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Die Päckchen wurden in Ulm zur Post gebracht - doch wie kam die Polizei dem Absender auf die Spur? Die Überwachungskameras halfen nicht - aber das Verpackungsmaterial war einzigartig.

Nach den Briefbomben-Sendungen unter anderem an den Neckarsulmer Discounter Lidl hatten die Ermittler nach kurzer Zeit eine Spur: Die Bomben wurden aus einer Postfiliale in Ulm verschickt. Doch die Aufnahmen der Überwachungskameras ließen sich nicht eindeutig einer Person zuordnen. Die Lösung sei das Verpackungsmaterial gewesen, sagt die Staatsanwaltschaft Heidelberg. Das sei so ungewöhnlich, dass es nicht so einfach zu kaufen sei.

Material führt zum mutmaßlichen Täter

Was genau daran so ungewöhnlich ist, sagt die Staatsanwaltschaft nicht - aber im Raum Ulm habe es ganz genau einen Menschen gegeben, der nach den vorliegenden Unterlagen diese Art Material besessen habe - und das sei der tatverdächtige 66-Jährige. Der Mann ließ sich am Freitagabend ohne Widerstand festnehmen, zur Tat hat er sich laut Staatsanwaltschaft Heidelberg noch nicht eingelassen.

Motiv unklar

Bisher gibt der Rentner Rätsel auf: Er ist nicht polizeibekannt und es gibt keine Anhaltspunkte für politische Aktivitäten. Die Untersuchungen gehen weiter, es sollen noch Anwohner und Nachbarn befragt werden. Der Tatverdächtige wohnt in einem unauffälligen Reihenhaus in einem Ulmer Wohngebiet, das relativ weit von der Post in der Innenstadt entfernt ist. Dort war am Wochenende auch ein Spürhund der Polizei unterwegs, das hat das Landeskriminalamt bestätigt. Ob dieser Hund allerdings eine konkrete Duftspur verfolgen konnte, ist bisher nicht bekannt.

Neckarsulm ist erleichtert über Festnahme

Sowohl die Stadt Neckarsulm als auch der Discounter Lidl sind froh, dass der mutmaßliche Briefbombenabsender gefasst ist. Während das Unternehmen darüber hinaus keine Stellung nehmen will, sagte der Neckarsulmer Oberbürgermeister Steffen Hertwig dem SWR:


"Ich bin vor allem dankbar. [...] Wir haben alle gehofft, dass es zu einem schnellen Ermittlungserfolg führen würde. Aber, dass es so schnell sein wird, ich glaube, damit konnte man nicht rechnen."

Drei explosive Postsendungen an Lebensmittelfirmen

Die Angriffsserie hatte am Dienstag in der Warenannahme eines Getränkeherstellers in Eppelheim (Rhein-Neckar-Kreis) begonnen. Dort wurde ein Mann durch eine Verpuffung verletzt, die laut Polizei von einem Paket ausging, welches der Mann angenommen hatte. Er erlitt ein Knalltrauma.

Am Mittwoch kam es beim Öffnen eines Briefes in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) zu einer Explosion mit drei Verletzten. Ein drittes verdächtiges Paket, das an den Babynahrungshersteller Hipp adressiert war, wurde in der Nacht zu Donnerstag in einem Paktverteilzentrum beim Flughafen München abgefangen und entschärft.

Die drei Sendungen trugen fiktive Absender und waren von DHL angeliefert worden. Eine Sonderkommission mit 100 Beamten unter Leitung des Landeskriminalamts Baden-Württemberg und die Staatsanwaltschaft Heidelberg übernahmen die Ermittlungen.

Heidelberg, Eppelheim, Neckarsulm, München

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