Bioenergiedorf Bretzfeld-Siebeneich  (Foto: SWR, Simon Bendel)

Keine Kostenexplosionen Dank eigener Energie

Energiekrise: Bioenergiedorf Siebeneich entspannt vor dem Herbst

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Viele Bürgerinnen und Bürger sorgen sich vor der Heizperiode in Herbst und Winter. Im Bioenergiedorf Bretzfeld-Siebeneich (Hohenlohekreis) produziert man Strom und Wärme selbst.

Strom und Gas werden teurer, die meisten schauen mit großen Sorgenfalten Richtung Herbst und Winter, wenn die Heizperiode wieder ansteht. In einer Ortschaft im Hohenlohekreis schauen die Bürgerinnen und Bürger aber relativ entspannt auf die Energiekrise, denn im Bretzfelder Ortsteil Siebeneich (Hohenlohekreis) ist man bereits seit Jahren Bioenergiedorf.

Blick auf das Bioenergiedorf Bretzfeld-Siebeneich  (Foto: SWR, Simon Bendel)
Blick auf das Bioenergiedorf Bretzfeld-Siebeneich Simon Bendel

Biomasse sorgt für Strom

Siebeneich darf sich Bioenergiedorf nennen, weil es diverse Kriterien erfüllt. Zum Beispiel muss das Dorf mit Biomasse mindestens so viel Strom erzeugen, wie es benötigt und es muss mindestens die Hälfte des Wärmebedarfs decken können.

Siebeneich ist entspannt

Im 250-Seelendorf Siebeneich können die Bürgerinnen und Bürger etwas entspannter auf die kalten Monate schauen. Zwar treffen die Preissteigerungen in anderen Bereichen die Bevölkerung genauso, aber in Sachen Strom und Wärme ist man da entspannter als anderswo. Das erzählt Lorenz Weibler, Landwirt in Siebeneich.

"Wir sind durch Biogas, Photovoltaik und das Nahwärmenetz mit Hackschnitzelheizung vergleichsweise autark beziehungsweise kostenunabhängig. Das macht für uns den kommenden Herbst und Winter vergleichsweise entspannt."

Höhere Ausgaben für Landwirtschaft

Ihm macht aber - wie fast allen Landwirten gerade - die Trockenheit zu schaffen. Gerade der Mais stehe trocken, sagt er. Außerdem seien landwirtschaftliche Produkte so teuer wie nie, auch die Ausgaben für Diesel seien gestiegen.

Forderung: flexibler Einsatz von Biogasanlagen

Lorenz Weibler ist der Überzeugung, die Energiekrise könnte durch neue Regeln für Biogasanlagen zumindest eingedämmt werden. Er fordert von der Politik, dass Biogasanlagen flexibler eingesetzt werden. Die Leistung könne kurzfristig und befristet erhöht werden, dafür müsse aber der rechtliche Rahmen geschaffen werden.

Die Biogasanlage versorgt Siebeneich mit Strom und Wärme (Foto: SWR, Simon Bendel)
Die Biogasanlage versorgt Siebeneich mit Strom und Wärme Simon Bendel

Heizen mit Biogas und Hackschnitzel

Die Biogasanlage in Siebeneich versorgt das Dorf nicht nur mit Strom, es werden auch 35 Haushalte damit beheizt. Andere Anwohnerinnen und Anwohner heizen über das Nahwärmenetz mit Hackschnitzelheizung. Die Methode sollte laut Lorenz Weibler zumindest für größere Gebäude häufiger genutzt werden.

Hackschnitzel aus Holz aus der Region (Foto: SWR, Simon Bendel)
Hackschnitzel aus Holz aus der Region Simon Bendel

Hilfs-Anfragen aus dem Nachbarort

Das Interesse am Bioenergiedorf ist derzeit riesig, bei der Familie Weibler hat sogar ein Betrieb aus dem Nachbardorf angefragt, ob sie ihm im Falle eines Gasnotfalls unter die Arme greifen können. Das können sie aber nicht leisten, sie können das Gas nicht aufbereiten. Eine derartige Situation hätten sie noch nicht erlebt, so Lorenz Weibler.

Siebeneich als Inspiration

Siebeneich darf sich seit 2011 Bioenergiedorf nennen. Aus heutiger Sicht war es damals nicht nur einen Schritt voraus, Energieunabhängigkeit ist ein Riesen-Thema. Zur Wahrheit gehört aber auch, um größere Städte zu versorgen, gibt es in Baden-Württemberg nicht die Fläche. Ein Bioenergiedorf funktioniert nur in kleineren Kommunen.

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