Bahnübergang Grünsfeld (Foto: SWR)

Lösung im Bahnschranken-Streit

Grünsfelder brauchen Geduld: Übergangs-Chaos bis 2024

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AUTOR/IN
Laura Cloppenburg

Seit Juni herrscht in Grünsfeld Verkehrschaos und Ärger. Vier Bahnübergänge sind zeitgleich ausgefallen. Nun verspricht die DB eine Lösung, die nicht allen gefallen dürfte.

Mitte Juni fallen in Grünsfeld (Main-Tauber-Kreis) von einem Tag auf den anderen gleich vier Bahnübergänge aus und müssen seitdem zeitaufwendig manuell bedient werden. Erste Prognose der Deutschen Bahn (DB): der technische Defekt könne erst im Zuge der Gesamterneuerung der Bahnsteige behoben werden - Ende 2024. Im Ort staut sich buchstäblich Ärger auf - an den Schranken müssen Verkehrsteilnehmer bis zu 20 Minuten warten. Bei einem Pressegespräch haben Vertreter der DB Netz AG Würzburg der Gemeinde am Mittwoch nun ihren Lösungsvorschlag unterbreitet.

Novum für die Bahn - Geduldsprobe für die Grünsfelder

Man habe fieberhaft nach Lösungen gesucht, verkündeten die Vertreter der Würzburger Netz AG. Das sei auch im Interesse der DB, denn der manuelle Betrieb der mobilen Notübergänge bedeute einen enormen Aufwand. Geschätzt fallen um die 100.000 Euro monatlich durch das dafür abgestellte Personal an. Dennoch: Genehmigungs- und Vergabeverfahren, Ausschreibungen und hohe Sicherheitsstandards machten eine schnelle Wiederinbetriebnahme schwierig.

"Wir können nicht einfach einen Elektriker da vorbei schicken. Die Deutsche Bahn hat strenge Sicherheitsstandards."

Erleichterung für die Gemeinde

Die Gemeinde soll nicht wie ursprünglich angekündigt bis zur Bahnsteigerneuerung Ende 2024 warten müssen. Die Bahn will das Projekt nun aufteilen, sodass die technischen Probleme an den vier Übergängen bereits im ersten Quartal 2024 behoben sein sollen. Im zweiten Schritt kümmere man sich dann um die weitere Modernisierung. Ein bereits laufendes Projekt zugunsten einer schnelleren Ad-Hoc-Lösung zu stoppen und umzuplanen - damit betrete die DB Neuland, betonten die Vertreter.

"Wenn wir das hinbekommen, ist das für uns echt ein Novum. Das hat es noch nie gegeben bei der Deutschen Bahn."

Den Grünsfeldern dürfte die Zeitspanne dennoch lang erscheinen. Ein Dreivierteljahr heißt es, die langen Wartezeiten weiter in Kauf zu nehmen.

Bahn entschuldigt sich für kommunikative Pleite

Im Vorfeld der Einigung hatte es in Grünsfeld großen Ärger über die Kommunikation - vielmehr die fehlende Kommunikation - der DB gegeben. Wochenlang drang die Gemeinde mit ihren Problemen nicht durch. Im Pressegespräch entschuldigten sich die Vertreter der DB Netz AG nun bei der Gemeinde für das lange Schweigen der Bahn. Vier Wochen ohne jede Information, das sei nicht gut gewesen.

"Das lag schlicht daran, dass wir nicht wussten, was wir kommunizieren sollten. Wir hatten erst mal keine Lösung."

Das auch das eine Information sein könne, die zur Beruhigung der Situation beitrage, das habe man aus der Sache gelernt, so die Vertreter.

Gemeinde drängt auf Übergangslösungen

Bürgermeister Joachim Markert (CDU) zeigte sich erleichtert, dass nun ein konkreter Plan auf dem Tisch liegt. Die Ehrlichkeit der Netz AG wisse er zu schätzen. Nun könne man die Probleme angehen, die in der Übergangszeit bis 2024 drängend seien. Sorgen mache der Gemeinde insbesondere der Schulstart im September. Wenn zur Mittagszeit rund 200 Schülerinnen und Schüler von Lauda kommend über den Übergang zu ihren Bussen müssen, werden sie vom Bahnübergang aufgehalten. Das sei eine gefährliche Situation, die es zu lösen gelte. Markerts Bitte an die Bahnvertreter: Ein Zug-freies Zeitfenster zu definieren, an dem die Schranken offen stehen und nach dem sich Schulen, Eltern und Verkehrsunternehmen richten können. Zwischenzeitlich sind zumindest Banner im Ortsgebiet errichtet, die Verkehrsteilnehmer auf das Problem vor Ort hinweisen. Das dürfte sich mittlerweile aber auch herumgesprochen haben.

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Laura Cloppenburg