STAND

Im Mordprozess von Rot am See ist der Angeklagte am Mittwoch zusammengebrochen. Er kam in ärztliche Behandlung. Am dritten Prozesstag wurden vor dem Landgericht in Ellwangen unter anderem Bilder vom Tatort gezeigt.

Der Zusammenbruch kam während einer Sitzungspause. Laut Beobachtern hatte der 27-jährige Angeklagte hyperventiliert und einen Weinkrampf bekommen.

Angeklagter habe "sein Leben abgeschlossen"

Er wurde mit einem Rettungswagen weggebracht, der Gefangenentransport fuhr hinterher. Das Gericht geht davon aus, in der kommenden Woche das Verfahren wie geplant fortsetzen zu können.

Wiederholt hatte der 27-Jährige angegeben, mit der Tat sei sein Leben abgeschlossen. Am Mittwoch, als Bilder vom Tatort gezeigt wurden, hatte er erstmals während des Prozesses Emotionen gezeigt.

Am dritten Prozesstag stand der Tattag im Mittelpunkt und zwar von dem Zeitpunkt, als der Angeklagte sich über den Polizeinotruf meldete.

Das Gericht hat im Beisein des zuständigen Notrufbeamten den aufgezeichneten Anruf angehört, der unmittelbar nach der Tat bei der Polizei anrief.

"Ich habe blutrünstige Monster erschossen"

Sehr schwer atmend meldete sich der 27-jährige Angeklagte mit den Worten: "Ich habe blutrünstige Monster erschossen, die liegen in der Wohnung und draußen".

Der Beamte vom Telefonnotruf erklärte: "Das war das heftigste Telefonat meines Lebens". Es gelang ihm am Mittag dieses 24. Januar, den mutmaßlichen Täter in ein Gespräch zu verwickeln, so dass ihn eine Streife festnehmen konnte.

Angeklagter zeigte sich betroffen

Als der Telefonanruf vorgespielt wurde, saß der Angeklagte mit tief gesenktem Kopf  an seinem Tisch. Als dann ein Video zu sehen war, das die Aufzeichnung der Body-Cam eines Beamten zeigte, wie er am Tatort ankommt und in der Küche die Leiche der Mutter findet und später seine Kollegen und die Rettungskräfte nach und nach weitere Leichen entdecken, schluchzte der Angeklagte tief auf, hatte Tränen in den Augen - schaute sich aber die furchtbaren Bilder seiner Opfer nicht an. Es hatte den Anschein, als sei er betroffen von dem, was er getan hat.

Bekräftigt Tatmotiv: Mutter wollte ihn angeblich vergiften

Auch das Tatmotiv des Angeklagten kam am Mittwoch nochmals zur Sprache. Der Angeklagte ließ von seinem Verteidiger weitere Zeugenvernehmungen beantragen: Ärzte, die nach einem Krankenhausaufenthalt bezeugen könnten, dass in seinem Blut Substanzen gefunden wurden, die seine Mutter ihm angeblich ins Essen gemischt habe. Das Gericht wird in der kommenden Woche diese Zeugen anhören.

Am Nachmittag des dritten Verhandlungstages wurde das Video von der ersten Vernehmung des Angeklagten eingespielt, am Abend nach der Tat. Dabei wirkte der Mann zwar aufgewühlt aber dennoch klar und strukturiert. Doch so ganz schien ihm das Ausmaß der Tat nicht bewusst. Seine Mutter wollte er erschießen, nach - wie er sagte - 20-jähriger Kindesmisshandlung. Den Vater, weil er der Mutter hörig gewesen sei. Seine Halbschwester, weil sie nichts gegen die Misshandlungen unternommen habe.

Bisher keine Beweise für angebliche Misshandlung

Für die angeblichen Misshandlungen gibt es in der Verhandlung bisher keine Bestätigung. Wer sonst noch umkam, war ihm zunächst nicht bewusst, sagte der Beamte aus, der den Angeklagten in dem Video vernommen hatte. Der Bruder, der Onkel, die Tante waren ihm "in den Weg gekommen". Mit dem letzten Schuss, so der 27-Jährige am Mittwoch, habe er seine Mutter getötet. Danach habe er seine Neffen entdeckt, doch sie habe er gehen lassen, weil die Tat vollbracht war.

Mögliches Erbe soll an Neffen des Angeklagten gehen

Der Angeklagte ließ erklären, dass ein mögliches Erbe seiner toten Eltern den Hinterbliebenen zukommen soll – vor allem seinen beiden Neffen, die er als einzige am Leben ließ. Darüber solle ein Vertrag gemacht werden.

Unerträglich fand einer der Nebenkläger, dass der Angeklagte über ein Erbe verfügen wolle, das nur deshalb anfalle, weil er seine Eltern umgebracht habe.

Zum Prozessauftakt am Montag vor dem Landgericht Ellwangen hatte der Angeklagte gestanden. Ihm wird vorgeworfen, im vergangenen Januar seine Eltern, Halbgeschwister, Tante und Onkel erschossen zu haben. Teilweise habe er dies bereut.

Gericht in Ellwangen verhandelt Fortsetzung im Mordprozess von Rot am See: Freundin der Schwester kommt zu Wort

Im Prozess gegen den mutmaßlichen sechsfachen Mörder von Rot am See (Kreis Schwäbisch Hall), hat am Dienstagvormittag die beste Freundin der getöteten Schwester des Angeklagten ausgesagt.  mehr...

Landgericht in Ellwangen verhandelt Prozess um Sechsfachmord in Rot am See: Angeklagter gesteht

Ein Mann soll in Rot am See sechs Familienangehörige gezielt erschossen, zwei weitere teils schwer verletzt haben. Im Mordprozess am Landgericht Ellwangen hat der Angeklagte sich zur Tat und den Hintergründen geäußert.  mehr...

STAND
AUTOR/IN