Ein Elektroauto wird mit einem Kabel an einer E-Ladesäule mit der Aufschrift "Co2-frei" aufgeladen.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Elektromobilität

Hohe Spritpreise - Umstieg auf das E-Auto?

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Benzin und Diesel bleiben zu Jahresbeginn teuer. Das könnte E-Autos attraktiver machen – doch Verbraucher sehen noch immer praktische Hürden. Was tut sich in Heilbronn-Franken?

Der teuerste Tankmonat seit Beginn der Aufzeichnungen – das war laut Daten des ADAC der November 2021.

Der wichtigste Treiber war die Entwicklung des Ölpreises. Die sinkenden Corona-Beschränkungen sorgten für steigende Nachfrage, doch das Angebot blieb knapp, weil große Förderländer wie Saudi-Arabien und Russland ihre Produktion nur vorsichtig ausweiteten. So legten die Preise 2021 deutlich zu.

Viele Autofahrer zögern bei E-Mobilität

Wenn der Sprit teuer ist, könnte das E-Auto als Alternative attraktiver werden. Den Umstieg auf E-Mobilität wirklich in die Tat umzusetzen, scheuen Verbraucher zum Teil aber nach wie vor.

Etwa 17 Prozent der Autofahrer – also weniger als jeder fünfte – ziehen einer Umfrage zufolge für den nächsten Autokauf "mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Auto mit vollelektrischem Antrieb in Betracht".

Ladeinfrastruktur ist die größte Sorge

Die Unternehmensberatung AlixPartners hat die Umfrage Ende Oktober veröffentlicht. Die größte Sorge der Befragten beim Kauf eines E-Autos ist die möglicherweise fehlende Ladeinfrastruktur. 45 Prozent gaben dies als Sorge an.

Anders sieht es bei den heutigen E-Auto-Fahrern aus. Ein großer Teil von ihnen könne zuhause oder am Arbeitsplatz laden. 88 Prozent würden wieder ein E-Auto kaufen. Aber 47 Prozent "stören sich vor allem an der Ladedauer".

Ein E-Auto lädt an einer Ladesäule (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Andreas Dunker)
Einer Umfrage zufolge sorgen sich viele Verbraucher vor dem Kauf eines E-Autos um die Ladeinfrastruktur. picture alliance/dpa | Andreas Dunker

Wie viele Ladepunkte gibt es im Land?

Baden-Württemberg belegt bei der Anzahl der Ladepunkte im deutschlandweiten Vergleich derzeit immerhin Platz zwei. Nach Angaben der Bundesnetzagentur gab es Anfang November 2021 bundesweit 49.207 Ladepunkte, die meisten in Bayern, dort waren es 10.147, dann folgte Baden-Württemberg mit 8.190 Punkten.

Im Hinblick auf die Dichte der frei zugänglichen Ladepunkte pro 100.000 Einwohner brachte es der Südwesten zuletzt auf einen Wert von knapp 64. Hier wurde ein Zuwachs um über 40 Prozent auf 7.099 Stück gegenüber dem Frühjahr 2020 verzeichnet, wie der Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) im Sommer 2021 mitteilte.  

Die Lage in kleineren Kommunen

Es finden sich den Daten zufolge jedoch auch zunehmend in kleineren Gemeinden vergleichsweise gute Angebote, so der Verband.

In der Gruppe der „Kleinstädte und Landgemeinden“ unter 20.000 Menschen schnitt demnach im Mai das baden-württembergische Schwieberdingen mit 70 Ladepunkten am besten ab. Es folgten - ebenfalls im Südwesten - Ilsfeld (Kreis Heilbronn) mit dem Wert 52 und Giengen an der Brenz mit dem Wert 40.

Leuchtturmprojekte zu E-Mobilität in Heilbronn-Franken

In Heilbronn-Franken wird in einigen Orten Neues ausprobiert, um die E-Mobilität voranzubringen. In Künzelsau wird zum Beispiel derzeit erforscht, was passiert, wenn viele Haushalte im gleichen Stromnetz gleichzeitig E-Autos laden.

In Schwäbisch Hall ist jüngst ein Parkhaus mit Vorzeigecharakter entstanden. 100 Ladestationen für elektrische Fahrzeuge gibt es im Parkhaus Langer Graben. Die Ladesäulen werden mit künstlicher Intelligenz gesteuert. Zusammen mit der Stuttgarter Hochschule für Technik werden die Ladeprozesse überwacht und sollen später optimiert werden. Ziel sei es Stromspitzen zu vermeiden, die das Netz überlasten können, so die Stadtwerke.

Knackpunkt: Ladevorgang häufig kompliziert

Alles bereit also für den Umstieg auf das E-Auto? Insgesamt ergibt sich eine gemischte Bilanz. Ein Knackpunkt ist häufig noch der Ladevorgang selbst, der durch viele unterschiedliche Apps, Ladekarten und Preise kompliziert werden kann.

Bisher herrsche noch ein Tarifdschungel, sagte zum Beispiel Thorsten Storck, Energieexperte beim Vergleichsportal Verivox der deutschen Presseagentur. "Es gibt unzählige Kombinationen von Preisen pro Kilowattstunde, pro Ladevorgang, pro Minute, Grundgebühren, Roaming-Gebühren und Extra-Gebühren für schnelles Aufladen." Hinzu komme eine Vielzahl von Ladekarten und Apps, die nur an bestimmten Ladesäulen funktionierten.

Neue Ladesäulenverordnung: Änderungen ab 2023

Auch der baden-württembergische Verbraucherminister Peter Hauk (CDU) hat sich vergangenes Jahr für mehr  Vergleichbarkeit bei den Preisen eingesetzt. Eine neue Ladesäulenverordnung hat zum Ziel, dass zumindest das Bezahlsystem einheitlicher wird. Betreiber müssen künftig mindestens eine kontaktlose Zahlung mit gängiger Debit- und Kreditkarte anbieten.

Die Regelung gilt für alle Ladesäulen, die ab dem 1. Juli 2023 in Betrieb genommen werden, schon betriebene Ladesäulen müssen nicht nachgerüstet werden. Auch Menschen ohne Smartphone sollten jederzeit an den Säulen Strom laden und bezahlen können, hatte das Wirtschaftsministerium argumentiert.



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