Überlassung eines Löschfahrzeuges der Feuerwehr Crailsheim an eine Stadt in der Ukraine. (Foto: SWR)

Unbürokratische Hilfe für Unternehmerin

Crailsheim: Altes Feuerwehrfahrzeug tut neuen Dienst in der Ukraine

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Die Crailsheimer Feuerwehr hat einen langjährigen Mitarbeiter entlassen: ein 30 Jahre altes Löschfahrzeug. Es fährt in die Ukraine, wo wegen des Krieges Feuerwehrfahrzeuge fehlen.

Das Löschfahrzeug der Crailsheimer Feuerwehr wurde überprüft, von Feuerwehrmännern aus Neustadt a.d. Aisch (Kreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim): Daumen hoch, top Zustand. Käuferin Susanne Lang freut sich. Sie hatte über das Kolping-Werk Hilfskonvois mitorganisiert, war selbst an die polnisch-ukrainische Grenze gefahren - wo um Feuerwehrautos gebeten wurde. Sie klemmte sich dahinter, wie sie erzählt, kaufte das Auto, um es in die Ukraine zu übergeben.

"Ich habe keine Ahnung, wie man Feuerwehrautos kauft, habe es dann aber mit der vor allem unbürokratischen Hilfe der Stadt Crailsheim geschafft. Von Behörden kenne ich das eigentlich anders."

Stadt unterstützt Hilfsaktion

Selbst für die erfahrene Unternehmerin absolutes Neuland. Ihre Firma produziert die Außenspiegel von Nutzfahrzeugen - auch die am gekauften Löschfahrzeug aus Crailsheim. Die Stadt war sofort bereit, bei der Hilfsaktion zu unterstützen, sagte Oberbürgermeister Christoph Grimmer (parteilos) - auch wenn bürokratische Wege eingehalten werden mussten.

Der Wert des Fahrzeugs wurde auf 1.000 bis 5.000 Euro geschätzt, der bei einer Auktion über den Zoll erzielt hätte werden können. So setze die Stadt eben einen niedrigen vierstelligen Betrag als Kaufpreis an.

Nach 30 Jahren neuer Dienst

30 Jahre tat das Fahrzeug gute Dienste für Crailsheim. 30.000 Kilometer sind auf dem Tacho, pro Jahr also 1.000 Kilometer. So weit ist allein die Fahrt an den Bestimmungsort in der Ukraine. Stadtbrandmeister Armin Klingenbeck freute sich, dass das Löschfahrzeug weiterhin Dienst tut.

"Es ist natürlich nicht der Stand, den die Ukraine eigentlich hat. Die Ukraine hat einen sehr hohen Standard, was Brandschutz betrifft. Aber es wird dort in der momentanen Situation gute Dienste tun."

Feuerwehr pflegt ihr Material

Bei einem Abverkauf ist oft unklar, was mit einem Löschfahrzeug passiert. Oft werden die Fahrzeuge zu Wohnwagen oder ähnlichem umgebaut. "Es ist voll funktionsfähig", sagt der Stadtbrandmeister. "Feuerwehrleute pflegen ihr Material sehr gut."

Übergabe von Fahrzeugpapieren. Überlassung eines Löschfahrzeuges der Feuerwehr Crailsheim an eine Stadt in der Ukraine (Foto: SWR)
Stadtbrandmeister Armin Klingenbeck übergibt die Fahrzeugpapiere an Unternehmerin Susanne Lang (v.r.)

Die Crailsheimer Feuerwehr benötigt modernere Fahrzeuge, die Anforderungen ändern sich: weniger Personal, ein größeres Stadtgebiet. In der Ukraine, weiß Klingenbeck, ist ein eher mechanisches Fahrzeug aktuell sicher von Vorteil: Ein kleiner Computerchip wäre im Krieg sicher schwer zu besorgen.

Demnächst geht es in die Ukraine

Susanne Lang hat das Fahrzeug mit Spenden, einer Mensa-Aktion in ihrer Firma in Neustadt a.d. Aisch und mit privatem Geld, finanziert. Auch die Feuerwehr ihres Heimatortes ist dabei und hat Spenden für eine Ausstattung des Fahrzeugs gesammelt, Äxte, Schläuche und dergleichen.

Überlassung eines Löschfahrzeuges der Feuerwehr Crailsheim an eine Stadt in der Ukraine (Foto: SWR)
Posieren für das Abschiedsfoto (v.l.): Crailheims Oberbürgermeister Christoph Grimmer, Stadtbrandmeister Armin Kingenbeck, das Ehepaar Lang und Vertreter der Feuerwehren Crailsheim und Neustadt a.d. Aisch

Das passiert die nächsten Tage. In der kommenden Woche geht es mit einem weiteren Hilfskonvoi aus dem bayrischen Neustadt in Richtung polnisch-ukrainische Grenze. Von dort möchte die Unternehmerin auch wieder Gäste, so bezeichnet sie Geflüchtete, mit nach Hause nehmen - in der Hoffnung, dass Russland den Krieg bald beenden wird.

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