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Trotz Kritik an der Luca-App will auch der Main-Tauber-Kreis - wie das Land - an der Technik zur Kontaktverfolgung festhalten. Der Main-Tauber-Kreis will sie als Modellregion testen.

Kontaktnachverfolgung ist in Corona-Zeiten ein wichtiger Bestandteil, das Virus einzudämmen. Dabei soll die Luca-App helfen, die zuletzt stark in die Kritik geraten war. Denn trotz des Gegendwinds hält das Sozialministerium an der App fest, empfiehlt sie und will sie landesweit einsetzen. Die App soll die Zettelwirtschaft bei Restaurant-Besuchen und anderen Events ersetzen und den Gesundheitsämtern die Arbeit erleichtern.

"Keine Bauchschmerzen" bei Nutzung der Luca-App

Der Main-Tauber-Kreis hatte bereits angekündigt, die Luca-App als Modellregion testen zu wollen - und Nägel mit Köpfen gemacht: Die Verträge mit dem Berliner Start-up sind unterzeichnet, die Vorbereitungen laufen.

"Das Thema Datenschutz bereitet mir da keine Bauchschmerzen", sagt der Erste Landesbeamte im Main-Tauber-Kreis Christoph Schauder (CDU). Schauder ist zugleich Leiter des Krisenstabs Corona im Landratsamt und setzt sich für die Luca-App ein. Die Nutzung der Luca-App sei absolut freiwillig, ohne Zwang. Zudem könne jeder positiv-getestete Bürger selbst entscheiden, ob er die Daten mit dem Gesundheitsamt teilt oder nicht. Von dem Test verspricht sich Schauder, dass das Gesundheitsamt schneller Kontakte nachverfolgen kann. Denn momentan sei nicht die Zeit, über Lockerungsschritte nachzudenken.

"Die Pandemie wird uns noch viele Monate in Atem halten. Aber wir müssen unseren Gastronomen und Einzelhändlern eine kluge Öffnungsperspektive bieten."

Christoph Schauder, Erster Landesbeamte im Main-Tauber-Kreis

Dafür kann die Luca-App ein intelligenter Baustein sein, sagt Schauder.

Luca-App einem "Stresstest" unterziehen

Die aktuelle Lockdown-Phase sei hervorragend dafür geeignet, die App zu testen - und das wolle man jetzt auch machen. "Wir werden das System einen Stresstest unterziehen". Das will der Kreis gemeinsam mit der großen Kreisstadt Tauberbischofsheim und einem hiesigen Möbelhaus in Angriff nehmen. Funktionert das, werde es auf den ganzen Kreis ausgerollt werden.

Kritik an Luca-App

Der Chaos Computer Club bemängelte an der Luca-App unter anderem, dass Daten im Gegensatz zur anonymen Corona-Warn-App des Bundes zentral gespeichert werden. Dies wecke Begehrlichkeiten bei Strafverfolgungsbehörden und Geheimdiensten. Die Vereinigung forderte zudem, kein Steuergeld mehr für die Luca-App auszugeben. Es gebe eine nicht abreißende Serie von Sicherheitsproblemen, so ein Sprecher. Nach Recherchen des Portals netzpolitik.org sind bisher 20 Millionen Euro an Steuergeld geflossen. Auch ZDF-Moderator Jan Böhmermann führte vor, wie manipulationsanfällig die App sei, weil sie nicht überprüft, ob die Nutzer beim Einchecken tatsächlich vor Ort sind.

Der Nutzer scannt über die Luca-App vor Ort einen QR-Code ab. Da sind die Gastronomen, Einzelhändler und Veranstalter gefragt, sagt Schauder. Die sogenannten QR-Codes dürften eben nicht in Fußgängerzonen zugänglich sein, sondern müssten von den jeweiligen Veranstaltern zur Verfügung gestellt werden. So sei es wichtig, in größeren Betrieben eben einzelne Abteilungen in den Fokus zu nehmen: "Es muss unter allen Umständen vermieden werden, dass das Gesundheitsamt mit einer Fülle von irrelevanten Daten geflutet wird."

Sozialministerium empfiehlt App für Baden-Württemberg

Mehrere Bundesländer setzen trotz Kritik auf die App, so auch Baden-Württemberg. Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) hatte Ende März verkündet, Lizenzen für den flächendeckenden Einsatz beschafft zu haben. Trotz der Kritik an der Luca-App empfiehlt das Sozialministerium den Menschen in Baden-Württemberg weiterhin, die Technik zur Kontaktverfolgung bei Corona-Infektionen zu nutzen.

Wichtig sei für das Land vor allem, dass die Nutzung der App auf allen gängigen Smartphones möglich und für alle Bürgerinnen und Bürger sowie die teilnehmenden Betriebe kostenlos sei.

Zudem gibt es Schlüsselanhänger, für Menschen, die die Luca-App nicht auf einem Smartphone nutzen wollen. Auch diese Anhänger sind wegen des Datenschutzes stark kritisiert worden. Im Main-Tauber-Kreis wird dieses Hilfsmittel zur Kontaktnachverfolgung während der Erprobungsphase erst einmal hinten angestellt, sagt Schauder.

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