Gas-Engpass treibt Kosten in die Höhe (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Unternehmen vs. Haushalte

Diskussion um Priorisierung bei Gas-Engpass

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Die russische Drohung eines Gas-Lieferstopps hat eine Debatte losgetreten - auch in Heilbronn-Franken. Wer soll vorrangig beliefert werden, wenn das Gas knapp wird?

Sie schwebt wie ein Schreckgespenst über die Gesellschaft - die russische Drohung eines Gaslieferstopps nach Deutschland. Deshalb wird hierzulande seit Wochen über die Folgen und damit verbundenen Belastungen für Gesellschaft und Wirtschaft diskutiert. Wer soll vorrangig beliefert werden, wenn das Gas knapp wird: Die privaten Haushalte oder die Industrie? Der Arbeitgeberverband Südwestmetall warnt unter anderem vor massiven Arbeitsplatzverlusten, sollte der Industrie der Gashahn zugedreht werden.

Befürchtung: Massive Arbeitsplatzverluste

Haushalte weiter zu beheizen und stattdessen die Industrie abzuschalten sei sinnlos, sagt Peer-Michael Dick, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Südwdestmetall dem SWR.

"Die Menschen werden nach einer Weile kein Geld mehr haben, um die hohen Energiekosten zu bezahlen."

Diese Arbeitsplatzverluste seien auch mit Kurzarbeit nicht aufzufangen, befürchtet Dick. Außerdem würden viele Bereiche des täglichen Bedarfs, wie Kleidung, Nahrungsmittel und der unmittelbaren Energieversorgung eingeschränkt werden, so Dick weiter.

Sollte die Industrie priorisiert mit Gas versorgt werden, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, würden private Haushalte zum Sparen gezwungen werden. Das dürfe es nicht geben, erklärt Uwe Bauer von der IG Metall Schwäbisch Hall gegenüber dem SWR: "Bei den aktuellen Preisen versucht sowieso jeder zu sparen. Und wenn es jetzt beim Heizen enger wird, ohne, dass es dafür eine Entschädigung gibt, dann geht das überhaupt nicht", so Bauer.

Besonders sozial Schwache betroffen

Die Bevorzugung der Wirtschaft beim Gas hält auch Frank Stroh vom Sozialverband VDK in Heilbronn für "realitätsfern und weltfremd", wie er in einem Interview erklärt. Besonders Rentner und Sozialhilfeempfänger würde das treffen. Im Gegensatz zu anderen Bevölkerungsgruppen hätten sie bislang keinen Ausgleich für die steigenden Preise bekommen, so Stroh. Wegen der hohen Energiepreise müssen die sozial Schwachen ohnehin im Winter ihre Heizkosten senken.

Offene Diskussion soll helfen

Für den Arbeigeberverband Südwestmetall kommt es nach eigenen Angaben darauf an, jetzt eine offene und ehrliche Diskussion zu führen. Gleiches gelte auch für Sozialverband VDK in Heilbronn. Den aktuellen Herausforderungen als Gesellschaft könne man nur im Schulterschluss bestehen können.

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