Mann tippt auf leuchtender Tastatur - russische Hacker-Angriffe nehmen zu. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Nicolas Armer)

Neckarsulmer Unternehmen unterstützt Betroffene

IT-Spezialist Bechtle: "Cyber-Attacken nehmen zu"

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Laut dem IT-Unternehmen Bechtle aus Neckarsulm nehmen Cyber-Attacken immer stärker zu. Das kann die gesamte Gesellschaft bedrohen. Bechtle hilft Betroffenen.

Cyber-Attacken nehmen aktuell immer stärker zu, berichtet Christian Grusemann, der Business Manager Security beim IT-Unternehmen Bechtle mit Sitz in Neckarsulm (Kreis Heilbronn). Bei den Angriffen gehe es vor allem um Erpressung, Vorteile, den Diebstahl von Geld oder Identitäten. Damit wird auch die Cyber-Sicherheit für Unternehmen zu einem besonders wichtigen Thema.

IT-Angriffe besonders kritisch für Unternehmen

Inzwischen sei IT-Sicherheit aus Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Angriffe auf die IT könnten im schlimmsten Fall die Existenz eines Unternehmens bedrohen, so Grusemann. Daher sei es besonders wichtig, sowohl bei Prävention wie auch bei Detektion und Reaktion auf solche Angriffe gut aufgestellt zu sein.

"Früher war IT-Sicherheit ein Anhängsel bei Unternehmen, heute ist sie elementar."

Bei Bechtle sehe man eine deutliche Zunahme bei der Anzahl an Cyber-Attacken auf Unternehmen, aber auch auf die kritische Infrastruktur, betont Grusemann im Interview mit dem SWR Studio Heilbronn. Vor allem aus Asien, aber auch aus Russland kämen immer mehr solcher Online-Attacken.

Cyber-Attacken auch eine Bedrohung für Gesellschaft

Als Beispiel nennt Grusemann Unternehmen, die in der Lebensmittelproduktion tätig sind. Die Angriffe auf die IT könnten ein solches Unternehmen, das beispielsweise Milch produziere, lahmlegen. Damit würden bei diesem Beispiel täglich mehrere Hundert oder Tausend Liter Milch fehlen.

"Wenn solche Unternehmen nicht mehr funktionieren, hat das natürlich unmittelbare Auswirkungen auf die Versorgung von Menschen."

Bei Bechtle gebe es allerdings auch Fälle, in denen Unternehmen aus dem Bereich der Benzin- und Energieversorgung betroffen seien. Wird ein Cyber-Angriff nicht abgewehrt, kommt Bechtle ins Spiel. Doch Grusemann betont, ein betroffenes Unternehmen "wieder zum Laufen zu bekommen", das sei nicht in zwei Tagen erledigt. Das könne zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen.

Bechtle unterstützt als "Eingreiftruppe"

Seit dem 1. April 2021 ist Bechtle beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als APT-Response-Team gelistet. Das bedeutet, dass sie direkt auf Cyber-Attacken reagieren. Auch hier zeige sich die Zunahme solcher Angriffen, so Grusemann, habe man doch inzwischen schon rund 160 Unternehmen in solchen Fällen geholfen.

"Wir sind ganz gut beschäftigt. Die Mitarbeitenden sind bei uns sehr stark ausgelastet."

Aber Bechtle kommt nicht erst, wenn es zu spät ist. Laut Grusemann sei das Unternehmen aus Neckarsulm in mehreren Bereichen aktiv. Einmal in der Prävention, wo Technologien zur Abwehr aufgebaut werden, dann auch im Bereich proaktiver Abwehr und Erkennung von Angriffen und zu guter Letzt eben auch als schnelle Eingreiftruppe, um den operativen Betrieb in betroffenen Unternehmen schnellstmöglich wiederherzustellen.

IT-Sicherheitsbereich soll weiter ausgebaut werden

Schon in den vergangenen vier Jahren hätten sich der Umsatz, aber auch das Personal bei Bechtle im Bereich IT-Sicherheit verdreifacht. Generell sei der Bereich IT-Sicherheit ein stark wachsender Markt, weiß Grusemann. Auch beim Neckarsulmer IT-Unternehmen laufen die Gespräche, wie man hier noch weiter ausbauen und sich vergrößern kann.

"Wir werden weiter in den Bereich investieren und mehr Know-how beziehungsweise mehr Personal aufbauen."

Im Bereich IT seien Ressourcen und Personal allerdings knapp, so Grusemann weiter. Und je spezialisierter das gesuchte Personal sein müsse, desto enger werde es, berichtet er. Als Beispiel nennt er die IT-Forensik, die Spuren analysiert und dokumentiert, um diese später vor Gericht verwertbar zu machen.

Gezielte Angriffe, aber auch wenig geschützte Unternehmen betroffen

Wenn man es runterbreche, so Grusemann, gebe es zwei Arten von Cyber-Angriffen. Zum einen gezielte, um sich etwa einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Dann gebe es aber auch Angriffe, die "mit der Gießkanne über alle Unternehmen verteilt" würden. Hier treffe es dann vor allem Unternehmen, die im Bereich Cyber-Sicherheit schlecht aufgestellt seien oder bekannte Schwachstellen nicht ausgemerzt hätten.

Auch Corona habe dazu beigetragen, dass Schwachstellen entstehen, wenn man auf das Homeoffice schaue. Bei der Einrichtung sicherer Heimarbeitsplätze war Bechtle auch stark gefragt. Dennoch sei die größte Schwachstelle der Mensch, was gerade mit der vermehrten Arbeit von zu Hause wieder zu Problemen geführt hat oder führen könnte, erklärt Grusemann. Da genüge es, wenn ein Mitarbeiter auf dem Firmenrechner beispielsweise eine private E-Mail abrufe und auf einen Link klicke, auf den er besser nicht geklickt hätte.

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