Berufsschulzentrum Main-Tauber-Kreis (Foto: SWR)

Aus für Berufsausbildung in Bad Mergentheim

Fachkräftemangel: Lehrer kämpfen für Erhalt der Fleischer-Klasse

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Seit bekannt wurde, dass am Bad Mergentheimer Berufsschulzentrum wegen rückläufiger Schülerzahlen die Fleischer- und Fachverkäufer-Ausbildung beendet wird, regt sich Widerstand gegen die Entscheidung des Landes.

Fast 4.000 Unterschriften hat Manfred Silberzahn, ehemaliger Berufsschullehrer, zusammen mit Unterstützern für seine Petition gesammelt. Das Fleischer-Handwerk sei auf das Schulangebot in Bad Mergentheim angewiesen, weil es ohnehin schwer sei, gerade in den Nahrungsmittelberufen Nachwuchs zu finden, sagt Silberzahn und ergänzt: "Ich lege Wert darauf, dass meine Produkte, was Fleisch, was Bäckereiprodukte betrifft, bei uns produziert werden - nicht irgendwo."

Fällt eines Tages auch die Bäcker-Klasse weg?

Schließlich sei die Entscheidung, einen solchen Beruf zu ergreifen, ohnehin nicht einfach für die Jugendlichen. Könnten sie ihre Schulausbildung vor Ort machen, "dann ist die Entscheidung vermutlich leichter, als wenn die sagen, ich muss nach Buchen, nach Würzburg oder oder."

Petitionsauschuss Fleischerklasse in Bad Mergentheim (Foto: SWR)
Das Berufsschulzentrum in Bad Mergentheim

Silberzahn und seine Mitstreiter sind in Sorge, dass nach dem Aus für die Fleischerklasse in wenigen Jahren auch die verbliebene Bäcker-Klasse wegen zu geringer Schülerzahlen infrage gestellt werden könnte. Über Jahre hinweg wurden die beiden Ausbildungsberufe nämlich in der Kurstadt gemeinsam unterrichtet. Das Modell Mergentheim hat sich bewährt, beide Ausbildungsberufe profitieren voneinander, sagt Angelika Gold, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft: "Die Lehrkräfte vor Ort sind sehr engagiert. In den letzten Jahren haben wir immer Schüler mit Bestleistungen gehabt, die dann Kammersieger oder Landessieger waren." Eben ein Erfolgsmodell, stellt auch Fachlehrerin Susanne Thienel heraus.

Azubis müssen in benachbarte Kreise zum Unterricht

In Bad Mergentheim musste gehandelt werden, so die Auffasung des Regierungspräsidiums und des Kultusministeriums. Deren Vertreter wiesen auf Qualitätsstandards hin, Fachklassen sollten auf einen Beruf ausgelegt sein. Das Hauptargument aber sind die rückläufigen Zahlen: 16 Schüler pro Klasse und Beruf - diese eigentliche Mindestgröße sei in Bad Mergentheim bei den angehenden Fleischern und Fleischerei-Fachverkäufer(innen) schon länger nicht mehr erreicht worden. Berufsschüler könnten jetzt wochenweise zum Blockunterricht nach Heilbronn oder an die Berufsschulen in Künzelsau (Hohenlohekreis) und Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis). Die Wege in die Nachbarkreise seien zumutbar.

Kommission des Petitionsausschusses des Landtages im Main-Tauber-Kreis (Foto: SWR)
Kommission des Petitionsausschusses des Landtages im Main-Tauber-Kreis

Angelika Gold sieht das anders: Ein Azubi zum Beispiel aus Dertingen brauche morgens über zwei Stunden nach Künzelsau. Würde er den ersten Bus nehmen, erreiche er die Schule dennoch nicht pünktlich. Wichtig sei, so Gold, den Schulstandort im ländlichen Raum zu bewahren, sodass die Betriebe vor Ort eine Ausbildungsmöglichkeit haben. Gerade die 15- und 16-Jährigen, die sich für einen Handwerksberuf begeistern, bräuchten ihre Ausbildungsmöglichkeiten vor Ort, da sie meist fest verwurzelt seien, auch oft engagiert in Vereinen.

Entscheidung des Petitionsausschusses nicht vor Jahresende

Eine Kommission des Petitionsausschusses des Landtages war am Montag in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis). Dabei ging es um den Kampf für die Fleischer-Klasse an der Beruflichen Schule. Das Kultusministerium hatte unter anderem wegen rückläufiger Schülerzahlen das Ende der Fleischer-Klasse in Bad Mergentheim beschlossen. Mit einer Entscheidung des Petitionsausschusses wird nicht vor Jahresende gerechnet.

Bereits Anfang des Jahres hatte sich die Fleischer- und Bäckerinnung mit einem offenen Brief wiederholt an die damalige Kultusministerin Eisenmann (CDU) gewandt. Der Frust sitzt tief, hieß es damals.

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