Pflegebetten im Diakoneo in Schwäbisch Hall (Foto: SWR)

Diak Klinikum in Schwäbisch Hall verzeichnet mehr Corona-Patienten

Corona-Sommerwelle in Kliniken spürbar - Krankenhäusern fehlt weiter Personal

STAND

Aktuell tagen Deutschlands Gesundheitsminister - Schwerpunkt des Treffens ist die Corona-Pandemie. Auch im Diak Diakoneo-Klinikum Schwäbisch Hall gewinnt Corona wieder an Relevanz.

Die steigenden Inzidenzen der Region Heilbronn-Franken schlagen sich auch in den Krankenhäusern nieder: Die Zahl der wegen COVID-19 aufzunehmenden Personen im Diak Diakoneo-Klinikum in Schwäbisch Hall erhöht sich wieder, berichtet Professor Markus Menges, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Diak, im Gespräch mit dem SWR Studio Heilbronn.

"Aber es ist immer noch auf den Kreis der Hochbetagten begrenzt. Jüngere Patienten auf Intensivstationen habe ich schon lange keine mehr gesehen."

Selten seien die Menschen unter 70 Jahren alt. Und ob die Patientinnen und Patienten tatsächlich wegen Corona kommen, sei häufig nicht zwanglos rekonstruierbar, so Menges. Oft hätten die Leute andere, chronische Krankheiten - wenn dann noch COVID-19 hinzukomme, breche das labile Gleichgewicht im Körper zusammen, erklärt Menges. Jüngere Menschen könnten da besser gegenhalten und müssten daher seltener ins Krankenhaus.

Betten wegen Personalmangel gesperrt - "Betten-Managerinnen" eingestellt

"Für uns ist das mit Abstand größte Problem der anhaltenden Covid-Pandemie der Ausfall der Pflegekräfte", so Menges. Wegen der vielen Ausfälle, unter anderem wegen Corona-Quarantäne oder auch Long-Covid-Fällen, musste bereits ein beträchtlicher Anteil der Betten im Diakoneo gesperrt werden. Momentan etwa ein Fünftel der Betten des Diak Diakoneo-Klinikums, berichtet Menges.

"Mit der Krankheit werden wir gut fertig - die Pflegekräfte können wir uns aber nicht backen."

Tag für Tag gebe es einen Kampf, wie man die neu aufzunehmenden Patienten unterbringen könne. Es wurden sogar extra "Betten-Managerinnen" dafür eingestellt.

Krankenzimmer mit vier unbelegten Betten im Krankenhaus Diak Diakoneo Schwäbisch Hall. (Foto: SWR)
Im Diak Schwäbisch Hall sind ein Fünftel der Krankenhausbetten derzeit gesperrt.

Durch die gesperrten Betten ergeben sich für das Diakoneo weniger Erlöse, sagt der Arzt. Er spricht von einer "Spirale" und fordert finanzielle Unterstützung von der Regierung, "damit man nicht zu sehr in die roten Zahlen rutscht."

Bis zu 15 Prozent der Pflegekräfte haben seit Corona Beruf gewechselt

Mindestens zehn, eher 15 Prozent der Pflegekräfte hätten dem Beruf im Rahmen der ersten und zweiten Corona-Welle den Rücken gekehrt, so Menges. Sie seien nicht mehr zurückgekehrt. Das verschärfe das Problem zusätzlich. Diejenigen Pflegekräfte, die da sind, werden "über Gebühr belastet".

Krankenhaus Diakoneo in Schwäbisch Hall (Foto: SWR)
Diak Diakoneo-Klinikum in Schwäbisch Hall

Bringt die Impfung bei neuen Corona-Varianten noch was?

Eine neue Corona-Welle im Herbst wird von Experten längst vorausgesagt. Dabei kommt immer wieder die Frage auf, ob die Impfung bei den neuen Corona-Varianten überhaupt noch etwas bringt. Denn die bisherigen Impfungen sind auf nicht mehr verbreitete Corona-Varianten spezialisiert. Dazu gebe es jedoch gute Daten, so Menges und verweist auf Studien aus England und Schweden.

Demnach gebe es unter den Infektiologen "überhaupt keine Zweifel, dass insbesondere die Boosterung, Geimpfte vor schweren oder gar tödlichen Verläufen schützt." Anstecken könne man sich aber trotz Impfung. Die COVID-19-Infektion falle zwar leichter aus, vor allem bei Älteren, sie habe aber dennoch unter Umständen so schwere Auswirkungen, dass die Patientinnen und Patienten dennoch ins Krankenhaus geschickt werden.

"Man kann sagen: Ja, die Impfung nützt auch bei den augenblicklich vorherrschenden Varianten."

An einem an Omikron angepassten Impfstoff wird gearbeitet. Der Impfstoffhersteller Moderna hat bereits Daten veröffentlicht und hofft auf eine baldige Zulassung noch vor dem Herbst.

Maske als zuverlässige Schutzmaßnahme

Menges sieht die Maske als eindeutig beste der nicht-medizinischen Maßnahmen, da die Maske nur durchlässig für die Luft, nicht aber für kleine Partikel ist. So biete sie bei richtigem Sitz einen guten Schutz und sollte in Supermarkt und Co. weiter getragen werden, um sich und andere zu schützen, so die Empfehlung des Chefarztes.

Baden-Württemberg

BW-Landesregierung formuliert klare Ziele Treffen der Gesundheitsminister: Wie geht es mit der Bekämpfung der Corona-Pandemie weiter?

Seit Mittwochnachmittag diskutieren Bund und Länder auf der Gesundheitsministerkonferenz das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie. Aus Baden-Württemberg kamen vorab eindeutige Signale.  mehr...

Guten Morgen Baden-Württemberg SWR1 Baden-Württemberg

Baden-Württemberg

Maskenpflicht und Ausgangssperren Kretschmann fordert: Bund soll Corona-Maßnahmen für Herbst ermöglichen

Baden-Württemberg fordert von der Bundesregierung schnelle Vorkehrungen für eine neue Corona-Welle im Herbst. Ministerpräsident Kretschmann erwähnt auch Ausgangssperren.  mehr...

SWR1 Baden-Württemberg SWR1 Baden-Württemberg

Baden-Württemberg

Das Coronavirus und die Folgen für das Land Live-Blog zum Coronavirus in BW: Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf über 550

Corona-Regeln, Zahlen und Impfungen: Die wichtigsten Entwicklungen rund um das Coronavirus in Baden-Württemberg hier im Live-Blog.  mehr...

STAND
AUTOR/IN