Audi in Neckarsulm (Foto: SWR)

Wirtschaftsminister ruft Frühwarnstufe Notfallplan Gas aus

Audi-Werk Neckarsulm: Gasversorgung aktuell gesichert

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Dreht Russland den Gashahn zu und welche Folgen hätte das für regionale Unternehmen? Diese Sorgte treibt viele Firmen um. Aktuell läuft die Versorgung mit Gas ohne Probleme.

Der Autobauer Audi erklärt auf SWR-Anfrage, Volkswagen beziehe sein Erdgas aus dem deutschen Verbundnetz, welches den aktuellen deutschen Bedarf decken könne. Dementsprechend sei die Versorgung der Werke und Kraftwerke gesichert.

Situation wird genau beobachtet

Die Gas-Lieferanten von Audi würden ihr Erdgas von Händlern und aus dem Markt beziehen, die Quellen seien dem Unternehmen aber nicht bekannt. Audi beobachte die Situation genau, auch bezüglich möglicher Auswirkungen auf das Geschäft, da deutliche Preissteigerungen am Markt zu verzeichnen seien.

Ob die von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwochmorgen ausgerufene Frühwarnstufe des Notfallplans Gas Folgen für Firmen und damit auch Audi hat, ist noch unklar. Wie stark der Neckarsulmer (Kreis Heilbronn) Produktionsstandort von Gas abhängig ist, dazu macht das Unternehmen allerdings keine Angaben. 

Produktion normalisiert sich

Die Auto-Produktion in Neckarsulm normalisiert sich aktuell gerade wieder. In den vergangenen Wochen sorgten neben Chipmangel auch fehlende Kabelbäume aus der Ukraine für stillstehende Bänder.

Bei den Modellen A6 und A7 etwa ruht die Produktion zur Zeit noch bis einschließlich Freitag. Dann wird bis zum 15. April nur im Einschichtbetrieb produziert. Die Luxuslimousine A8 wird hingegen im Zweischichtbetrieb normal gefertigt.

"Folgen der Corona-Pandemie, der anhaltende Halbleiterengpass und die Auswirkungen der Kampfhandlungen in der Ukraine werden die Fahrweise auch in den kommenden Wochen beeinflussen. Auch zukünftig kann es zu kurzfristigen Produktionsunterbrechungen kommen."

Laut Neckarsulmer Audi-Betriebsratsvorsitzendem Rainer Schirmer geht der Krieg in der Ukraine auch den tausenden Audi-Beschäftigten sehr nahe. Bei Produktionsausfällen müssen Mitarbeiter in Kurzarbeit, welche aber vom Unternehmen finanziell abgefedert werde.

"Es gibt so viel Volatilität im Moment. Das kann morgen schon wieder anders sein. Wir haben keine Planungssicherheit."

Das Thema Energie- und Versorgungssicherheit für die heimische Wirtschaft beschäftigte auch die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Heilbronn-Franken intensiv. Das Kammerparlament tagte am Montag zum ersten Mal nach zwei Jahren wieder in Heilbronn in Präsenz in der Aula des Bildungscampus.

DIHK: Sorge vor russischem Gas-Stopp groß

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, war online aus Berlin zugeschaltet. "Was passiert, wenn Russland den Gashahn zudreht?", stellte Wansleben als Frage in den Raum.

Es drohe die reale Gefahr, dass Fabriken komplett stillstehen könnten. Das Ganze sei für die Wirtschaft in der Tat ein "bedrohliches Thema". Die Bundesnetzagentur sei bei der Gaszuteilung am Zug. Bei Gasknappheit habe bisher die Prämisse gegolten, dass Privathaushalte vor Unternehmen zu versorgen seien. "Ich sehe hier aber Zeichen eines politischen Schwenks", so Wansleben.

"Bislang galt die Devise: Lieber warme Füße als qualmende Schornsteine."

In Gesprächen mit dem Wirtschaftsministerium sei deutlich geworden, dass man von dieser "einseitige Priorisierung" abrücke. In einer gemeinsamen Resolution fordern die Industrie- und Handelskammern zudem Sofortmaßnahmen gegen hohe Strom- und Energiepreise. 

Baden-Württemberg

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