Forchtenberg Auszeithaus Hohenlohe (Foto: SWR)

Fern vom Alltagsstress die innere Ruhe finden

Forchtenberg: "Auszeithaus Hohenlohe" eröffnet

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Raus aus dem Alltagsstress. Zur Ruhe kommen. Sich seinen Gedanken stellen. Das tut gut in den heutigen Zeiten - und ist jetzt möglich im "Auszeithaus Hohenlohe" in Forchtenberg.

Das "Auszeithaus Hohenlohe" liegt ruhig und idyllisch mitten in Wohlmuthausen, einem Teilort von Forchtenberg (Hohenlohekreis). Damit ist der Standort genau richtig gewählt. Dort sollen gestresste Menschen zur Ruhe kommen, bevor es schlimmer wird, erklärt der Initiator Andreas Grathwohl. Gemeint sind Zustände wie Burnout, die nachweislich immer häufiger diagnostiziert werden - in allen gesellschaftlichen Schichten.

Forchtenberg Auszeithaus Hohenlohe (Foto: SWR)
Ein Teil des Teams im Gesprächsraum (v.l.): Andreas und Tanja Grathwohl, Gesprächsbegleiterin Saskia Pihaly und Pfarrer Klaus Kempter

"Manchmal erschöpft sich unsere innere Quelle. Dann braucht es oft nur die Einfachheit einer Auszeit. Damit wir wieder zum Wesentlichen kommen."

Gemeinnütziger Verein unterstützt

Das "Auszeithaus" bietet sechs eingerichtete Zimmer, teilweise mit Gemeinschaftsbad, teilweise sogar mit eigener Kochecke. Dazu gibt es einen Seminar- und Meditationsraum, einen Speise- und Begegnungssaal und eine Teeküche. Vom Alltag oder der Arbeit werden Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten manchmal überwältigt, weiß Grathwohl. Deshalb ist für jeden Geldbeutel etwas dabei.

Spenden willkommen

Sollte sich beispielsweise eine alleinerziehende Mutter eine Woche Ruhe nicht leisten können, springt der eigens gegründete gemeinnützige Verein "Auszeithaus Hohenlohe" ein und unterstützt finanziell. "Der gutverdienende Manager darf gerne zusätzlich eine Spende da lassen", grinst der Vereinsvorsitzende, Pfarrer Klaus Kempter aus Öhringen (Hohenlohekreis).

Der Verein finanziert sich aus Spenden vieler Mitglieder, aber auch Firmen. "Das dürfen gerne noch mehr werden", sagt Kempter. Das Ziel des Projekts "Auszeithaus" ist nicht der Profit im finanziellen Sinne, sondern der inneren Ruhe.

Forchtenberg Auszeithaus Hohenlohe (Foto: SWR)
Blick aus einem der Zimmer in den anderen Nachbargarten

Fern vom Alltagsstress die innere Ruhe finden

Dabei helfen auch Gesprächsbegleiter und -begleiterinnen. Bevor es ins "Auszeithaus" geht, können sich Gäste auf der Homepage informieren und sich auch aussuchen, wer sie begleiten soll. Drei Gespräche werden pro Aufenthaltswoche angeboten.

"Die ersetzen aber keine Therapie", betont eine der ehrenamtlichen Gesprächsbegleiterinnen, Saskia Pihaly aus Kupferzell (Hohenlohekreis). "Wir geben Denkanstöße und zeigen mögliche Wege auf, mehr nicht." Zeit, Raum und Ruhe könne man auch im Urlaub erleben. "Ohne Impulse von außen nehme ich meine Probleme aber meist wieder mit nach Hause", heißt es auf der Homepage des Vereins.

Auszeithaus Hohenlohe (Foto: SWR, Mathias Grimm)
Die Gemeinschaftsküche im "Auszeithaus Hohenlohe" während der Renovierung Mathias Grimm

Pihaly hat wie alle anderen Gesprächsbegleiter entsprechende Vorbildung für begleitende Gespräche. Sie ist unter anderem Beraterin für Achtsamkeit und Stressbewältigung. Es gibt auch Angebote wie Waldspaziergänge, Malen oder Töpfern. All das kann freiwillig genutzt werden - Hauptsache "kein Stress".

Einfach mal abschalten

"Das ist genau das große Problem in der heutigen Zeit", betont Pfarrer Klaus Kempter, der noch bis September die katholische Seelsorgeeinheit Öhringen-Neuenstein betreut. Viele Menschen seien überfordert mit ihrer jeweiligen Lebenssituation, ob privat oder beruflich, ob Alleinerziehende, Handwerker, Polizisten oder Top-Manager.

