Glyphosat im Garten in Wüstenrot - Weihenbronn (Foto: SWR)

Jahrzehntelang gepflegtes Paradies zerstört

Garten in Wüstenrot totgespritzt: Unbekannter bringt Glyphosat aus

STAND

In Wüstenrot-Weihenbronn soll ein Unbekannter mit dem Pflanzenvernichtungsmittel Glyphosat große Teile eines Privatgartens zerstört haben. Die Besitzer sind erschüttert.

Der Garten des Ehepaares Merkle in Wüstenrot-Weihenbronn (Kreis Heilbronn) gibt ein trauriges Bild ab. Die Hecken sind größtenteils braun, die Blätter überwiegend verdorrt: Der Garten ist mit Gift zerstört worden. 

"Zunächst ist man sprachlos. Wie Leute auf die Idee kommen, auf ein Grundstück anderer Leute zu gehen und [...] Gift zu spritzen. Im zweiten Schritt wird man natürlich wütend, da steckt jede Menge Arbeit und auch Geld drin, das ist jetzt alles kaputt."

Am Anfang nur ein paar Flecken

Der gut 17 Ar große Zier- und Nutzgarten war für das Ehepaar Merkle zuvor ein kleines Paradies, das sie über Jahrzehnte gehegt und gepflegt haben - bis Ende Juni. Auf dem Weg zu seinem Hauseingang wunderte sich der 71-jährige Reinhard Merkle über Öl-ähnliche Flecken auf dem Bodenbelag.

"Ich hab dann den Schlauch genommen, habe es herunter gespritzt, das ging auch weg, komisch war, dass es aufgeschäumt ist."

Glyphosat im Garten in Wüstenrot - Weihenbronn (Foto: SWR)
Nichts mehr zu retten nach der Glyphosat-Attacke in Wüstenrot.

Ein paar Tage später ließ der Lavendel die Köpfe hängen, nochmal gießen half nichts. Weitere zwei Tage später waren die Beerensträucher kahl. Jeden Tag waren andere Pflanzen kaputt, so Merkle. Er habe dann gleich vermutet, dass etwas verspritzt worden sei.

Analysen bestätigen den Einsatz von Glyphosat

Nachdem das Landratsamt Heilbronn Boden- und Pflanzenproben entnommen hat, zeigten die Analysen, dass auf dem Grundstück des Ehepaares im großen Stil Herbizide, also Unkrautvernichtungsmittel, verspritzt worden sind. Das Totalherbizid Glyphosat töte im Grunde jegliche Pflanzen ab, mit wenigen Ausnahmen, so Rainer Engel vom Landratsamt Heilbronn. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung, hat aber bis heute keine Spur.

Das Ehepaar Merkle fühlt aber weniger Trauer als Wut. Margarete Merkle sagte, ihr seien auch die Tränen gekommen, sie habe sich wahnsinnig aufgeregt, als sie das Trauerspiel gesehen hatte.

"Wenn ich mich weiter aufrege, dann geht es auf meine Gesundheit. Ich habe auch nachts nicht mehr schlafen können."

Glyphosat tötet jegliche Pflanzen ab, so Rainer Engel.  (Foto: SWR)
Glyphosat tötet jegliche Pflanzen ab, so Rainer Engel.

Kein Geld und keine Kraft für Neustart

Neben dem ideellen Verlust des blühenden Gartens ist der wirtschaftliche Schaden kaum zu beziffern. Reinhard Merkle sagt, Hecken könne man nicht neu anpflanzen, das dauere fast 20 Jahre. Eine Gärtnerei zu beauftragen, koste etwa 20.000 Euro aufwärts. Und alles selbst herzurichten, womöglich die Erde auszutauschen, dafür fehlt dem Ehepaar die Kraft.

STAND
AUTOR/IN
SWR