Demonstranten bei der Anti-AKW-Demo (Foto: SWR)

Hunderte Teilnehmer in Neckarwestheim

Anti-Atom-Demo: "Wir wollen die weitere Energiewende jetzt!"

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In Neckarwestheim (Kreis Heilbronn) haben am Sonntag zahlreiche Atomkraftgegner demonstriert. Die Polizei spricht von 300 Teilnehmern, die Veranstalter von 500.

Die Demonstranten forderten eine sofortige Abschaltung des Meilers Neckarwestheim 2. Zum zweiten Mal nach 2010 werde ein vereinbarter Atomausstieg mit Laufzeitverlängerungen gekippt. Dadurch stehe jetzt die Tür für weitere Verlängerungen offen.

Die drei deutschen Atomkraftwerke Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland sollen nach dem Willen der rot-grün-gelben Bundesregierung bis Mitte April 2023 weiterbetrieben werden. Grund ist die Energiekrise.

Deutschland habe kein Strom-, sondern ein selbst verschuldetes Wärme- und Gasproblem, so die Atomkraftgegner in Neckarwestheim. Ein Weiterbetrieb der drei deutschen Atomkraftwerke helfe deshalb dabei nicht, so das Bündnis Neckarwestheimer Anti-Atom-Initiativen.

"Wir wollen keine Laufzeitverlängerungen, wir wollen die weitere rasche Energiewende."

Aktionsbündnis sieht großes Sicherheitsrisiko

Die Atomkraftgegner lehnen den angekündigten Streckbetrieb von Neckarwestheim II auch aus Sicherheitsgründen ab. Das Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim hält die Anlage für viel zu gefährlich.

Demonstranten fordern ein AKW-Aus (Foto: SWR)
Mit Transparenten machten die Demonstranten auf ihre Forderungen aufmerksam.

"Sie haben hier in Neckarwestheim das Problem mit der Korrosion in den Dampferzeugern. Und das halten wir für sehr gravierend. Denn wenn eines der Dampfrohre unkontrolliert bricht, besteht wirklich die Gefahr durch die austretende Radioaktivität, dass es zu einem schweren Störfall kommt", so der Bündnis-Sprecher vor wenigen Wochen gegenüber dem SWR.

Atomaufsicht sieht Sicherheit für Neckarwestheim gegeben

Bei einem digitalen Infoforum "Nukleare Sicherheit und Strahlenschutz" Ende Oktober sagte Thomas Wildermann von der Atomaufsicht des Landes, die Sicherheit im Kernkraftwerk Neckarwestheim 2 sei nach wie vor gegeben.

Gegen einen Weiterbetrieb bis 15. April gebe es keine Bedenken. Zu Jahresbeginn 2023 werde das Kernkraftwerk runter- und dann nach einer Art Revision wieder auf rund 70 Prozent Leistung hochgefahren.

Angesprochen auf mögliche größere Schäden betonte er, dass diese höchst unwahrscheinlich seien und es mehrere Absicherungen gebe. Dem stimmte auch Jörg Michels zu, der Geschäftsführer des Kraftwerksbetreibers der EnBW Kernkraft GmbH.

"Wir schauen bei der Sicherheit genau drauf", sagte beim Infoforum Umwelt-Staatssekretär Andre Baumann (Grüne). Er stellte klar, dass keine neuen Brennstäbe angeschafft werden. Am 15. April solle endgültig Schluss sein mit der nun durch die Energiekrise noch notwendigen Atomkraft.

Demo-Start in Kirchheim 

Die Atomkraftgegner hatten sich am Sonntagmittag am Bahnhof in Kirchheim am Neckar (Kreis Ludwigsburg) getroffen und waren dann zusammen in Richtung Neckarwestheimer Atomanlage gegangen.

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