"Bevor es zu spät ist, sollte jeder die Reißleine ziehen und sich der eigenen Situation stellen", sagt "Auszeithaus"-Initiator Andreas Grathwohl. Der Samen für die Idee wurde bei ihm 2013 gelegt, als er in einer ähnlichen Einrichtung in Oberschwaben zu Besuch war. "Da habe ich gemerkt, einfach mal abschalten, das löst vieles aus."

Auszeithaus Hohenlohe (Foto: SWR, Mathias Grimm)
Baumaterial gibt es zum Start keines mehr Mathias Grimm

Renovierungsstart mit Hindernissen

2014 ging es dann tatsächlich los, aus der Idee wurde ein konkretes Projekt. Mitstreiter waren schnell gefunden, der Gedanke trieb viele Menschen um. Ein gemeinnütziger Verein wurde gegründet, Spenden gesammelt.

Die Grathwohls kauften das Haus, in dem früher das Dorfgasthaus "Rose" war, neben dem ihren in Wohlmuthausen. Es gab zunächst viele Diskussionen mit dem zuständigen Bauamt, rollt Tanja Grathwohl die Augen. "Es war unklar, ist es ein Hotel, eine Pension, ein Therapiezentrum." Da gelten jeweils andere Bauvorschriften und sie treffen so nicht auf das "Auszeithaus" zu.

Auszeithaus Hohenlohe (Foto: SWR, Mathias Grimm)
Natur und Gebäude im Einklang in Wohlmuthausen Mathias Grimm

Verbindung von Alt und Neu

Schließlich ging es aber los, der Ausbau des Gebäudekomplexes konnte beginnen. Teile stammen von Anfang des 20. Jahrhunderts, andere Teile sind sogar älter. Es wurde Wert darauf gelegt, Neues und Altes zu verbinden. So steht beispielsweise im Eingangsbereich ein großer Tisch, dessen Platte aus Holz und Stahl von der Entkernung stammen.

Forchtenberg Auszeithaus Hohenlohe (Foto: SWR)
Alte Wirtshaussprüche in Szene gesetzt

Und bei den Renovierungsarbeiten wurden alte Wirtshaussprüche an den Wänden gefunden. "Die haben wir möglichst erhalten", freut sich Andreas Grathwohl, der überall versuchte, die neue Nutzung als "Auszeithaus Hohenlohe" mit "altem Material" zu realisieren. Modern ist die Einrichtung vor Ort aber allemal - mit dem Ziel, zur Ruhe zu kommen.

Bis zur offiziellen Einweihung Anfang Juni mit geladenen Gästen musste viel getan werden. Corona-Pandemie und Handwerkermangel, dazu gestiegene Preise, haben auch vor dem "Auszeithaus" nicht halt gemacht. Die Gäste können aber kommen.

Auszeithaus Hohenlohe (Foto: SWR, Mathias Grimm)
Auszeithaus Hohenlohe Mathias Grimm Bild in Detailansicht öffnen
Es war noch viel zu tun im Hof Bild in Detailansicht öffnen
Baumaterial gibt es zum Start keines mehr Mathias Grimm Bild in Detailansicht öffnen
Natur und Gebäude im Einklang in Wohlmuthausen Mathias Grimm Bild in Detailansicht öffnen
Die Gemeinschaftsküche im "Auszeithaus Hohenlohe" während der Renovierung Mathias Grimm Bild in Detailansicht öffnen
Dachterrasse für alle Gäste Bild in Detailansicht öffnen
Ruhe am "Seerosenteich" Mathias Grimm Bild in Detailansicht öffnen
Ausblick auf die ruhige Straße Bild in Detailansicht öffnen
Fachwerk im Grünen Bild in Detailansicht öffnen
Blick auf den grünen Nachbargarten Bild in Detailansicht öffnen
Moderne Badezimmer Bild in Detailansicht öffnen
Historisch anmutende Ecken Bild in Detailansicht öffnen
Blick aus einem der Zimmer in den anderen Nachbargarten Bild in Detailansicht öffnen
Alte Wirtshaussprüche in Szene gesetzt Bild in Detailansicht öffnen
Das "Auszeithaus" in Wohlmuthausen kurz vor der Eröffnung Bild in Detailansicht öffnen

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