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Familien müssen in der Corona-Pandemie vieles stemmen: Homeschooling, Homeoffice und Freizeitbeschäftigung der Kinder. Gerade berufstätige Mütter sind oft am Ende mit ihren Kräften.

Ein zweijähriges Kind spielt im Wohnzimmer, während seine Mutter Zuhause im Homeoffice an einem Laptop arbeitet. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)
Homeoffice, Kinderbetreuung - nicht leicht für Familien, alles in Corona-Zeiten unter einen Hut zu bringen picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Die Corona-Pandemie ist für jeden eine große Herausforderung. Da kann einem schon einmal alles zu viel werden, erzählt Jasmin Lang, Beraterin bei der Kontaktstelle Frau und Beruf Heilbronn-Franken. Doch oftmals sind es Frauen, die auch beruflich zurückstecken. Denn eins ist klar, es gilt in diesen schwierigen Zeiten, Prioritäten zu setzen - und das sei dann oft nicht unbedingt der Job. Die Kinder konnten im zurückliegenden Corona-Jahr zeitweise nicht in die Kita oder die Schule - und wenn doch, dann war Flexibilität gefragt, von heute auf morgen konnte sich schließlich alles ändern. Ist der Partner daheim, macht womöglich Homeoffice, wird es schon einmal eng. Und auch die Pflege Angehöriger bis hin zum Besuch im Heim musste neu geregelt werden.

Frauen arbeiten oft in Teilzeit - Mehrfachbelastung zehrt an Kräften

Dabei ist jedes Schicksal, jedes Problem, mit dem die Frauen sich an die Kontaktstelle wenden, individuell zu betrachten, sagt Beraterin Jasmin Lang. Drohender Arbeitsplatzverlust, Kurzarbeit, das gab es schon vor Corona. Nun aber kämen noch all die anderen Hürden hinzu, die die Pandemie so mit sich bringen. Der "Mental Load" würde gerade sehr schwer auf den Schultern der Frauen lasten, heißt: die Mehrfachbelastungen mit Job, Familie und Alltag unter einen Hut zu bringen, dabei aber sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren.

Man merkt, dass die Pandemie schwer an den Kräften zehrt, sagt Lang. Sie kennt die Schwierigkeiten.

Zudem ersetzen die Frauen derzeit auch häufig noch den Lehrer oder die Lehrerein zu Hause. Sie sollen dem eigenen Nachwuchs, möglichst kompetent und geduldig, Wissen vermitteln. Es sei langsam eine Schmerzgrenze erreicht. Zwar kommen die Frauen nicht explizit deswegen in die Kontaktstelle Frau und Beruf Heilbronn-Franken, dennoch spielen diese Komponenten dann doch eine große Rolle, sagt Lang.

"Es ist so oder so eine Mehrfachbelastung bei den Frauen, die häufig in Teilzeit arbeiten und die Familie organisieren müssen."

Jasmin Lang, Beratungsstelle Frau und Beruf Heilbronn-Franken

Männer und Frauen leiden unter Corona-Pandemie

Ob es die Frauen schwerer haben als die Männer in dieser Corona-Pandemie? So pauschal will Lang das gar nicht beantworten. Auch die Männer leiden in dieser Krise und stecken zurück, sagt sie, und sie lernen gerade täglich dazu, wie auch die Frauen. Männer allerdings hätten wohl das "Talent", mehr zu filtern und manchen Dingen einfach weniger Beachtung zu schenken. 

"Ich glaube, derzeit herrscht viel Gesprächsbedarf in den Familien. Ich glaube auch, dass die Männer wirklich bereit dazu sind, aber es braucht jemanden, der sie daran erinnert."

Jasmin Lang, Beratungsstelle Frau und Beruf Heilbronn-Franken

Die berufliche Selbstverwirklichung von Frauen, der durchgeplante Wiedereinstieg in den Beruf, zum Beispiel nach der Elternzeit werde, verschoben. Vor allem die Zeit fehle. Jobangebote gebe es ebenfalls nicht so viele. Andererseits komme auch Druck von außen, denn die finanzielle Situation sei gerade schwierig. Einige Frauen tendieren dazu, sich selbstständig zu machen. Auch dabei steht die Kontaktstelle den Frauen beratend zur Seite, sagt Lang.

Eine größere Nachfrage nach Terminen verzeichnet die Beratungsstelle derzeit nicht. Das liegt aber nicht am fehlenden gestiegenen Bedarf, schätzt Lang, sondern an der Hemmschwelle: Es sei einfacher, ein Beratungsgespräch wahrzunehmen, das von Angesicht zu Angesicht ist. Wegen Corona ist das derzeit nur Online oder per Telefon möglich, das hält manche Frau ab, so Lang.

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