geflüchteten gehe keine Gefahr aus, so der Chefarzt

Die Therapie in der Fachklinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie beginnt im geschlossenen Vollzug. Mit fortschreitendem Behandlungserfolg gibt es Lockerungen für die Patienten und Patientinnen. Die ersten Lockerungsstufen werden im gesicherten Bereich erprobt. Erst dann wird der Patient - wie im Fall des 40-Jährigen - auf eine offene Station verlegt.

Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, weinsberg (Foto: SWR)
Offene Station des Maßregelvollzugs der Fachklinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum am Weissenhof in Weinsberg (Kreis Heilbronn)

Nach Einschätzung des Chefarztes und Leiters der Fachklinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Weinsberg, Matthias Michel, gehe vom Geflüchteten keine Gefahr aus, dies decke sich auch mit der Einschätzung seitens der Polizei.

"Mit Bauchgrimmen verlege ich grundsätzlich niemanden auf eine offene Station. Das ist viel zu gefährlich. (...) Wir verlegen Patienten grundsätzlich erst dann, wenn wir wirklich davon überzeugt sind, dass das so funktionieren wird."

Entweichungen aus offenen Stationen des Maßregelvollzugs sind wohl eher selten

Der Geflüchtete kam erst auf eine offene Station, nachdem er ärztlich sorgfältig geprüft worden war, so der Chefarzt der Klinik, Matthias Michel. Entweichungen wie am Samstagabend seien äußerst selten in Baden-Württemberg. Dabei handle es sich vor allem um Patienten, die schon weit fortgeschritten seien in der Therapie und auch häufig kein Gefahrenpotential mehr aufwiesen.

"Wir machen in Baden-Württemberg um die 200.000 Lockerungen jedes Jahr und haben eine Quote von um die 45 Entweichungen in diesem Jahr bisher gehabt. Das zeigt, dass es ein wirklich extrem seltenes Ereignis ist."

Die Polizei sucht Männer, die aus dem Maßregelvollzug in Weinsberg geflüchtet sind (Foto: Julian Buchner / Einsatz-Report24)
Die Polizei sucht Männer, die aus dem Maßregelvollzug in Weinsberg geflüchtet sind Julian Buchner / Einsatz-Report24

Erneute politische Diskussionen um Sicherheit im Maßregelvollzug

Vor über zwei Wochen waren bereits vier Straftäter aus der Fachklinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Weinsberg geflüchtet - allerdings aus der geschlossenen Abteilung. Nach der weiteren Flucht am Samstag wird erneut über die Sicherheit in Einrichtungen des Maßregelvollzugs gestritten.

Die SPD sieht sich durch den neuen Vorfall in ihrer Kritik an den Bedingungen in den Einrichtungen bestärkt. Das Sozialministerium weist die Vorwürfe dagegen deutlich zurück. Es gehe bei dem aktuellen Fall keineswegs um einen Ausbruch aus dem Sicherheitsbereich, sagte Sozialminister Manfred Lucha (Grüne).

"Das zeigt, dass sich die SPD leider nicht wirklich mit dem Thema beschäftigt hat (...). Ich erwarte, dass die SPD mich gegenüber der sozialdemokratischen Bundesministerin unterstützt bei der Reform eines wichtigen Paragraphen, der ein falsches Klientel in den Maßregelvollzug lenkt."

Der Maßregelvollzug in Weinsberg (Foto: Julian Buchner / Einsatz-Report24)
Die flüchtigen Männer sind teils wegen Gewalttaten verurteilt Julian Buchner / Einsatz-Report24

"Die Tage der offenen Tür in Weinsberg müssen beendet werden"

Die SPD hatte nach dem Ausbruch der vier Männer verlangt, die landesweit fünf Maßregelvollzugsanstalten zu überprüfen. Diese Forderung bekräftigte laut der Deutschen Presseagentur der Strafvollzugsexperte Jonas Weber nun und sagte, der erneute Vorfall trage nicht zum Sicherheitsgefühl der Menschen bei. Er unterstreiche vielmehr die Notwendigkeit, die Vorkehrungen in diesen Einrichtungen auf Herz und Nieren zu prüfen. "Die Tage der offenen Tür in Weinsberg müssen beendet werden", sagte Weber.

Königliche Heilanstalt am Weissenhof (Foto: SWR, Anno Palumbo)
Königliche Heilanstalt am Weissenhof (9.10.2018) Anno Palumbo
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