Prozessauftakt am Landgericht Heilbronn: Die 70-jährige Kindersitterin soll einen Siebenjährigen getötet haben, so die Anklage.  (Foto: SWR, Anno Palumbo)

Totschlagsprozess vor Landgericht Heilbronn Pflege-Oma schweigt weiter

Auch am vierten Prozesstag vor dem Heilbronner Landgericht schweigt die 70-jährige Angeklagte. Die Pflege-Oma soll in Künzelsau einen Siebenjährigen erwürgt haben.

Der Vorsitzende Richter sagte am Montag, man versuche in diesem Verfahren, Licht ins Dunkel zu bringen. Doch dies gestalte sich schwierig, denn auch am Montag schwieg die Angeklagte zum Vorwurf der Staatsanwaltschaft, den siebenjährigen Jungen aus Künzelsau erwürgt zu haben. Sie alleine könne den mutmaßlichen Tatablauf an jenem Freitagabend im April schildern.

Zeugen berichten über inniges Verhältnis

Am Montag hatten weitere Zeuginnen und Zeugen ausgesagt. Sie kommen aus dem Bekannten- und Freundeskreis der Opferfamilie und der Angeklagten. Der Junge habe ein inniges Verhältnis zu seiner Ersatzoma gehabt. Das sagten zwei Zeuginnen übereinstimmend aus. Eine davon war eine frühere Kollegin der gelernten Krankenschwester. Die Angeklagte habe das Kind als ihren Enkelsohn bezeichnet, die Mutter des Jungen als ihre Tochter.

Das Heilbronner Landgericht (Foto: SWR, Uli Jürgens)
Prozess vor dem Heilbronner Landgericht soll bis Januar abgeschlossen sein Uli Jürgens

Verlustangst als mögliches Motiv

Die Staatsanwaltschaft hat als Motiv Verlassensängste formuliert. Die 70-Jährige habe wohl befürchtet, dass der Junge mit fortschreitendem Schulalter nicht mehr zu ihr kommen würde, hieß es weiter.

Gemütszustand der Angeklagten in den Monaten davor

Diesen Ansatz der Staatsanwaltschaft konnten die Zeugen am Montag nicht bestätigen. Was ihre langjährige Kollegin allerdings beschrieb, war ihr Gemütszustand in den Monaten vor dem Tod des Jungen. Da sei die Angeklagte nicht mehr positiv, lebensbejahend und aktiv gewesen, sondern eher in sich gekehrt und tieftraurig.

Sie sei laut Aussage wohl auch beim Arzt gewesen, der habe ihr ein Antidepressivum verschrieben. Ob sie es dann auch genommen habe, könne sie nicht sagen. Laut Zeugin sei die Angeklagte zu keiner Zeit aggressiv gewesen, eher ausgeglichen und friedlich.

Angeklagte hat bisher geschwiegen

Die 70 Jahre alte Angeklagte hat bisher nicht ausgesagt, ihre Anwältin hatte dies vage in Aussicht gestellt, sich aber zeitlich nicht festgelegt. Der Junge war Ende April tot im Haus der Angeklagten in Künzelsau gefunden worden. Für den Prozess sind noch Verhandlungstage bis Ende Januar vorgesehen.

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