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Diesel-Kläger dürften es schwerhaben, VW-Konzerntöchter wie Audi mit Sitz in Neckarsulm im Abgasskandal haftbar zu machen. Das zeichnete sich am Montag in der Verhandlung eines Musterfalls am Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe ab.

Der Autohersteller Audi aus Neckarsulm (Kreis Heilbronn) haftet nicht unbedingt beim Einbau von Dieselmotoren mit manipulierter Abgasreinigung seiner Konzernmutter Volkswagen. Vielmehr müssen nach Auffassung des Bundesgerichtshofs (BGH) zunächst die Kläger belastbare Indizien vortragen, dass Audi von den Manipulationen der Dieselmotoren seitens VW wusste. Das zeichnete sich am Montag in der mündlichen Verhandlung einer Schadenersatzklage eines Audi-Käufers vor dem BGH in Karlsruhe ab. Das endgültige Urteil wird zu einem späteren Zeitpunkt verkündet.

Manipulierte Abgaswerte auch in Neckarsulmer Diesel-Autos

Audi hatte den bei VW entwickelten Skandalmotor EA189 für eigene Modelle übernommen. Anders als beim Mutterkonzern Volkswagen gehen die Richter nach Vorberatungen aber nicht davon aus, dass die unzulässige Abgastechnik bei Audi zwangsläufig bekannt gewesen sein muss, wie der Vorsitzende Richter am BGH, Stephan Seiters, sagte.

Wer Audi direkt verklagt hat, müsste demnach viel konkretere Vorwürfe vortragen. Um die Lücken zu schließen, wird der verhandelte Fall aller Voraussicht nach an das Oberlandesgericht Naumburg zurückverwiesen. Die allermeisten vom Skandal betroffenen Diesel-Besitzer haben VW direkt auf Schadenersatz verklagt. Gegen Audi ist nach eigenen Angaben eine niedrige vierstellige Zahl von Klagen anhängig.

Kläger fordert Erstattung des Kaufpreises

Der Kläger hatte im Mai 2015 einen gebrauchten Audi A6 Avant gekauft. In dem Fahrzeug war der Dieselmotor EA 189 mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung eingebaut. Bei diesen Dieselmotoren wurde der vorgeschriebene niedrige Stickoxidausstoß nur auf dem Prüfstand erreicht, nicht jedoch im Straßenverkehr. Nachdem der Dieselskandal öffentlich wurde, gab es eine Rückrufaktion. Das Fahrzeug des Klägers erhielt 2016 ein Software-Update. Der Besitzer klagte dennoch auf Schadenersatz wegen sittenwidriger Schädigung und will das Auto gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgeben.

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