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Im größten Drogenprozess in der Geschichte des Heilbronner Landgerichts haben die Verteidiger einen größeren Saal gefordert. Am Donnerstag hat das Gericht entschieden: Es bleibt wie es ist.

Mehr als 50 Beteiligte waren zum Prozessauftakt dabei. Fast der ganze große Strafkammersaal war ausgefüllt mit den Plätzen für die Angeklagten, ihre Verteidiger, Zeugen, Sachverständige und Richter, dazu Sicherheitspersonal der Justiz. Ein größerer Saal muss her, das forderten die Verteidiger. Doch dieser Bitte ist das Gericht nicht nachgekommen.

Corona: Verfahren wird nicht ausgesetzt

Auch den Antrag der Verteidiger, das Verfahren wegen einer hohen Infektionsgefahr mit Corona auszusetzen, lehnte der Richter ab. Mehr als 50 Personen in einem Raum von 120 Quadratmeter Fläche - was im Einzelhandel unmöglich wäre - hält das Gericht für verhältnismäßig.

Dabei beruft es sich auf ein rechtsmedizinisches Gutachten, das für die Verhandlung grünes Licht gegeben hatte. Die neuen Luftreinigungs- und Filteranlagen sollen das Infektionsrisiko ebenso senken wie die CO2-Messgeräte. Außerdem wurden zwischen den Beteiligten Plexiglasscheiben angebracht. Es sei deshalb auch nicht notwendig, den Mindestabstand von 1,50 Meter durchgehend einzuhalten, so das Gericht weiter. Es werte das Interesse des Staates an der Strafverfolgung höher als die mögliche Infektionsgefahr.

Verteidiger befürchten Gesundheitsgefährdung

Zu viele Menschen, um die Abstände einhalten zu können, sagen die Verteidiger. Die Gesundheit aller Prozessbeteiligten sei in Corona-Zeiten durch die Enge gefährdet. Zwar bietet das Gericht Masken an, hat eine Luftfilteranlage aufgestellt und ein Gutachten vorgelegt, wonach alles Corona-konform sein soll. Doch gerade dieses Gutachten zweifeln die Anwälte an: Ein Rechtsmediziner habe es erstellt und kein Virologe. Die Verteidiger zweifeln das Gutachten erneut an.

Und so geht der Prozess jetzt weiter: Die Angeklagten werden befragt. Teilweise wollen sie zur Person aussagen, also aus ihrem Leben berichten. Zur Sache äußert sich vorerst niemand.

Mit mehreren Tonnen Drogen gehandelt

Vor Gericht stehen sieben Männer und eine Frau. Die Bande soll im Raum Heilbronn von Oktober 2018 bis Juli 2020 unter anderem mit rund 2,6 Tonnen Marihuana und 30 Kilogramm Kokain gehandelt haben. Dabei soll der Hauptangeklagte als Kopf der Bande agiert und die anderen sieben Mitangeklagten die Drogen an Zwischenhändler im Raum Stuttgart, Heilbronn und Karlsruhe verkauft haben. Dazu kommt illegaler Waffenbesitz und versuchter Totschlag bei einem missglückten Deal.

Viele Waffen gefunden

Bei den Geschäften sollen auch Waffen wie Messer, Baseballschläger, Revolver und eine Maschinenpistole bereitgehalten worden sein, wobei in einem Fall ein Angeklagter auch drei Schüsse auf einen Abnehmer abgegeben haben soll, der jedoch unverletzt blieb.

Der Gesamtumsatz der Drogengeschäfte wurde von der Polizei auf rund 12 Millionen Euro geschätzt. Bei der Festnahme der Bande sprach die Heilbronner Polizei von ihrem bisher größten Schlag gegen die internationale Drogenkriminalität. Bis Ende Oktober sind über 40 Verhandlungstage angesetzt.

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