Frühwarnstufe Gasversorgung

Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg in Künzelsau: Ohne Gas Produktionsstopp

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Sollte es zu einer Unterbrechung der Gasversorgung kommen, rechnet Ziehl-Abegg mit einem kompletten Produktionsstopp. Er mache sich Sorgen, sagte Firmenchef Peter Fenkl dem SWR.

Die Bundesregierung bereitet sich auf das Szenario vor, dass möglicherweise kein Gas mehr aus Russland geliefert werden könnte. Was das für sie bedeutet, fragen sich nun viele Firmen.

Manche Produktionsschritte ohne Gas nicht möglich

Peter Fenkl, Vorstandsvorsitzender des Ventilatorenherstellers Ziehl-Abegg mit Stammsitz in Künzelsau (Hohenlohekreis), rechnet im Falle einer Unterbrechung der Gasversorgung mit einem kompletten Produktionsstopp.

Bestimmte Produktionsschritte seien auf Gas angewiesen, sagte Fenkl dem SWR. Als Beispiele nannte er das Erwärmen von Wasser zum Reinigen bestimmter Teile oder das Erwärmen von Aluminiumschmelze.

Auswirkungen für die komplette Produktion

"Wenn Teile nicht gefertigt werden können, die wir dann aber für die Montage des fertigen Produkts benötigen, dann wird das Produkt nicht fertig und dann muss auch der Rest stehenbleiben", so Fenkl.

Peter Fenkl, Ziehl-Abegg, bei einem Interview zum Thema Impfen (Foto: SWR)
Ziehl-Abegg-Vorstandschef Peter Fenkl

„Die Prozesse sind ineinander verwoben. Wenn ein Zahnrad nicht mehr funktioniert, dann funktioniert das ganze Getriebe nicht.“

Anlagen bewusst auf Gas umgestellt

Hinzu kommt als Herausforderung, dass Ziehl-Abegg in den letzten Monaten einige Anlagen bewusst auf Gas umgestellt hat. Gründe dafür waren laut Firmensprecher Rainer Grill ökologische Gründe sowie die Motivation, unabhängiger von Öl zu werden.

So wird beispielsweise derzeit die Gießerei in Schöntal-Bieringen von Öl auf Gas umgestellt. Die Gemeinde sei extra auf sein Unternehmen zugekommen, berichtet Vorstandsvorsitzender Fenkl. Sie habe einen Gasanschluss haben wollen und der Versorger habe zur Bedingung gemacht, dass der größte Energie-Verbraucher da mitzieht. Fenkls Kommentar dazu: "Es war der falsche Zeitpunkt."

Produktion braucht viel Gas

Welcher Anteil des gesamten Energiebedarfs von Ziehl-Abegg mit Gas gedeckt werden, konnte die Firma nicht sagen. Folgende Zahlen gibt es allerdings: Am Standort Künzelsau betrug für 2021 der Jahresgasverbrauch 208.402 Kubikmeter, am Standort Kupferzell waren es 583.295 Kubikmeter.

Zum Vergleich: In einem Einfamilienhaus werden grob kalkuliert durchschnittlich 16 Kubikmeter Gas pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr für Heizung und Warmwasser veranschlagt. Bei einer Wohnfläche von 100 Quadratmetern wären das also 1.600 Kubikmeter für ein Jahr Heizen und Warmwasser.

Der Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg in Kupferzell (Foto: SWR)
Der Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg in Kupferzell

Bundesregierung: Versorgungssicherheit gewährleistet

Derzeit sehe er noch nicht die „ganz ganz große Gefahr“ für die Gasversorgung, weil es noch genügend Reserven gebe, sagte der Vorstandsvorsitzende Peter Fenkl dem SWR.

Die Bundesregierung bereitet sich vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine auf eine erhebliche Verschlechterung der Gasversorgung vor. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) setzte deswegen am Mittwoch in Berlin die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas in Kraft. Dies diene der Vorsorge. Die Versorgungssicherheit sei weiterhin gewährleistet.

Frühwarnstufe - was bedeutet das?

Der Notfallplan zur Gasversorgung besteht aus drei Krisenstufen. Erst in der dritten Stufe würde der Staat tatsächlich aktiv in den Gasmarkt eingreifen und Gas zuteilen, um insbesondere die Gasversorgung der „geschützten Kunden“ – zum Beispiel private Haushalte, Krankenhäuser, Feuerwehr und Polizei – sicherzustellen.

In dieser dritten Stufe könnte es dazu kommen, dass bestimmte Unternehmen kein Gas mehr erhalten.

Putin fordert Rubel-Zahlungen für Gas

Der Hintergrund: Vergangene Woche hatte der russische Präsident Wladimir Putin verkündet, dass Russland Gas an Deutschland und weitere "unfreundliche Staaten" nur noch gegen Zahlung in Rubel liefern werde. Dies würde die unter Druck geratene russische Währung stützen.

Was ist dran an den Putsch-Gerüchten um Putin? (Foto: dpa Bildfunk, Mikhail Klimentyev)
Putin will, dass Gaslieferungen künftig in Rubel bezahlt werden Mikhail Klimentyev

Die Gruppe der G7-Wirtschaftsmächte, darunter Deutschland, sowie die Europäische Union insgesamt lehnen Zahlungen in Rubel für Gas jedoch ab.

Am Mittwochabend telefonierte Putin mit Bundeskanzler Olaf Scholz - und sicherte dabei laut Kreml zu, dass die Umstellung auf Rubelzahlungen für russisches Gas nicht zu Nachteilen für Deutschland führen solle. Scholz (SPD) bekräftigte nach dem Gespräch mit Putin, dass Deutschland die Gaslieferungen aus Russland wie in den Verträgen vorgesehen weiter in Euro oder Dollar bezahlen werde. 

Putin hatte in dem Telefonat erläutert, dass ab dem 1. April ein Gesetz gelte, wonach die Lieferung von Gas in Rubel zu begleichen sei, wie der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Hebestreit, am Mittwochabend sagte. Laut Putin würde sich allerdings für die europäischen Vertragspartner nichts ändern: Die Zahlungen würden weiterhin in Euro ergehen, die Gazprom-Bank konvertiere das Geld anschließend in Rubel. Diesem Verfahren hat Scholz laut Regierungssprecher nicht zugestimmt. Nun will Putin sich mit Vertretern des Gasriesen Gazprom und der Zentralbank über konkrete Schritte im Hinblick auf seine Ankündigung, die Zahlung von Euro und Dollar auf Rubel umzustellen, beraten.

Werk in Russland: Produktion steht still

Im russischen Ziehl-Abegg-Werk steht indes seit etwa zwei Wochen die Produktion, sagte der Vorstandsvorsitzende Fenkl. Die Mitarbeiter wurden nach Hause geschickt, werden derzeit aber noch bezahlt. Wie es weitergeht, sei derzeit offen, so Fenkl. Hierzu liefen Gespräche mit russischen Behörden.

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