Pkws auf der Straße Nahaufnahme mit Abgasfahne (Foto: SWR, Jürgen Härpfer)

E-Fuels sorgen weiterhin für Zündstoff

Bundesregierung und EU-Umweltminister unterstützen Aus für Verbrenner-Motoren

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Die Regierungskoalition und die EU-Umweltminister haben sich für ein Verbot von Verbrenner-Motoren ausgesprochen. E-Fuels sind weiterhin umstritten – auch in Heilbronn-Franken.

Bei der Herstellung der synthetischen Kraftstoffe kommt Strom zum Einsatz. Und zwar grüner Strom aus Sonnen- und Windenergie. Er wird genutzt, um in einem mehrstufigen Verfahren Wasserstoff und letztlich E-Fuels herzustellen. Die FDP fordert eine Ausnahme für diese E-Fuels - was nach den Entschlüssen in Berlin und Brüssel möglich scheint. Die EU-Kommission entscheidet zuletzt.

Eine E-Fuel-Ausnahme begrüßte die Bundesregierung am Dienstag, diese gelten als CO²-neutral. Die Bundesregierung hat sich insgesamt entschieden, das EU-weite Verbrennerverbot ab dem Jahr 2035 zu unterstützen - als "Beitrag auf dem Weg zu einer klimaneutralen Mobilität", teilte ein Sprecher der Regierung mit. Jetzt liegt der Ball bei den zuständigen EU-Ministerinnen und Ministern.

Ab 2035 nur noch klimaneutrale Autos

Und die haben sich am Mittwoch entschieden: Ab dem Jahr 2035 sollen nur noch Neuwagen zugelassen werden, die kein CO² ausstoßen, also klimaneutral sind. Damit einigten sich die 27 Umweltministerinnen und -minister der EU auf das Aus für Diesel- und Benzin-Motoren. Für E-Fuels gibt es eine Hintertür.

Ein finaler Kompromiss muss nun mit dem EU-Parlament ausgehandelt werden, das ein komplettes Aus für neue Autos mit Verbrennungsmotor ab 2035 will, berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa). Die EU-Staaten sprachen sich dafür aus, die "Flottengrenzwerte" für Autos bis 2035 auf null zu senken.

Kritik kommt aus Öhringen

Kritik kommt vom Geschäftsführer des Mineralölhändlers und Tankstellenbetreibers Energie Direkt Hohenlohe (Edi), Roland Weissert aus Öhringen. Ein mögliches Aus für Verbrennermotoren halte er für falsch. Europa sollte sich nicht einseitig auf eine Strategie festlegen

Roland Weissert (EDi) (Foto: SWR)
Roland Weissert im Interview mit dem SWR (Archiv)

"Ich plädiere für Technologieoffenheit."

Es gebe ja außer Elektrifizierung noch die Strategie Wasserstoff und auch E-Fuels.

Kritik an E-Fuels vom BUND

Kritiker von E-Fuels sagen aber, der grüne Sprit sei ineffizient und daher nicht grün genug. E-Fuels seien keine gute Lösung, meint zum Beispiel Gottfried May-Stürmer vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Heilbronn. Da sie energiewirtschaftlich einfach schlechter seien. Schon um den regenerativen Wasserstoff zu produzieren, sei der Wirkungsgrad relativ schlecht. Und wenn man daraus dann noch E-Fuels mache, müsse noch mehr Energie reingesteckt werden.

"Mit E-Fuels braucht man mindestens dreimal so viel Windräder oder Solaranlagen für dieselbe Fahrleistung wie beim batterieelektrischen Antrieb."

Bei Audi steht Plan für Ausstieg

Der Autobauer Audi hat noch einmal betont, was schon länger bekannt ist: Der Plan für den Ausstieg aus der Verbrenner-Technologie stehe. Ab 2026 werde Audi nur noch rein-elektrische Modelle neu auf den Markt bringen, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. "Wichtig ist, dass die ambitionierten politischen Ziele auch durch entsprechende regulative Maßnahmen in allen Mitgliedstaaten unterlegt werden. Dazu gehören unter anderem eine beschleunigte Energiewende, ein viel schnellerer Ausbau der Ladeinfrastruktur und eine ausreichende Versorgung mit Batteriezellen."

Weitere Elektromodelle gefordert

Der Audi Betriebsrat in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) hat erst vor kurzem noch einmal weitere Elektromodelle für den Standort gefordert. Bisher ist nur bekannt: Die Nachfolgegeneration des A6 E-Tron soll ab 2031 in Neckarsulm gefertigt werden. Am Heilbronner Standort Böllinger Höfe wird bereits der Audi-Elektrosportwagen E-Tron GT gebaut.

"Der Standort verfolgt daher für die weitere Elektrifizierung einen klaren Plan: Ab Mitte des Jahrzehnts werden auch in Neckarsulm sukzessive rein elektrische Modelle angesiedelt werden."

Neckarsulm befinde sich als Verbrennerstandort gerade mitten in der Transformation, betonte der dortige Betriebsratsvorsitzende Rainer Schirmer.

"Dabei müssen wir die gesamte Belegschaft mit in die Elektrowelt nehmen. Das gelingt nur mit einer umfassenden Qualifizierungsoffensive."

Tankstellen befürchten Schwierigkeiten

Sollte das Aus für Neuwagen mit Verbrennermotoren tatsächlich kommen – dann befürchtet Edi-Geschäftsführer Roland Weissert Schwierigkeiten für Tankstellen. Mittelfristig werde es keine Investitionen mehr geben. Und ein Umstellen auf Ladesäulen werde oft nicht so einfach gehen. Denn Ladesäulen müssten dort stehen, wo es ein attraktives Angebot für die Fahrer gebe, wie zum Beispiel ein Kaffee - weil die Fahrzeuge länger stünden.

"Ich glaube, eins zu eins werden Tankstellen nicht auf Ladesäulen umstellen können, oder nur ein kleiner Teil davon."

Roland Weissert sieht die Existenz von Tankstellen mittelfristig in Gefahr.

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