Geflüchtete Ukrainer gehen nach ihrem Grenzübertritt von Schehyni in der Ukraine nach Medyka in Polen. Zahlreiche Ukrainer verlassen nach Militäraktionen Russlands auf Ukrainischem Staatsgebiet das Land. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Michael Kappeler)

Gemeindetag BW: Kommunen am Limit

Geflüchtete: Es fehlt an Personal für die Integration

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Integration ist mehr als nur Unterbringung. In einigen Behörden ist das Personal am Limit, sagt der Vize-Präsident des Gemeindetags BW. Auch die Ehrenamtlichen suchen Verstärkung.

Zurzeit kommen immer mehr Menschen nach Baden-Württemberg, die Asyl suchen. Die Kommunen haben große Sorgen, wie sie die Leute unterbringen sollen. Durch die Einigung zwischen Land und Kommunen Anfang der Woche, gibt es mit 530 Millionen Euro etwas finanzielle Entlastung. Aber Geld ist nicht alles, sagt der Vize-Präsident des Gemeindetags BW und Oberbürgermeister von Eppingen, Klaus Holaschke (parteilos). "Aus den für die Integration zuständigen Behörden gibt es zwischenzeitlich auch einen Hilferuf wegen der absoluten Überlastung des Personals."

Wohnungsmarkt praktisch leergefegt

Am nötigsten brauchen die Kommunen das Geld, damit sie überhaupt menschenwürdigen Wohnraum bereitstellen können, so Holaschke. Der Markt sei praktisch leergefegt. Er fordert, dass Bund und Land mehr Liegenschaften zur Verfügung stellen und die europäischen Nachbarn mehr Geflüchtete aufnehmen.

Die ARGE Flüchtlingsarbeit Heilbronn ist ein Zusammenschluss von AWO, Caritas, Diakonie im Auftrag der Stadt Heilbronn. Rund 200 Ehrenamtliche helfen Geflüchteten, in Deutschland Anschluss und Arbeit zu finden. Sie unterstützen bei der Jobsuche, helfen bei Hausaufgaben, knüpfen Kontakte oder hören manchmal auch einfach nur zu. Der Bedarf an Ehrenamtlichen sei Dauerthema, "wir brauchen immer Menschen, die uns ihre Zeit schenken", sagt Anja Niems.

Ukrainer in ehemaliger Grundschule untergebracht

Auch der Freundeskreis Asyl in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) sucht händeringend Ehrenamtliche. Am Anfang des Kriegs gegen die Ukraine hätten sich viele gemeldet, sagt Nico Markert, da wären aber die Leute noch nicht da gewesen. Jetzt seien sie da, aber die Welle der Hilfsbereitschaft abgeebbt. In Obereisesheim sind in einer ehemaligen Grundschule Ukrainerinnen und Ukrainer untergebracht. Dort gebe es immer Unterstützungsbedarf. Auch bei Menschen aus anderen Ländern, wie Syrien, Afghanistan oder dem Irak. Manchmal reiche es schon, wenn jemand einen Geflüchteten mit in den Fussballverein nimmt oder im Repaircafé mit anpackt, so Markert.

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SWR