Hand streicht über Audi-Logo (Foto: dpa Bildfunk, Ronald Wittek)

"Es ist bewundernswert, wie ukrainische Zulieferer unter hohem Risiko arbeiten"

Neckarsulmer Autobauer Audi hat weiter mit Teileengpässen zu kämpfen

STAND

Die Corona-Pandemie, ein Engpass bei Halbleitern und dann der Ukraine-Krieg. Der Neckarsulmer Autobauer Audi hat weiter mit den Folgen zu kämpfen.

Aus der Ukraine bezieht Audi etwa Kabelbäume, also gebündelte Leitungen, die in den neuen Fahrzeugen verlegt werden. Sie sind für die Strom- und Datenübertragung zentral und je nach Ausstattungsvariante individuell. Durch den Krieg in der Ukraine kam die Produktion der Kabelbäume ins Stocken, in Folge standen einzelne Bänder in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) still.

Neue Zulieferstandorte in Europa

Um die Folgen abzumildern ist Audi nach eigenen Angaben dazu übergegangen, in anderen europäischen Ländern neue Zulieferstandorte aufzubauen. Konkret werden also Werkzeuge, Anlagen und Maschinen wie in den ukrainischen Fabriken aufgestellt. In welchen Ländern Audi jetzt etwa auch noch Kabelbäume produziert, dazu macht das Unternehmen auf SWR-Anfrage keine weiteren Angaben.

"Es ist bewundernswert, wie ukrainische Zulieferer unter hohem Risiko arbeiten und rund die Hälfte der Produktion gewährleisten können."

Lohnniveau in der Ukraine gering

Mit den ukrainischen Partnern will Audi auch in Zukunft zusammenarbeiten. Das hat wohl auch wirtschaftliche Gründe. Das Lohnniveau dort ist gering. Laut Süddeutscher Zeitung werden dort Kabelbäume von ungelernten Kräften für rund zwei Euro pro Stunde in Handarbeit zusammengebaut.

"Auch nach Kriegsende ist es uns wichtig, zu unseren Partnern in der Ukraine zu stehen. Wir werden (...) langfristig weiter mit ihnen zusammenarbeiten."

Man sei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Zulieferfirmen sehr dankbar, dass sie ihr Bestmögliches geben würden, um Audi weiter zu beliefern, heißt es an anderer Stelle im Audi-Statement.

Kurzfristiger Versorgungsengpass stoppt A8-Produktion

Aktuell steht in Neckarsulm die Produktion der Luxuslimousine A8 still, die nur hier gebaut wird und etwa in China sehr gefragt ist. Die Produktion im Werk sei nach wie vor von Einschränkungen betroffen, heißt es.

"Diese volatile Situation führt dazu, dass wir auch weiterhin zeitweise Anpassungen unserer Fahrweise nicht ausschließen können. Kurzfristig auftretende Versorgungsengpässe führen dazu, dass die A8-Produktion auch in dieser Woche ruht."

Audi-Mitarbeiter, die vom Produktionsstillstand betroffen sind, werden in Kurzarbeit geschickt oder sie nutzen die Zeit, um sich fortzubilden.

Umsatz im ersten Quartal trotzdem gesteigert

Im ersten Quartal 2022 hat Audi deutlich weniger Autos ausgeliefert als im ersten Quartal des Vorjahres. Weltweit wurden rund 385.000 Fahrzeuge verkauft - knapp 80.000 weniger als im ersten Quartal 2021. Als Grund nennt Audi Versorgungsengpässe und den erneuten Corona-Lockdown in China, aber auch, dass es in Übersee im Vorjahr Rekordwerte gegeben habe, die schwer zu toppen gewesen seien.

Deutschland ist das einzige Land, in dem Audi mehr Fahrzeuge ausliefern konnte als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Allerdings liegt man immer noch unter dem Vor-Corona-Niveau. Der Bilanz machen die Lieferengpässe nicht zu schaffen: Audi steigerte den Umsatz im ersten Quartal auf rund 14,3 Milliarden Euro.

Neckarsulm

Wirtschaftsminister ruft Frühwarnstufe Notfallplan Gas aus Audi-Werk Neckarsulm: Gasversorgung aktuell gesichert

Dreht Russland den Gashahn zu und welche Folgen hätte das für regionale Unternehmen? Diese Sorgte treibt viele Firmen um. Aktuell läuft die Versorgung mit Gas läuft ohne Probleme.  mehr...

Heilbronn

Neue Herausforderungen durch Elektromobilität Heilbronn: Neue Feuerwache bei Audi in den Böllinger Höfen

Im Einsatzfall schnell vor Ort sein, wenn jede Sekunde zählt. Der Autobauer Audi hat eine neue Feuerwache im Audi-Werk in den Böllinger Höfen in Heilbronn eröffnet.  mehr...

Neckarsulm

Nachhaltiger Rennsport als Voraussetzung Audi und Porsche planen möglichen Einstieg in die Formel 1

Audi und Porsche könnten bald in der Formel 1 mitmischen. Der Aufsichtsrat des VW-Konzerns hat dafür grünes Licht gegeben. Die Entscheidung könnte bei Audi schon im Herbst fallen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN