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In Epplers Wahlheimat Schwäbisch Hall findet am Donnerstag eine Trauerfeier für den kürzlich verstorbenen SPD-Politiker statt. Der umtriebige Vor- und Querdenker kam jedoch nicht überall gut an. In einem Ex-Kanzler fand er sogar einen "Gegenspieler".

Abschied von SPD-Urgestein Erhard Eppler - der umstrittene Provokateur

Erhard Eppler und Gutsav Heinemann im Gespräch beim deutschen Entwicklungsforum 1970 (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Egon Steiner)
Der 1926 in Ulm geborene Erhard Eppler (rechts) - hier im Gespräch mit Bundespräsident Gustav Heinemann - erreichte den Höhepunkt seiner politischen Karriere im Jahr 1968: Unter dem damaligen Kanzler Kurt Kiesinger (CDU) wurde er zum Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit ernannt. picture alliance/Egon Steiner
Das Amt hatte Eppler auch unter seinem Förderer Willy Brandt (SPD, links) während dessen Kanzlerschaft inne. Eppler wandte sich während seiner Amtszeit mehrfach gegen eine zu enge Verbindung von Außenpolitik und Entwicklungshilfe. Schnell erarbeitete sich der ehemalige Gymnasiallehrer einen Ruf als Idealist. (c) dpa/Report/Michael Dick
Seine Haltung brachte Eppler den Beinamen "Pietkong" ein - eine Erfindung seines Parteikollegen Herbert Wehner. Das wenig schmeichelhafte Wort sollte auf die kommunistischen Vietkong und den protestantischen Pietismus anspielen. Im 1974 gebildeten Kabinett unter Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) sollte Eppler (hintere Reihe, 3. v. l.) nicht lange bleiben. picture alliance/dpa/Peter Popp
Schmidt war gerade sieben Wochen Bundeskanzler, da trat Eppler zurück. Schmidt und Eppler vertraten häufig unterschiedliche Positionen, auch bei Epplers Etat, was schließlich zu dessen Rücktritt führte. Sein Nachfolger wurde Egon Bahr (rechts). Bezogen auf Eppler soll Schmidt gesagt haben: "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen." Eppler ging - er wurde Landes- und Fraktionsvorsitzender der baden-württembergischen SPD. dpa/Bildarchiv/Peter Popp
Nach der Wahlniederlage der baden-württembergischen SPD 1976 wurde die Kritik an Eppler lauter: zu ideologisch, zu intellektuell, ihm wurde eine Entfremdung von der Arbeiterschaft vorgeworfen. In den frühen 1980er Jahren trat er als Fraktions- und Landesvorsitzender zurück. Eppler engagierte sich verstärkt in der Ökologie- und Friedensbewegung, wie hier bei einer Friedensdemonstration 1981 in Bonn. picture alliance/dpa/Klaus Rose
Auf der rund 300.000 Teilnehmer zählenden Demonstration gehörte Eppler zu den Hauptrednern. Er verstand sich als "Scharnier" zwischen der Friedensbewegung und der SPD und wurde zu einem "Gegenspieler" von Kanzler Schmidt. Der befürwortete eine atomare Nachrüstung und Mittelstreckenraketen, Eppler war dagegen - ihm lag vielmehr der Umweltschutz am Herzen, im Gegensatz zu Schmidt. Als die SPD 1986 den Atomausstieg beschloss, war Eppler maßgeblich beteiligt. dpa/Bildarchiv/Martin Athenstädt
Unter dem Zeichen der Abrüstung stand auch der 20. Deutsche Evangelische Kirchentag 1983. Eppler (3. v. l.) gehörte als überzeugter Christ auch mehrere Jahre zum Vorstand und war von 1981 bis 1983 und 1989 bis 1991 sogar Präsident des Kirchentags. So soll er auch gute Kontakte zu Christen in Ostdeutschland geknüpft haben, was ihm einen frühen Einblick ins Innenleben der DDR gewährte. (c) dpa - Bildarchiv_Dieter Klar
Trotz seines Engagements in der Kirche und der Friedensbewegung blieb Eppler in der SPD aktiv. So war er von 1973 bis 1992 Vorsitzender der Grundwertekommission der Partei. Seine Arbeit mündete im "Berliner Programm", das er zusammen mit Oskar Lafontaine (rechts) und der ehemaligen SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier in Bonn 1989 vorstellte. Es sollte als Parteiprogramm der SPD noch bis 2007 den politischen Weg der Partei maßgeblich beeinflussen. dpa/Report/Martin Athenstädt
Ebenfalls 1989 hielt er eine Rede vor dem Bonner Parlament, in der er die innenpolitischen Entwicklungen der folgenden Monate quasi vorwegnahm. Erstmals erhielt Eppler auch Zuspruch von CDU- und CSU-Politikern, wie Kanzler Helmut Kohl (CDU). Dass Eppler den Niedergang der DDR vorausahnte, führten Insider später auf seine Kontakte zu Christen in Ostdeutschland zurück. Zwei Jahre später verabschiedete er sich von der großen politischen Bühne. dpa/Report/Tim Brakemeier
Dennoch mischte sich Eppler immer mal wieder in die Politik ein, unterstützte Gerhard Schröder (SPD) bei der "Agenda 2010" und veröffentlichte zahlreiche Bücher. Privat ließ er sich mit seiner Frau Irene, mit der er vier Kinder hatte, in seiner Wahlheimat Schwäbisch Hall nieder. Dort wurde er 2015 zum Ehrenbürger ernannt. picture alliance/Daniel Naupold/dpa
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