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Neben den sattgrünen Weinbergen in und um Heilbronn gibt es so manche Rebzeile, die Wengertern Sorgen breitet: Öko-Winzer kämpfen gegen den Falschen Mehltau.

Öko-Winzer Andreas Stutz bewirtschaftet in Heilbronn rund zwölf Hektar Weinberge mit seiner Familie. Sorgen bereitet ihm ein Pilz. An einigen der gerade heranreifenden Trauben hängen zwischen den kleinen, unreifen, grünen Früchten immer wieder verfaulte, befallene Beeren. Auch die Blätter bekommen ölartige Flecken. "Je nach Rebsorte müssen wir mit einem Totalverlust rechnen", so Stutz.

Der Mehltaupilz kommt aus Amerika, sagt Stutz. Die europäischen Trauben seien der Krankheit nicht gewachsen und müssten seitdem behandelt werden.

Öko-Winzer fordern Phosphonate wieder zu erlauben

Während im konventionellen Weinbau eine ganze Palette chemischer Stoffe zur Verfügung steht, müssen sich die Öko-Winzer anders helfen: mit Schwefel und Kupfer. Normalerweise dürfen drei Kilo Kupfer pro Jahr aufgebracht werden, dieses Jahr sind es ausnahmsweise vier. Doch auch die dürften wohl nicht reichen, so Stutz.

Die Lösung sieht er woanders: Bis 2012 durfte ein Phosphonat als Pflanzenschutz ausgebracht werden. Im Rahmen einer EU-Bio-Verordnung sei das Mittel gestrichen worden. Es müsse wieder erlaubt werden.

"Frankreich und Spanien blockieren in Brüssel"

In Deutschland sei man sich darüber einig, dass Phosphonate wieder erlaubt werden müssen. Stutz appelliert deshalb an die Politik, sich in Brüssel dafür einzusetzen. Es gebe eine Art Nord-Süd-Gefälle, Frankreich und Spanien seien zum Beispiel für den Erhalt des Verbots. Im Norden, wo es mehr Niederschlag gebe, aber brauche man die Phosphonate.

Gefährliche Ausbringung - Traktor könnte abrutschen

Die Bekämpfung weiter auf Kupfer und Schwefel zu reduzieren, sei gefährlich für die Winzer und ihre Mitarbeitenden, so Stutz. Denn so müssen sie mit dem Traktor nach jedem Regenfall erneut das Kupfer ausbringen. Die Böden sind dann durch den Regen aufgeweicht, die Fahrt mit dem Traktor zwischen den Reben am Hang sehr gefährlich.

Außerdem setzten die Öko-Winzer auf Nützlinge gegen Schädlinge. Deshalb wachsen zwischen den Rebstöcken blühende Pflanzen für Bienen und Co. Der Traktor muss auch über sie fahren, was die Gefahren des Rutschens und Umkippens noch erhöht.

Klimawandel dürfte das Problem verschärfen

Die letzten Jahre hatte Stutz gute Erträge und Qualitäten. Einen Befall mit dem Falschen Mehltaupilz gab es zuletzt im Jahr 2016. Allerdings befürchtet er, dass sich der Pilz durch den Klimawandel noch öfter breit machen wird.

Hoffnung machen neue Züchtungen, die nicht nur gegen den Falschen Mehltaupilz, sondern auch an den Klimawandel angepasst sind. Die bisherigen Kreuzungen gegen den Falschen Mehltau, die Stutz vor etwa 15 Jahren gepflanzt hat, haben durch die vielen Niederschläge dem Pilz nicht standgehalten.

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