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Auf der Grünen Woche ist im Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau am Mittwoch das Bio-Projekt Bruderkalb-Initiative Hohenlohe ausgezeichnet worden. Vier Höfe sorgen dabei für mehr Tierwohl.

Täglich schaut die Landwirtsfamilie Herz nach ihren rund 50 Milchkühen auf dem Biolandhof bei Forchtenberg-Muthof (Hohenlohekreis). Er ist Teil der Bruderkalb-Initiative Hohenlohe. Mit dem Projekt wollen die vier landwirtschaftlichen Demeter- und Bioland-Betriebe, die die Initiative gegründet haben, für mehr Tierwohl sorgen und versprechen sich bessere Vermarktungsmöglichkeiten.

Preisträger Bruderkalb-Initiative 2021 (Foto: SWR)

Den Tieren soll es bei der Bruderkalb-Initiative Hohenlohe besser gehen. Mindestens drei Monate lang bleiben die Kühe bei der Mutter oder einer Amme. Auf dem Hof der Familie Herz sind es durchschnittlich vier Monate. Die Tiere bekommen ihre Milch frisch vom Euter. Heißt: keine direkte Trennung nach der Geburt, auch nicht für die kleinen Bullen, die sonst meist schnell zur Mast wandern. Hofherrin Sabine Herz hat sich mit ihrer Familie bewusst für das Bio-Projekt entschieden.

"Man sieht, dass das Kalb einfach glücklich ist bei seiner Mutter. Und selber ist man auch zufrieden – und das gibt einem einfach ein gutes Gefühl."

Sabine Herz, Bruderkalb-Initiative Hohenlohe

Bewusst für Öko-Landwirtschaft entschieden

Michaela Amann und ihr Mann sind ebenfalls unter den Gründern. Der Biolandhof der Familie mit rund 40 Milchkühen ist mitten im Schwäbischen Wald, in Fichtenberg-Mittelrot (Kreis Schwäbisch Hall). Schon im Studium entschied sich das Ehepaar für die Öko-Landwirtschaft. Die Milch wird an die Dorfkäserei Geifertshofen (Kreis Schwäbisch Hall) geliefert und durch die Bruderkalb-Initiative bekommen die Landwirte nun auch einen höheren Preis für das hochwertigere Kalb-Fleisch. Sonst wäre die Haltungsform finanziell nicht möglich, sagt Amann.

"Die eigentliche Idee war, dass wir wollten, dass die Kälber auch auf dem Bio-Markt bleiben. Aber es gibt im Bio-Bereich eben wenige Möglichkeiten, die Tiere an die Mast zu verkaufen."

Michaela Amann, Bruderkalb-Initiative Hohenlohe

Rund 40 Bio- und Demeter-Höfe im Land bei Bruderkalb-Initiative Hohenlohe

Ansonsten landen die Kälber meist wieder auf dem konventionellen Markt – auch ein Grund für die Gründung der Bruderkalb-Initiative: Die Kühe bleiben als Milch-Vieh auf dem Hof, der Weg der Bullen-Kälber führt, wenn sie so weit sind, zum nahen Schlachter. Das Fleisch wird regional als Bioprodukt vermarktet. Mittlerweile wirtschaften rund 40 Bio- und Demeter-Höfe im Land nach dem Konzept. Landwirtin Anja Frey vom Völkleswaldhof in Oberrot (Kreis Schwäbisch Hall) hatte die Idee und koordiniert das Ganze.

"Es geht auch um die Tiergesundheit. Wir haben richtig gut wachsende Kälber. Natürlich müssen wir auch gucken, dass wir letztendlich – wenn wir es auf den Markt bringen, eingepackt als Fleisch – auch entsprechende Qualitäten haben."

Anja Frey, Bruderkalb-Initiative Hohenlohe

Anerkennung - vor allem in Corona-Zeiten

Das Projekt bekommt Anerkennung: Gerade in Corona-Zeiten ist die Nachfrage nach regionaler Ware deutlich gestiegen, sind sich die Landwirtinnen einig. Und jetzt ist die Bruderkalb-Initiative im Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau auf der Grünen Woche von Bundesministerin Julia Klöckner ausgezeichnet worden. Der Preis ist für die vier Höfe, die das Herz der Bruderkalb-Initiative bilden, auch eine Bestätigung ihrer Arbeit und Mühen.

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