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Der Weg zur biologischen Landwirtschaft ist in Deutschland erwünscht, aber noch lange nicht am Ziel. Gesellschaftliche und politische Hindernisse müssen überwunden werden.

In Deutschland soll bis zum Jahr 2030 rund 20 Prozent der Landwirtschaft zum Ökolandbau werden, heißt es beim Bundeslandwirtschaftsministerium. Aber nur rund 10 Prozent der deutschen Agrarflächen wurden 2019 für Bioprodukte genutzt, teilt der Bund der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft mit. Kann das Ziel "20 Prozent" dennoch erreicht werden?

Unterschiedliche Strategien sollen zum Wandel führen

Wie Konsumenten dazu gebracht werden können, mehr Bio-Produkte zu kaufen, darüber wird seit Jahrzehnten diskutiert. Auch auf den Öko-Marketingtagen in Kirchberg an der Jagst (Kreis Schwäbisch Hall) tauschen sich Experten zu dem Thema aus. Dabei sind sich viele einig: Preis und Nachfrage hängen direkt voneinander ab und Bio ist momentan teurer als andere Erzeugnisse.

Leckeres frisches Gemüse im Bio Hofladen Föll in Ilsfeld-Wüstenhausen (Foto: SWR, Anno Palumbo)
So soll es sein: Bio-Hofladen mit regionalen Erzeugnissen Anno Palumbo

"So lange das gequälteste Fleisch und das belastetste Lebensmittel das billigste Lebensmittel ist, werden wir dem Verbraucher keinen großen Wandel abringen können."

Julia Köhn, Direktvermarkter Pielers

Mit "echten" Preisen wäre der Markt anders

Im Supermarkt kosten Bio-Produkte den Verbraucher mehr als konventionelle Produkte. Würden alle Kosten, wie zum Beispiel Umweltschäden, mit eingerechnet, wäre die Konkurrenzsituation anders, sagt die Verbraucherorganisation Foodwatch. Einen wirtschaftspolitischen Ansatz, der Bio-Produkte ins richtige Licht rückt, fordert Tina Andres, Geschäftsführerin des Biovermarkters Landwege. Nur so könne Wandel funktionieren.

Forderungen an die Politik

Auch wenn Bio-Produktion zunehmend in der Politik in die Prioritätenliste wandert. Der jüngst verkündete "Green Deal" für Europa wird von vielen Bio-Fachleuten kritisch gesehen. Mit der jetzigen Regierungszusammensetzung sei kein großer Schritt in Richtung Bio zu machen, meint Andres.

"Wir hoffen, dass der 'Green Deal' enorme Chancen für die Zukunft bietet, wenn man ihn konsequent in die Umsetzung bringt, aber aktuell dürfen wir da nicht drauf hoffen."

Tina Andres, Geschäftsführerin Landwege
Plakat Bio-Heimat Hohenlohe (Foto: SWR, Alexander Dambach)
Alexander Dambach

Vorbild Bio-Musterregion Hohenlohe

Ein Vorbild für nachhaltige biologische Landwirtschaft soll die Bio-Musterregion Hohenlohe sein. Dort ist Bio bereits bei vielen Landwirten angekommen. Aber insgesamt müsse es der Markt richten, meint der Vorsitzende der Stiftung "Haus der Bauern" Rudolf Bühler. Es sei eine gesellschaftliche Aufgabe: Wenn 50 Prozent der Verbraucher Bio kaufen, dann gibt es auch 50 Prozent Biolandwirte, so Bühler.

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