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Die Ursache für das Fischsterben im unteren Hollenbacher See bei Mulfingen (Hohenlohekreis) ist weiter unklar. In den vergangenen Tagen wurden rund 500 tote Fische in dem Angelsee entdeckt.

Seit Mitte letzter Woche wurden hunderte tote Fische aus dem Gewässer gefischt - darunter vor allem Weißfische und Rotaugen, aber auch Edelfische wie Zander und Karpfen.

Ursache für Fischsterben weiter rätselhaft

Bewirtschaftet wird der rund drei Hektar große Hollenbacher Angelsee vom Fischereiverein Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis). Der Verein hat den See seit gut 50 Jahren gepachtet, doch ein Fischsterben dieses Ausmaßes war bisher äußerst selten, so der zweite Vereinsvorsitzende Andreas Schmitt:

"Das ist vor allem für den Verein ein Schlag und ein sehr trauriges Ereignis."

Andreas Schmitt, zweiter Vorsitzender des Fischereivereins Bad Mergentheim

Warum so viele Fische verendet sind, kann sich Schmitt nicht erklären. Nach Auswertung erster Wasserproben sei der Sauerstoffgehalt des Angelsees in Ordnung, aktuell müsse noch die Nährstoffbelastung geklärt werden.

"Problematisch ist aber, dass die Fische [...] mindestens vor zwei Wochen zu Grunde gegangen sind und man [...] nicht mehr nachvollziehen kann, welche Belastungen vorgelegen haben und was den Tod ausgelöst hat."

Andreas Schmitt, zweiter Vorsitzender des Fischereivereins Bad Mergentheim

Bürgermeister schließt Bauarbeiten als Ursache für See-Verunreinigung aus

In der Nähe des Sees gab es zuletzt Arbeiten an einer Abwasserleitung. Dass die Arbeiten etwas mit dem Fischsterben zu tun haben, sei ausgeschlossen worden, sagte der Mulfinger Bürgermeister Robert Böhnel (FWV) dem SWR. Bei den Arbeiten vor gut zwei Wochen seien Rohre ausgetauscht worden. Allerdings habe sich die Baustelle unterhalb des Sees befunden und das Abwasser sei in einen Tankwagen gepumpt worden.

Der Badesee in der Nähe des Angelsees ist laut Polizei nicht vom Fischsterben betroffen. Das bestätigt auch der Geschäftsführer des Campingplatzes am Hollenbacher See, Heiko Wachter.

Hollenbacher See (Foto: SWR)
Der nahegelegene Hollenbacher See mit angeschlossenem Campingplatz ist nicht vom Fischsterben betroffen

Polizei ermittelt weiter

Die Polizei ermittelt in alle Richtungen, sagte Polizeisprecher Daniel Fessler vom Polizeipräsidium Heilbronn. Derzeit warte man auf die Laborergebnisse weiterer Wasserproben.

"Außerdem versucht man jetzt, einen lebenden Fisch zu fangen, um Fischkrankheiten, Parasiten oder ähnliches zu identifizieren."

Daniel Fessler, Polizeipräsidium Heilbronn

Ergebnisse der Wasserproben liegen laut Polizei frühestens in einigen Tagen vor.

Fischsterben in Heilbronn-Franken

Immer wieder kommt es zu Fischsterben in Heilbronn-Franken. Mitte April sind im Grimmbach bei Ilshofen (Kreis Schwäbisch Hall) rund 50 Fische verendet. Ursache war laut Polizei eine undichte Kläranlage. Dadurch gelangte ammoniumbelastetes Wasser in den Bach.

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