Ableiterhähne in einem Sudhaus (Foto: picture alliance / dpa | Ronald Wittek)

Bier-Produktion erfordert viel Wärme

Gaskrise trifft kleine Brauereien hart

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Der Gasmangel trifft kleine Brauereien wie Herbsthäuser Familien-Brauerei in Bad Mergentheim schwer. Wenn der Gashahn zugedreht wird, könnte das Aus drohen.

Der Gasmangel schwebt wie ein Damoklesschwert über der Industrie. Die Verunsicherung ist groß. Auch bei den kleinen Brauereien macht sich die Angst vor einem Gaslieferstopp breit. Die Herbsthäuser Familien-Brauerei in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) ist, wie viele andere in der Region, abhängig vom Import-Gas. Der Brauprozess ist sehr energieintensiv - bei Engpässen könnte es knapp werden für die Brauereien.

Energieverbrauch bereits effizient - kaum Einsparung möglich

Vor allem Maische- und Sudprozesse erfordern viel Wärme, erklärt Klaus Wunderlich, Seniorchef der Herbsthäuser Brauerei. Um Energie zu sparen, werde schon seit vielen Jahrzehnten zum Beispiel aus dem Dampf, der beim Würzekochen entsteht, Wärme gewonnen. Hier lasse sich aber nicht mehr einsparen, so Wunderlich im Gespräch mit dem SWR.

Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, überlegt die Herbsthäuser Brauerei jetzt, den alten Öltank als Reserve wieder aufzufüllen, um im Notfall von Gas auf Öl wechseln zu können. Das allein helfe aber nur bedingt, wie Klaus Wunderlich meint.

Auch Vor-Lieferanten von Gas abhängig

Eine Gasknappheit hätte auch indirekt dramatische Auswirkungen, denn nicht nur die Brauereien sind vom Gas abhängig, sondern auch deren Vor-Lieferanten. Wenn etwa kein Malz geliefert werden könne, breche ebenfalls die Produktion zusammen.

"Alle Gedankenspiele führen dazu, dass unsere Lieferketten zusammenbrechen und dann stehen wir vor dem Aus."

Brauerei nicht systemrelevant

Neben all den Problemen gibt es noch ein weiteres, großes Thema, so Seniorchef Klaus Wunderlich. Wenn das Gas infolge des Notfallplans für die Industrie gekürzt würde, dann wäre die Branche sofort betroffen, denn: Brauereien werden nicht als systemrelevant eingestuft. "Dies hätte zur Folge, dass der Gashahn gedrosselt oder im schlimmsten Falle zugedreht wird", folgert Wunderlich.

"Die Hoffnung stirbt zuletzt"

Die aktuellen Preiserhöhungen treffen vor allem regionale Brauereien, denn diese können nicht alle höheren Energiekosten durch höhere Preise kompensieren. Der Seniorchef der Herbsthäuser Brauerei bleibt dennoch zuversichtlich. "Die Hoffnung stirbt zuletzt und wir müssen positiv an die Sache rangehen."

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