Pressekonferenz Polizei Heilbronn (Foto: SWR, Simon Bendel)

Schüsse und Feuer bei Hausdurchsuchung

Polizei zum SEK-Einsatz in Boxberg-Bobstadt: Waffenkammern und haufenweise Munition

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Die Ermittler haben am Donnerstag Einzelheiten zu dem spektakulären SEK-Einsatz am Mittwoch in Boxberg-Bobstadt bekanntgegeben. Unter anderem wurden Waffenkammern entdeckt.

Die Ermittlungen zu dem Vorfall in Boxberg-Bobstadt (Main-Tauber-Kreis) laufen. "Wir stehen erst am Anfang", sagte der Heilbronner Polizeipräsident Hans Becker in der Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag. Dennoch gab er viele neue Einzelheiten bekannt.

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Kriegswaffen, Handfeuerwaffen, nationalsozialistische Devotionalien

Über 250 Einsatzkräfte seien vor Ort gewesen. Das Gewaltpotential war hoch, heißt es. Zwei begehbare Waffenkammern hätten die Ermittler in zwei Wohnhäusern vorgefunden und haufenweise Waffen, darunter auch eine Kalaschnikow, so Andreas Stenger, der Präsident des Landeskriminalamts Baden-Württemberg.

"Sehr überrascht", habe sie das, was sie in den beiden Wohnhäusern entdeckten: Schnellautomatische Waffen, Kriegswaffen, Handfeuerwaffen, Stichwaffen sowie nationalsozialistische Devotionalien wie eine Reichskriegsflagge. "Irre viel" Munition hätten die Ermittler gefunden, zum Beispiel in Munitionsgürteln. Auch eine Cannabis-Plantage sei entdeckt worden. Im Wohnzimmer sei man auf ein aufgestelltes Maschinengewehr gestoßen.

"Ein riesiges Waffenarsenal, ein riesiges Gefahrenpotential, was wir da aufgefunden haben."

Waffen solcher Art hatte der mutmaßliche Schütze in Boxberg-Bobstadt im Haus. Die Originale hat die Polizei zur weiteren Ermittlung sichergestellt (Foto: SWR)
Waffen, Munition und und nationalsozialistische Devotionalien solcher Art hatte der mutmaßliche Schütze in Boxberg-Bobstadt im Haus. Die Originale hat die Polizei zur weiteren Ermittlung sichergestellt. Auf der Pressekonferenz waren Äquivalente zu sehen. Bild in Detailansicht öffnen
In einer gemeinsamen Pressekonferenz informierten die Leiter der Staatsanwaltschaft Mosbach, des Landeskriminalamts Baden-Württemberg sowie des Polizeipräsidiums Heilbronn am Donnerstag über Ermittlungsmaßnahmen im Zusammenhang mit einem Polizeieinsatz in Boxberg. Simon Bendel Bild in Detailansicht öffnen
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Bewaffnete Polizisten des Spezialeinsatzkommandos wollten am Mittwoch ein Haus in Boxberg-Bobstadt durchsuchen. Bild in Detailansicht öffnen
Weil in dem Haus ein Feuer ausgebrochen war und dort Waffen vermutet wurden, mussten sich die Einsatzkräfte zeitweise in sicherer Entfernung aufhalten. Bild in Detailansicht öffnen
Kim Hartmann Bild in Detailansicht öffnen

Details zum SEK-Einsatz

Zudem wurden auch weitere Details zum Ablauf des Einsatzes in Boxberg bekannt. Demnach versuchte das Spezialeinsatzkommando durch den Rollladen in das Haus einzudringen. Daraufhin wurde das Feuer auf die Polizisten eröffnet. Ein SEK-Beamter erlitt dabei Schussverletzungen in beiden Beinen. Die Schusswesten bei zwei weiteren Polizisten verhinderten Schlimmeres, wie Polizeipräsident Hans Becker erklärte.

Pressekonferenz Polizei Heilbronn (Foto: SWR, Simon Bendel)
"Haufenweise Munition" dieser Art habe man bei den Ermittlungen in Boxberg-Bobstadt sichergestellt, so die Ermittler. Simon Bendel

Wohl "Reichsbürger"-Szene zuzuordnen

Sieben Menschen wurden festgenommen, darunter zwei Frauen. Sechs von ihnen wurden vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Der Leitende Oberstaatsanwalt Florian Kienle aus Mosbach gab weiter bekannt, ein Beschuldigter sitze in Untersuchungshaft. Dieser habe sich auch zur Sache geäußert. So habe der Beschuldigte zum Beispiel selbst gesagt, er habe die Kalaschnikow eingesetzt. Das sei aber weiter Gegenstand der Ermittlungen, so das Landeskriminalamt.

Der Mann sei polizeibekannt gewesen, also vorbestraft wegen Gewaltdelikten, und womöglich der sogenannten Reichsbürgerszene zuzuordnen. Es gebe aber keine Hinweise auf eine konkret geplante Tat.

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Innenminister Strobl: "Gefährliche Lage rasch entschärft"

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) bedankte sich bei den Einsatzkräften. "Die Einsatzkräfte und die Einsatz-Verantwortlichen haben gestern in Boxberg-Bobstadt eine gefährliche Lage mit höchster Professionalität rasch und effektiv entschärft", sagte Strobl. Allein die Schüsse auf Polizeibeamte hätten gezeigt, dass es richtig gewesen sei, das SEK einzusetzen. Seine besondere Anerkennung gelte den Beamten, die vor Ort gewesen seien, und insbesondere dem verletzten Beamten, dem er schnelle Genesung wünschte.

Der Mann, der in Untersuchungshaft sitzt, hatte am Mittwoch eine Hausdurchsuchung in Boxberg-Bobstadt verweigert. Es fielen Schüsse. Das Haus des 54-jährigen Mannes sollte wegen illegalen Waffenbesitzes durchsucht werden. Nach dem Schusswechsel geriet das Wohnhaus in Brand. Das mache auch die Ermittlungen schwer, so die Polizei. Das Gebäude sei einsturzgefährdet, noch könne die Brandruine nicht betreten werden. Der Beschuldigte hatte dann per Notruf mit der Polizei verhandelt. Kurze Zeit später wurde er verhaftet. Ein Polizist wurde beim vorangegangenen Schusswechsel verletzt. Er wurde in beide Oberschenkel getroffen.

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